Unsere CHRONIK Vom eirunden zum runden Ball Um die Ehre, Fußball in Deutschland zuerst gespielt zu haben, streiten sich Hannover, Heidelberg, Frankfurt und Cannstatt. Wie die Sache heute steht, geht wahrscheinlich Cannstatt als Sieger aus diesem Wettstreit hervor." Das sagt Philipp Heineken, der in New York verstorbene Fußball-Pionier und Senior des VfB Stuttgart, einer der ersten Sportjournalisten Deutschlands. Er hat für seine Behauptung einen unbestechlichen, neutralen Zeugen. Der Engländer William Cail, 1892-94 Präsident der English Rugby Football Union, erzählt in seinen Erinnerungen, wie er 1865 als Schüler der Klose'schen Anstalten in Cannstatt mit zahlreichen anderen englischen jungen, die in Stuttgart und Cannstatt zur Schule gingen, im Neckartal, auf dem Cannstatter Wasen, Rugby-Fußball spielte! Cannstatt, in der Mitte des vorigen Jahrhunderts ein weltberühmtes Bad - der Kursaal ist heute noch Zeuge davon - zog damals zahlreiche Ausländer, die ruhig und billig leben wollten, an sich. junge Engländer und Amerikaner, welche die Schulen Cannstatts und Stuttgarts besuchten, tummelten sich in den achtziger Jahren und früher auf dem Wasen, dem Cannstatter Exerzierplatz, zu dem die Stuttgarter jährlich nur einmal über die alte Holzbrücke pilgerten, im September nämlich, wenn dort das Volksfest stieg, wenn der bis auf unsere Tage überkommene Zauber der Buden und Zelte alt und jung zum Fest an die Gestade des Neckars lockte. Dieser Cannstatter Wasen, von Philipp Heineken schon die klassische Stätte unseres Spieles genannt, war die Geburtsstätte des württembergischen, ja wahrscheinlich des deutschen Fußballsports. Die Cannstatter Jugend nämlich fand Gefallen am Fußball, sie nahm diesen Sport begeistert auf. Es fand sich bald auf dem Wasen eine Anzahl loser Spielgemeinschaften, und schließlich kam es 1890 zur ersten festen Vereinsgründung. Es entstand der nach Frankfurt 1880 zweitälteste Verein Süddeutschlands, der Cannstatter Fußball-Club.
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