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Mercedes-Benz-Museum
Mythos Automobil
Nein,
unter falscher Bescheidenheit leidet Ben van Berkel sicher nicht.
Für einen Vergleich mit dem von ihm konzipierten neuen
Mercedes-Benz-Museum ist dem holländischen Architekten das Beste
gerade gut genug: das Guggenheim-Museum in New York und das Centre
Pompidou in Paris.
Allein die nackten Zahlen des größten
Automobilmuseums der Welt, zu dessen Kosten das Unternehmen keine
Angaben macht, versetzen den Beobachter in Staunen: 35 000 Pläne
wurden erstellt, 210 000 Quadratmeter Raum umbaut, 10 000 Tonnen
Stahl verarbeitet und 630 000 Meter Kabel im Beton verlegt, bis der
110 000 Tonnen schwere und 47,5 Meter hohe Technik-Tempel nach
20-monatiger Bauzeit im Mai 2006 fertig war. Dennoch wirkt das
architektonische Highlight, das direkt vor dem Untertürkheimer
Stammwerk des Unternehmens entstanden ist und höchste Anforderungen
an die Statik stellt, keineswegs schwerfällig. Die 15 000
Quadratmeter umfassende Fassadenhülle aus schimmerndem Aluminium und
hohen Glasfronten verleihen ihm eher einen futuristischen und
dynamischen Eindruck. Auch im Innern des epochalen Gebäudes setzt
sich das Staunen über die spektakulären Formen und virtuosen
Geometrien fort. Architekturkritiken schwärmen von „Beton, dem das
Tanzen beigebracht wurde". Mit Ausnahme des Aufzugsschachts
existiert in dem komplizierten Raumgefüge keine einzige gerade Wand.
Besonders hervorstechend sind zwei parallel laufende, ineinander
verschlungene Stränge, die den per Panoramaaufzug nach oben
gebrachten Gast über neun Ebenen hinabführen. Eine spannende Reise
durch Raum und Zeit auf einer Fläche von 16 500 Quadratmetern.
Vorbei
an 175 funkelnden und blitzenden Fahrzeugen, darunter der Große
Mercedes 770 von Kaiser Wilhelm II. und der SL von Prinzessin Diana,
die Ausstellungsmacher HG Merz in ungewohnten Blickwinkeln und vor
ausgefallenen Hintergrundmotiven präsentiert. So kleben in der
zweiten Etage Rennwagen spektakulär an der Avus-Steilwandkurve.
Eingebettet ist die zu „Stahlbeton gewordene Zeitmaschine"
(Mercedes-Magazin) in die neue, 53 000 Quadratmeter große
MercedesBenz-Welt, zu der auch das Mercedes-Benz-Center mit
Verkaufshaus, Ausstellungsräumen Werkstätten und Büros gehört
(Kosten: 50 Millionen Euro). Verrunden sind beide Komplexe durch
eine künstliche Landschaftsebene, die sich auf rund hundert Metern
erstreckt. Auf den bis zu 5,80 Meter hohen Erdhügeln gibt es eine
Arena sowie Platz für mehrere tausend Menschen und Events aller Art.
Allein das Museum, das schon in seiner alten Form ein
Touristenmagnet war, rechnet mit einer Verdoppelung der jährlichen
Besucherzahlen: von 500 000 auf eine Million. |