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Magazin für Tradition, Mythos und Kultur
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  unabhängige Vereinspage über die Profimannschaft des VfB Stuttgart 1893 e.V.       11. Jahrgang

 
 
 


 
    
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Viel Staub und ein wenig Stolz
Der Stadionchef und sein Team

Kaum stand das Daimlerstadion als Austragungsort der Fußball-WM 2006 fest, wurde das städtische Sportamt mit Anfragen fürs Drehen von Werbespots oder Fotoaufnahmen fast überschwemmt. Puma wollte dem Hausherrn der Arena quasi sogar auf dem Kopf herumtanzen. Die Pläne der Sportartikelfirma sahen Folgendes vor: Auf dem Membrandach der Haupttribüne sollte ein großes Podest, über der Gegengeraden ein Fußballtor in Originalgröße aufgebaut werden. Mit der Absicht, dass ein Spieler in luftiger Höhe einen Ball von der einen Seite auf die andere tritt. Doch die kühnen Werbestrategen bekamen eine Absage. „Aus Sicherheitsgründen", wie Bernd Schmidt, beim Sportamt zuständig für Veranstaltungsmanagement und Organisation, erläutert. Doch dieser Fall ist eher die Ausnahme als die Regel. Denn die 48-köpfige Sportamtsabteilung um Stadionchef Roland Haas entspricht überhaupt nicht dem Klischee vom muffigen Beamtenladen, der sich hinter Gesetzen und Verordnungen verschanzt. Im Gegenteil. „Wir verstehen uns als Dienstleister", betont Haas, „der auf die Bedürfnisse seiner Kunden eingeht."

Egal ob Fußballspiel, Open-Air-Veranstaltung oder Event im Businessbereich des Stadions — Flexibilität und Einsatzbereitschaft sind Trumpf. „Unsere Leistungen", sagt der technische Leiter Martin Schmeckenbecher, „müssen auf den Punkt hin abrufbar sein." Das heißt nicht nur, dass die Mitarbeiter oft am Freitag erfahren, ob sie am Wochenende arbeiten müssen, sondern auch, dass der städtische Gärtner notfalls auch nachts um elf und bei Eiseskälte ausrückt, um den vom Training ramponierten Rasen wieder auf Vordermann zu bringen. Oder dass der Elektriker von der ersten bis zur letzten Veranstaltungsminute Gewehr bei Fuß steht, falls es technische Probleme gibt.
Obwohl die Stromversorgung doppelt abgesichert ist. Denn einen Lichtausfall kann sich ein Veranstalter im Zeitalter von horrenden Summen, die die TV-Stationen für Übertragungsrechte hinblättern, nicht leisten. „In der nächsten Sekunde", prophezeit Haas, „würde der Programmdirektor bei mir auf der Matte stehen."

Um solche teuren Pannen zu vermeiden, legt der Stadionchef nicht nur großen Wert auf Spezialisten aller Fachrichtungen, sondern auch auf eine eingespielte Mannschaft. „Wir müssen einen Teamgeist entwickeln wie im Fußball und stolz sein, dass wir hier arbeiten dürfen." Auch unter schwierigen Bedingungen mit viel Staub und Dreck, wie sie zwischen 1999 und 2006 — abgesehen von wenigen Ruhephasen — fast ständig im und ums Stadion herrschten. Kaum war eine Baustelle beseitigt, wurde schon die nächste aufgemacht. Ein Provisorium löste das andere ab. Mit der Folge, dass an einem Tag die Elektrokabel und die Zugangswege verlegt werden mussten, am nächsten die Toiletten, manchmal sogar komplette Gastronomiebereiche. Und das unter Einhaltung sämtlicher Auflagen und Sicherheitsbestimmungen.
Zu Flexibilität zwingen das Sportamt auch die Lau nen der Natur. Bricht der Winter wie 2005/06 mit Macht über das Stadion herein, heißt es Schnee und Überstunden schieben. Auch der Herbst zeigt sich den Mitarbeitern nicht nur in seiner Pracht. „Die vielen Laubbäume rund ums Stadion sehen zwar wunderschön aus", sagt Schmeckenbecher, „werfen aber auch Megatonnen von Laub ab."

Seit Vollendung der neuen Haupttribüne im Jahr 2001 hat sich zudem die Zahl der Führungen deutlich erhöht. Rund 25-mal im Monat werden Firmen, Vereine, Pressevertreter, Schulklassen, Geburtstagsgesellschaften oder andere Besuchergruppen durchs Stadion geschleust. Während Erwachsene meist neugierig auf die VIP-Räume und Logen sind, wollen Kinder unbedingt die Umkleidekabinen sehen und durch den Spielertunnel ins Stadion rennen. „Sind sie erst einmal drin", erzählt Haas schmunzelnd, „gibt es kein Halten mehr." Unter zwei Runden, die dann auf der Kunststoffbahn gedreht werden, geht's meist selten ab. Wenn zur gleichen Zeit die Rasenmäher-Flotte unterwegs ist, registriert Haas solche Dinge mit einem wachenden, ansonsten aber vor allem mit einem lachenden Auge. Denn natürlich macht es ihn stolz, dass die Immobilie mit einem Anlagevermögen von 150 Millionen Euro so großes Interesse auslöst. Verwundern tut es den Stadionchef indes nicht. „Eine Arena, die einen solchen Charakter und so eine lange Historie besitzt und trotzdem auf dem modernsten Stand der Technik ist — so etwas gibt es nur in Stuttgart."

Deshalb dachte Haas schon vor der Fußball-WM lange über 2006 hinaus. „Glauben Sie mir", sagt er, „hier im Herzstück des einmaligen Neckar-Parks, dem neu konzipierten Areal zwischen Schleyerhalle und Mercedes-Benz-Museum, werden wir dem Publikum noch viele neue Ideen und Veranstaltungen präsentieren."

 
 
     
   
     
   
     
   
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