Seite [zurück]
Magazin für Tradition, Mythos und Kultur
  Seite [vor]
     
   
 
  unabhängige Vereinspage über die Profimannschaft des VfB Stuttgart 1893 e.V.       11. Jahrgang

 
 
 


 
    
  Arbeitsplätze Die Fans Neckarpark    
  Grillmeister Verkäufer Stadionsprecher Sportreporter Stadionwart Polizei Caterer Stadionteam Greenkeeper Schlosser  

Safety first
Die Polizei-Einsatzleitung

Andreas Hinkel hat einen rabenschwarzen Tag erwischt. Beim Gegentor sieht der VfB-Abwehrspieler ganz alt aus, hinzu kommen mindestens fünf haarsträubende Fehlpässe. Auch in der Befehlszentrale der Polizei, einer gläsernen Kabine unterm Stadiondach der Gegengeraden, wird während der Halbzeitpause heftig über Hinkels Aussetzer diskutiert. „Vielleicht", sagt Einsatzleiter Dieter Schüle schmunzelnd, „sollten wir ihn präventiv in Gewahrsam nehmen." Seine vier Kollegen lachen.

Ein gutes Zeichen. Denn so lange in der gläsernen Kabine direkt unter dem Dach der Gegengeraden Zeit zum Flachsen bleibt, ist für die Polizei alles im grünen Bereich. Ein Routineeinsatz in einem normalen Bundesligaspiel. Keine besonderen Vorkommnisse. Sieht man von ein paar betrunkenen Gästefans ab, die statt beim Fußball in der Ausnüchterungszelle landen. Business as usual. Dementsprechend gelassen ist die Lage. Neben Laptops, Telefonen und Funksprechgeräten stehen Thermoskannen, Tassen und Brezeln auf dem Tisch. Von Kaffeekränzchen-Atmosphäre dennoch keine Spur. „Hier Wasen 100!" Alle Fäden laufen in dem Herz der Sicherheitszentrale zusammen, alle Einsätze werden von der gläsernen Sicherheitskanzel aus koordiniert. Schüle, Befehlsstellen-Leiter Gerd Burkhardt und ihre sechs Kollegen stehen ständig in Kontakt mit den verschiedenen Einsatzabschnitten, zu denen an einem „normalen" Spieltag wie diesem 140 Polizisten gehören sowie Rotes Kreuz und Feuerwehr. Ebenso wie mit SDS, einem privaten Ordnungsdienst, der im Auftrag des Veranstalters VfB Stuttgart heute mit 477 Leuten im Einsatz ist. Weil diese Kräfte über die Einhaltung des Hausrechts wachen, kann sich die Polizei während des Spiels meist im Hintergrund halten. „Wir sind aber immer präsent", betont Schüle, „und können eingreifen, wenn es erforderlich ist oder wenn man uns um Hilfe ruft." Direkt im und ums Stadion ist das eher selten der Fall. Die Zahl der Ausschreitungen und Gewalttaten ging in den letzten Jahren deutlich zurück. „Ich kann mich gar nicht mehr daran erinnern", sagt Burkhardt, „wann es die letzte Auseinandersetzung gab."

Denn zum Glück existiert in Stuttgart aktuell keine harte Hooligan-Szene mehr. Nach Spielschluss kommt es allerdings hin und wieder zu so genannten Drittort-Schlägereien: Prügeleien, zu denen sich rivalisierende Gruppen verabreden. Zum Beispiel in Weinbergen oder anderen abgelegenen Orten, wo regelrechte Wettkämpfe ausgetragen werden. „Erst kürzlich", verrät Burkhardt, „wurden entsprechende Videos sichergestellt." Mit einer Art Bundesliga-Tabelle, in der die schlagkräftigsten „Fans" aufgelistet waren. Schüle hofft, auch diese Art von Gewalt mit „unserer guten Arbeit" in den Griff zu bekommen, die sich weit über die Landeshauptstadt hinaus herumgesprochen hat. Immer wieder sind Polizeidelegationen aus europäischen Ländern zu Gast, um von ihren Stuttgarter Kollegen zu lernen. Das Erfolgsrezept beruht auf zwei Grundprinzipien. Zum einen sieht die Strategie ein „konsequentes und frühzeitiges Einschreiten" vor, zum anderen werden die gegnerischen Fangruppen nicht nur im, sondern auch außerhalb des Stadions systematisch voneinander getrennt. „Nach dem Spiel ist vor dem Spiel." Diese alte Herberger-Weisheit gilt auch für unsere Freunde und Helfer. „An jedem Bundesliga-Spieltag", erläutert Burkhardt, „erstellt die Polizei bundesweit so genannte Verlaufsberichte." Erkenntnisse, die zentral erfasst und abgerufen werden können. Außerdem halten szenekundige Zivilbeamte sowie der VfB die Stuttgarter Polizei über die örtliche Fanszene auf dem Laufenden. Auch Erfahrungen der Vergangenheit, erwartete Zuschauerzahlen und Parallelveranstaltungen fließen in die Vorbereitung mit ein. „Je mehr wir wissen", sagt Schüle, „desto besser können wir unseren Einsatz planen und uns für Eventualitäten wappnen."

Am Spieltag werden die Einsatzkräfte der Stuttgarter und der Bereitschaftspolizei entsprechend postiert. An neuralgischen Verkehrsknotenpunkten, Bahnhöfen, in der Innenstadt sowie an bekannten strategischen Stellen wie Supermärkten oder Tankstellen, wo sich die Fans mit Alkoholika eindecken. Und natürlich rund ums Stadion, wo auch Reiterstaffeln im Einsatz sind.

Zudem setzt Burkhardt auf „Big Brother": „Die neue Videoanlage ist einmalig in Deutschland." 38 Kameras (32 im Außenbereich, 6 im Stadion), ausgestattet mit Infrarotscheinwerfern und Scheibenwischern, halten das komplette Geschehen exakt fest. Lückenlos wird der Anmarsch der Fans vom Cannstatter Bahnhof bis zum Stadion gefilmt und auf der Festplatte des Computers gespeichert. Mittels Zoom kommen Straftäter auf den 38 Monitoren der Befehlsstelle ganz groß raus. Über Brennweiten von 480 Millimetern ist es auch relativ einfach, Hobby-Pyrotechniker auszumachen. Selbst wenn das Feuerwerk noch so farbenprächtig aussehen mag, versteht Schüle in dieser Beziehung keinen Spaß. „Ein Riesen-Gefahrenpotenzial", warnt der Revierleiter Bad Cannstatt, Wiesbadener Straße. „Beim Abbrennen bengalischer Feuerwerkskörper entstehen Temperaturen von über tausend Grad und giftige Dämpfe." Dank intensiver Kontrollen bekam die Polizei dieses Problem mittlerweile aber gut in den Griff. Als ebenfalls sehr wirksam hat sich die bundesweit praktizierte zivilrechtliche Maßnahme von Stadionverboten erwiesen. „Das", sagt Schüle, „tut den Leuten richtig weh". Im Fall Hinkel dagegen glaubt der Einsatzleiter auf Strafmaßnahmen verzichten zu können. „Jeder hat mal einen schlechten Tag. Beim nächsten Mal läuft's sicher wieder besser."

 
 
     
   
     
   
     
   
     Unterstützt wird HefleswetzKick von:  
     
 
     
 
 
   
 
 
Aktuelles ........................................... [weiter]   Statistik ...................................... [weiter]
Nachrichten Ergebnisse, Tabellen, ..     Zahlen, Daten Fakten, ...  
Teams ............................................... [weiter]   Stadion ....................................... [weiter]
Fotos, Berichte, Geschichte, ...     Geschichte, Ereignisse, ...  
Personen .......................................... [weiter]   Fanzone ...................................... [weiter]
Datenbanken, Fotos, Geschichten, ...     alles für den VfB Stuttgart Fan  
Chronik ............................................. [weiter]   Download ................................... [weiter]
Zeitgeschichte, Dokumente, ...     für zu Hause  
 
 
  HefleswetzKick | Michael Holzschuh | Weilbachweg 9 | 82541 Münsing | Telefon: 08177-997267 | E-Mail | Internet |
Inhaltlicher Verantwortlicher gemäß § 55 Abs. 2 RStV: Michael Holzschuh (Anschrift wie nebenstehend)