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Magazin für Tradition, Mythos und Kultur
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  unabhängige Vereinspage über die Profimannschaft des VfB Stuttgart 1893 e.V.       11. Jahrgang

 
 
 


 
    
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Wenn auf dem Wasen die Hasen grasen Michael Pfeiffer ist beim VfB Stuttgart für die Rasenpflege zuständig (2010)
Viel Schatten, wenig Licht (2006)
Greenkeeper und Gärtner (2006)

Michael Pfeiffer hebt die rechte Augenbraue, die Mundwinkel gehen leicht nach unten. Man kann das schon als direkte Antwort nehmen. Eine auch wortlos ausdrucksstarke Antwort an Uli Hoeneß. „Solange ich etwas zu sagen habe, wird Lothar Matthäus bei uns nicht einmal Greenkeeper“, ließ Bayerns damaliger Manager Uli Hoeneß vor Jahren verlauten. Das bisschen Rasenmähen.

Seiner fehlenden Wertschätzung für einen ganzen Berufsstand hat Hoeneß so öffentlich Ausdruck verliehen. Pfeiffer hat damit ein Problem. Der 44-Jährige ist nämlich Chef-Greenkeeper, also Rasenpflegefachkraft beim VfB Stuttgart. „Ich bin kein Platzwart, der nur ein bisschen den Rasenmäher durch die Gegend schiebt“, sagt er. Pfeiffer ist vielmehr Herr über Millionen von Grashalmen auf insgesamt acht Trainingsplätzen an der Stuttgarter Mercedesstraße. Seit 2006 ist der Mann aus Obereisesheim mit drei weiteren Kollegen zuständig für die Rasenpflege beim Fußball-Bundesligisten. „Der VfB hat damals jemanden gesucht. Und schon war ich hier“, sagt Pfeiffer, der zuvor bei einem Golfclub für Fairway, Grün und Co. zuständig war. „Golfer sind noch ein bisschen anspruchsvoller als Fußballer, was den Rasen angeht“

Der Start beim VfB ging damals gleich in die Hose. Im August 2006 setzte die Sprinkleranlage nachts den Trainingsplatz der Profis unter Wasser. Die Zeitschaltuhr hatte versagt, 14 Stunden lang lief das Wasser. „Der Platz war eine einzige Morastfläche“, erinnert er sich. Wasserball ja, Fußball nein hieß es am nächsten Tag. „Am Ende der Saison ist die Mannschaft trotzdem deutscher Meister gewesen“, sagt Pfeiffer. Heute kann er darüber lachen. Langweilig ist der Arbeitsalltag nie, rund zwei Stunden pro Platz gehen allein jeden Tag fürs Rasenmähen drauf. Jede Menge schweres Gerät steht im großen Schuppen auf dem VfB-Clubgelände. Zur Bodenlockerung oder auch zur Düngung. In seinem kleinen Büro in den Katakomben führt Pfeiffer genau Protokoll, wie welcher Platz gedüngt wird. Der lange Winter war in diesem Jahr besonders schweißtreibend. „Unseren Kunstrasenplatz haben wir bestimmt sieben oder acht Mal vom Schnee befreit“, sagt Pfeiffer.

Keine Maulwurfshügel
Noch sind die VfB-Rasenexperten nur für die Trainingsplätze zuständig, bald jedoch gehört auch die Mercedes-Benz-Arena dem Verein. „Als das Stadion einen neuen Rasen bekommen hat, war ich mit in den Niederlanden, um den Rollrasen auszusuchen“, sagt Pfeiffer. Für die teuren Fußballerbeine gibt Pfeiffer alles. Der Maulwurfshügel gilt allgemein als der schlimmste Feind des Greenkeepers. Nicht so in Stuttgart. „Hier gibt es wegen des Grundwassers keine Maulwürfe. Dafür aber jede Menge Hasen“, erzählt Pfeiffer. Sie hinterlassen kleine Souvenirs auf dem Rasen. Auf dem Wasen grasen halt tatsächlich die Hasen. Viel schlimmer als Feldhasen sind jedoch Fußballerbeine. VfB-Trainer Christian Gross mag zum Beispiel Fußballtennis. „Da treten die Spieler dann fast auf der Stelle“, sagt Pfeiffer, der dann das lädierte Grün wieder aufpäppeln darf. Aber bald ist ja ohnehin Saisonpause. Dann können sich Grün und Greenkeeper erholen. Im eigenen Garten lässt es Familienvater Pfeiffer eher ruhig angehen: „Daheim mähe ich keinen Rasen.“ Diese Aufgabe übernimmt seine Frau. „Sie hat schließlich auch mal als Greenkeeperin gearbeitet.“


Fernsehleute, Polizisten und andere Offizielle, die gedankenlos über den Rasen des Daimlerstadions stapfen, kann Gärtner Dieter Butz leiden wie Zahnweh. Als ob es in den letzten Jahren nicht schon genug Probleme mit dem Grün gegeben hätte! Insbesondere im Herbst und Winter 2005 stand der Rasen im Daimlerstadion heftig in der Kritik. Nach jedem schwachen Spiel musste der „Acker" als Alibi herhalten und die städtischen Gärtner wurden zum Sündenbock gemacht. „Einer muss halt der Dumme sein", sagt Greenkeeper Jens Oppenländer emotionslos.

Dabei hatten er und seine Gärtner das Ungemach schon vor dem Verlegen des 8100 Quadratmeter großen Untergrunds im Sommer 2004 geahnt. „Die Grassorte kam aus Amerika", sagt Butz geringschätzig, „das hat einfach nicht gepasst." Nach dem „Fehlkauf" (Stadionchef Roland Haas) vertraut das Sportamt inzwischen auf Qualität made in Germany: speziell auf für die Fußball-WM gezüchtete Gräser der Firma Büchner aus Alsbach-Hähnlein in der Nähe von Darmstadt.

Doch wie muss ein Stadionrasen eigentlich beschaffen sein, damit er höchsten Ansprüchen genügt? „Strapazierfähig", antwortet Oppenländer, „und möglichst resistent gegen Krankheiten." Und farblich? „Auf gar keinen Fall dunkelgrün!" Auch wenn die TV-Sender diese Optik so sehr lieben. „Ein guter Rasen muss helle Flecken haben", betont der Greenkeeper. „Nur dann hat er auch ausreichend Wurzeln geschlagen."

Doch das Anwachsen des Rollrasens bereitet zusehends Probleme. Nicht nur in Stuttgart. Nicht nur wegen der Rasenheizung, meint Butz: „Oben Kälte, unten Wärme — das funktioniert nicht." Immer stärker werden die modernen Arenen zugebaut. „Die heutigen Stadien sind fast Hallen", sagt Oppenländer. „Aufgrund der riesigen Dächer fällt kaum mehr Sonne herein." Aber ohne Licht geht in der Pflanzenwelt nun mal nichts. Eine weitere Erschwernis ist die mangelnde Luftzirkulation.

Die Folge davon ist, dass im Daimlerstadion kein natürliches Klima mehr herrscht und jede Baumaßnahme in den vergangenen Jahren zu weiteren Verschlechterungen führte. „Wenn im 50 Meter Luftlinie entfernten Robert-Schlienz-Stadion 25 Grad gemessen werden", erzählt Martin Schmeckenbecher, technischer Leiter des Sportamts, „ist es bei uns im Sommer oft bis zu fast 50 Grad Celsius heiß."

Oppenländer gibt sich denn auch keinen großen Illusionen hin. „Einen Rasen, der unter diesen kleinklimatischen Bedingungen vier bis fünf Jahre hält, gib4's nicht mehr. Das Einzige, was wir tun können, ist das Absterben so lange wie möglich hinauszuzögern."

Dafür legen sich der Greenkeeper und sein Team mächtig ins Zeug. Kaum ein Tag vergeht, an dem der Rasen nicht gedüngt, belüftet, bewässert, nach- gesät, ausgebessert oder gemäht wird.

Dieter Butz setzt sich auf seinen Koffermäher, reißt das Startkabel in die Höhe und lässt den Motor an. Konzentriert und ohne Hilfsmittel („Alles Übungssache") zieht er seine kerzengeraden Bahnen quer über das Spielfeld. Zunächst mehrmals von rechts nach links, dann von links nach rechts. Da die Antriebsrollen des Mähers das Gras in Fahrtrichtung walzen, entstehen die von den Zuschauern oft bewunderten, je nach Blickrichtung hellen und dunklen Rasenmuster, an denen sich auch die Linienrichter orientieren.

Bei dieser Arbeit sollte Butz tunlichst keiner in die Quere kommen. Schon mehrmals hat der resolute Rasenmähermann Fernsehteams, Polizisten oder andere Offizielle vom Platz gestellt.

 
 
     
   
     
   
     
   
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