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VIP's only!
Genuss erster Klasse
Der Caterer
„Bitte
einen Schnitt!" Einen was? Als ein Gast des Business-Centers zum
ersten Mal diesen Wunsch äußerte, glaubte Sabine Adolph zunächst an
einen Hörfehler. Schließlich kannte die gelernte Hotel-Fachfrau das
gesamte Getränkerepertoire aus dem Effeff, von A wie Aperol bis Z
wie Zombie. Aber keinen „Schnitt". Inzwischen hat die Servicekraft
auch diese Bildungslücke geschlossen. „Ein Schnitt", erklärt sie
lachend, „ist ein Bier, das zur Hälfte aus Schaum besteht." Ein
Getränk, das sich in der Dinkelacker-Lounge größter Beliebtheit
erfreut. Dort bewirtet Sabine Adolph an jedem Spieltag um die 40
VIPs. Mit Getränken aller Art, mit Charme, mit rheinländischer
Fröhlichkeit, mit Begeisterung und Spaß.
Das sind genau die Ansprüche, die Thomas Stojka,
Stadionmanager des Cateringunternehmens Eurest an seine 200
Mitarbeiter im Business-Center stellt. „Freundlich und offen auf den
Kunden zugehen — das ist das A und 0 in unserem Geschäft. Alles
andere kann man lernen."
Das musste auch Stojka. Besonders in der Anfangszeit sprang er öfter
im Kreis. An einem Spieltag fiel eine Zapfanlage aus, das nächste
Mal fehlten Teller, dann wieder Servietten. Zum Haareraufen! Zu
allem Übel gab's auch noch ständig Feueralarm. Daran waren
allerdings nicht die Caterer schuld, sondern die fehlerhaft
installierten Rauch- und Wärmemelder. Inzwischen hat die
Stadiontechnik dieses Problem ebenso in den Griff gekriegt wie
Eurest den Gastronomiebereich des Business-Centers. „Zweieinhalb
Jahre brauchten wir dafür", sagt Stojka, „aber jetzt läuft es so
gut, dass ich auch mal ein paar Minuten in eine Loge gehen und beim
Spiel zuschauen kann." Aber bis dahin gibt es noch jede Menge zu
tun. Vier Stunden vor dem Anpfiff wuselt es bereits von dienstbaren
Geistern auf den vier Ebenen des Business- Centers, das mit einer
Fläche von 5500 Quadratmetern so groß wie ein Fußballfeld ist und
herkömmliche gastronomische Maßstäbe sprengt. Tische aufstellen und
decken, Gläser, Teller, Besteck und Servietten platzieren sowie 14
Büffets herrichten.
Von
Hektik dennoch keine Spur. Die Vorbereitung in den 44 Logen, 9
Lounges und 4 weiteren separaten Gasträumen sowie an den diversen
Bars und zahlreichen Theken läuft wie am Schnürchen. Jeder Handgriff
sitzt, das ausgeklügelte Logistikkonzept greift. Eurest weiß genau,
was die 2500 VIPs wünschen: Pro Begegnung kalkuliert das Unternehmen
mit einem Bedarf von 3500 Kilo Lebensmitteln und 6300 Litern an
Getränken.
Rund zweieinhalb Stunden vor dem Spiel kommen die
ersten Gäste. Viele davon via roten Teppich und gläsernen Steg, der
das Parkhaus P1 mit dem Stadion verbindet. „Einen schönen guten
Tag." Auch wer das Business-Center zum ersten Mal betritt, findet
sich sofort zurecht. Dank der attraktiven Wegweiser: Hostessen,
viele kurzberockt, alle jung und hübsch. Ein paar Meter weiter
präsentiert sich Reifen-Reiff mit einem Stand und kleinen
Werbegeschenken, dahinter locken einige Damen des Kaufhauses
Breuninger, beide Firmen offizielle Partner des VfB, mit einem
Gewinnspiel. VIP-Tipp ausfüllen, Karte einwerfen — und weiter geht's
in Richtung Büffet. Das Angebot ist ebenso reichhaltig wie fein:
diverse Salate, Mini-Lachsduett im Blätterteig, Putenmedaillons in
Zitronenthymiansauce ... Lecker!
„Wir wollen ein Ambiente bieten, in dem sich der Zuschauer rundum
wohl fühlt", betont Stojka, „selbst wenn er ein schlechtes Spiel
gesehen hat." Aber Letzteres hofft natürlich keiner der Gäste, die,
sofern sie nicht schon in den Logen sitzen, allmählich die Tische
und Theken verlassen und sich in Richtung ihrer Plätze zu den
gepolsterten Business-Seats bewegen. „Draußen unter dem Tribünendach
befindet sich die Intensivstation Bundesliga", ist auf der
VfB-Homepage zu lesen. „Drinnen ist der Unruheraum mit hohem
Unterhaltungswert." Aber erst wieder in der Pause, wo ein
Halbzeitsnack in Form eines Mini- Fleischkäses mit Senf gereicht
wird — und natürlich danach.
Kaum
ist der Abpfiff ertönt, geht's im Business-Bereich schon in die
turbulente Verlängerung. Nicht selten bis in die Puppen. Wenn die
Letzten fröhlich den beliebten Treffpunkt Piano-Bar verlassen, ist
Mitternacht meist schon längst vorbei. Doch zuvor sind Essen und
Trinken, Diskussionen und Smalltalk sowie „Sportschau"- und
Promi-Gucken angesagt. Denn wer die Augen offen hält, kriegt neben
vielen wichtigen Leuten auch die eine oder andere bekannte Person zu
Gesicht. „Mensch, da drüben in dem gelben Pulli, ist das nicht der
Sundermann?" „Echt? Der war aber auch schon mal schlanker." Zur
Erlebnis-Gastronomie gehören auch solche Unterhaltungen dazu. Das
weiß auch Stojka. „Wenn der Gast nach dem Spiel noch das Glück hat,
mit Harald Schmidt, Buffy Ettmayer oder Hansi Müller plaudern zu
können, ist das ein unvergessliches Event, das er sonst nirgendwo
geboten kriegt."
Dafür hat der exklusive Kreis der so genannten Premium-Partner, für
den es eine Warteliste von circa 400 Interessenten gibt, auch viel
Geld bezahlt: Das günstigste Einzel-Ticket, das Zugang in den
VIP-Bereich garantiert, kostet 3519 Euro pro Saison (Business-Seat).
Für die Logen (15 Personen) sind 86 100 bis 99 000 Euro zu berappen.
Ohne Mehrwertsteuer, aber inklusive der einen oder anderen
Extrawurst. Beispielsweise ist für die Herren des EnBW-Vorstands der
Besuch eines Fußballspiels unverzichtbar an den Verzehr einer heißen
Roten gekoppelt. Trotz zahlreicher anderer kulinarischer
Köstlichkeiten.
Diese
gibt's übrigens nicht nur bei Fußballspielen. An rund weiteren 130
Tagen im Jahr ist der VIP-Bereich Schauplatz von anderen
Veranstaltungen wie privaten Feiern oder Firmen-Meetings. Solche
zusätzlichen Events sind für Eurest wichtig, sollen sich doch die
2,5 Millionen Euro, die beim Abschluss des Zehnjahres-Vertrags mit
dem VfB und der Stadt in-, vestiert wurden, möglichst rasch
amortisieren.
Am meisten Hektik herrscht jedoch, wenn ein Länderspiel vor der Tür
steht. „Innerhalb von zwei Tagen", erzählt Stojka, „müssen wir das
ganze Haus umbauen." Mit gestrengen Augen kontrolliert anschließend
ein Vertreter des Deutschen Fußball- Bundes, ob auch wirklich alle
Dinkelacker- gegen Bitburger-Gläser und alle Ensinger- gegen
Bonaqua-Flaschen ausgetauscht wurden. Nur wer zu den DFB-Sponsoren
zählt, darf sich werbewirksam präsentieren. Das geht so weit, dass
sogar jedes Panasonic-Logo an den zahlreichen Fernsehern im
VIP-Bereich abgeklebt werden muss. „Ein Fußballspiel dauert zwar
nach wie vor nur 90 Minuten", sagt Stojka lächelnd, „alles, was
davor und danach passiert, ist Marketing". Und wird immer wichtiger. |