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Magazin für Tradition, Mythos und Kultur
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  unabhängige Vereinspage über die Profimannschaft des VfB Stuttgart 1893 e.V.       11. Jahrgang

 
 
 


 
    
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VIP's only!
Genuss erster Klasse
Der Caterer

„Bitte einen Schnitt!" Einen was? Als ein Gast des Business-Centers zum ersten Mal diesen Wunsch äußerte, glaubte Sabine Adolph zunächst an einen Hörfehler. Schließlich kannte die gelernte Hotel-Fachfrau das gesamte Getränkerepertoire aus dem Effeff, von A wie Aperol bis Z wie Zombie. Aber keinen „Schnitt". Inzwischen hat die Servicekraft auch diese Bildungslücke geschlossen. „Ein Schnitt", erklärt sie lachend, „ist ein Bier, das zur Hälfte aus Schaum besteht." Ein Getränk, das sich in der Dinkelacker-Lounge größter Beliebtheit erfreut. Dort bewirtet Sabine Adolph an jedem Spieltag um die 40 VIPs. Mit Getränken aller Art, mit Charme, mit rheinländischer Fröhlichkeit, mit Begeisterung und Spaß.

Das sind genau die Ansprüche, die Thomas Stojka, Stadionmanager des Cateringunternehmens Eurest an seine 200 Mitarbeiter im Business-Center stellt. „Freundlich und offen auf den Kunden zugehen — das ist das A und 0 in unserem Geschäft. Alles andere kann man lernen."

Das musste auch Stojka. Besonders in der Anfangszeit sprang er öfter im Kreis. An einem Spieltag fiel eine Zapfanlage aus, das nächste Mal fehlten Teller, dann wieder Servietten. Zum Haareraufen! Zu allem Übel gab's auch noch ständig Feueralarm. Daran waren allerdings nicht die Caterer schuld, sondern die fehlerhaft installierten Rauch- und Wärmemelder. Inzwischen hat die Stadiontechnik dieses Problem ebenso in den Griff gekriegt wie Eurest den Gastronomiebereich des Business-Centers. „Zweieinhalb Jahre brauchten wir dafür", sagt Stojka, „aber jetzt läuft es so gut, dass ich auch mal ein paar Minuten in eine Loge gehen und beim Spiel zuschauen kann." Aber bis dahin gibt es noch jede Menge zu tun. Vier Stunden vor dem Anpfiff wuselt es bereits von dienstbaren Geistern auf den vier Ebenen des Business- Centers, das mit einer Fläche von 5500 Quadratmetern so groß wie ein Fußballfeld ist und herkömmliche gastronomische Maßstäbe sprengt. Tische aufstellen und decken, Gläser, Teller, Besteck und Servietten platzieren sowie 14 Büffets herrichten.

Von Hektik dennoch keine Spur. Die Vorbereitung in den 44 Logen, 9 Lounges und 4 weiteren separaten Gasträumen sowie an den diversen Bars und zahlreichen Theken läuft wie am Schnürchen. Jeder Handgriff sitzt, das ausgeklügelte Logistikkonzept greift. Eurest weiß genau, was die 2500 VIPs wünschen: Pro Begegnung kalkuliert das Unternehmen mit einem Bedarf von 3500 Kilo Lebensmitteln und 6300 Litern an Getränken.

Rund zweieinhalb Stunden vor dem Spiel kommen die ersten Gäste. Viele davon via roten Teppich und gläsernen Steg, der das Parkhaus P1 mit dem Stadion verbindet. „Einen schönen guten Tag." Auch wer das Business-Center zum ersten Mal betritt, findet sich sofort zurecht. Dank der attraktiven Wegweiser: Hostessen, viele kurzberockt, alle jung und hübsch. Ein paar Meter weiter präsentiert sich Reifen-Reiff mit einem Stand und kleinen Werbegeschenken, dahinter locken einige Damen des Kaufhauses Breuninger, beide Firmen offizielle Partner des VfB, mit einem Gewinnspiel. VIP-Tipp ausfüllen, Karte einwerfen — und weiter geht's in Richtung Büffet. Das Angebot ist ebenso reichhaltig wie fein: diverse Salate, Mini-Lachsduett im Blätterteig, Putenmedaillons in Zitronenthymiansauce ... Lecker!

„Wir wollen ein Ambiente bieten, in dem sich der Zuschauer rundum wohl fühlt", betont Stojka, „selbst wenn er ein schlechtes Spiel gesehen hat." Aber Letzteres hofft natürlich keiner der Gäste, die, sofern sie nicht schon in den Logen sitzen, allmählich die Tische und Theken verlassen und sich in Richtung ihrer Plätze zu den gepolsterten Business-Seats bewegen. „Draußen unter dem Tribünendach befindet sich die Intensivstation Bundesliga", ist auf der VfB-Homepage zu lesen. „Drinnen ist der Unruheraum mit hohem Unterhaltungswert." Aber erst wieder in der Pause, wo ein Halbzeitsnack in Form eines Mini- Fleischkäses mit Senf gereicht wird — und natürlich danach.

Kaum ist der Abpfiff ertönt, geht's im Business-Bereich schon in die turbulente Verlängerung. Nicht selten bis in die Puppen. Wenn die Letzten fröhlich den beliebten Treffpunkt Piano-Bar verlassen, ist Mitternacht meist schon längst vorbei. Doch zuvor sind Essen und Trinken, Diskussionen und Smalltalk sowie „Sportschau"- und Promi-Gucken angesagt. Denn wer die Augen offen hält, kriegt neben vielen wichtigen Leuten auch die eine oder andere bekannte Person zu Gesicht. „Mensch, da drüben in dem gelben Pulli, ist das nicht der Sundermann?" „Echt? Der war aber auch schon mal schlanker." Zur Erlebnis-Gastronomie gehören auch solche Unterhaltungen dazu. Das weiß auch Stojka. „Wenn der Gast nach dem Spiel noch das Glück hat, mit Harald Schmidt, Buffy Ettmayer oder Hansi Müller plaudern zu können, ist das ein unvergessliches Event, das er sonst nirgendwo geboten kriegt."

Dafür hat der exklusive Kreis der so genannten Premium-Partner, für den es eine Warteliste von circa 400 Interessenten gibt, auch viel Geld bezahlt: Das günstigste Einzel-Ticket, das Zugang in den VIP-Bereich garantiert, kostet 3519 Euro pro Saison (Business-Seat). Für die Logen (15 Personen) sind 86 100 bis 99 000 Euro zu berappen. Ohne Mehrwertsteuer, aber inklusive der einen oder anderen Extrawurst. Beispielsweise ist für die Herren des EnBW-Vorstands der Besuch eines Fußballspiels unverzichtbar an den Verzehr einer heißen Roten gekoppelt. Trotz zahlreicher anderer kulinarischer Köstlichkeiten.

Diese gibt's übrigens nicht nur bei Fußballspielen. An rund weiteren 130 Tagen im Jahr ist der VIP-Bereich Schauplatz von anderen Veranstaltungen wie privaten Feiern oder Firmen-Meetings. Solche zusätzlichen Events sind für Eurest wichtig, sollen sich doch die 2,5 Millionen Euro, die beim Abschluss des Zehnjahres-Vertrags mit dem VfB und der Stadt in-, vestiert wurden, möglichst rasch amortisieren.

Am meisten Hektik herrscht jedoch, wenn ein Länderspiel vor der Tür steht. „Innerhalb von zwei Tagen", erzählt Stojka, „müssen wir das ganze Haus umbauen." Mit gestrengen Augen kontrolliert anschließend ein Vertreter des Deutschen Fußball- Bundes, ob auch wirklich alle Dinkelacker- gegen Bitburger-Gläser und alle Ensinger- gegen Bonaqua-Flaschen ausgetauscht wurden. Nur wer zu den DFB-Sponsoren zählt, darf sich werbewirksam präsentieren. Das geht so weit, dass sogar jedes Panasonic-Logo an den zahlreichen Fernsehern im VIP-Bereich abgeklebt werden muss. „Ein Fußballspiel dauert zwar nach wie vor nur 90 Minuten", sagt Stojka lächelnd, „alles, was davor und danach passiert, ist Marketing". Und wird immer wichtiger.

 
 
     
   
     
   
     
   
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