Konzert Herbert Grönemeyer Die Zuschauer sind aus dem Häuschen - und die Internet-Foren noch bis heute voll mit Superlativen. „Großartig, genial, unvergesslich, umwerfend, einzigartig." So schwärmen die Fans von Herbert Grönemeyers Stuttgarter Konzert am 7. Juli 2003. Vor 50 000 Zuschauern im Daimlerstadion schlägt der „nicht wirklich auffällige Endvierziger in Jeans und Turnschuhen" (Stuttgarter Nachrichten) das letzte Kapitel seiner „Alles Gute von gestern bis Mensch" Tournee auf, die sämtliche Rahmen sprengt: Knapp zwei Millionen Menschen jubeln Grönemeyer zu und machen seine Konzertreise zur erfolgreichsten Tour auf deutschem Boden - und den Bochumer Sänger und Schauspieler endgültig zum Superstar. Auch wenn seine „in tiefem Stakkato ins Mikro eher geschrienen als gesungenen Texte Poesiealbum-Weisheiten - ungebrochen, moralisierend" (Stuttgarter Nachrichten) sein mögen - der „Gefühlskatalysator" versteht es wie kein Zweiter, den menschlichen Emotionen Sehnsucht, Hoffnung, Liebe und Trauer eine Stimme zu geben. Kaum hat Grönemeyer kurz vor halb neun mit „Blick zurück" seinen ersten Song angestimmt, machen sich auf den Gesichtern der Zuschauer Verklärung und Verzückung breit. Hunderttausend Hände gehen in die Höhe, Feuerzeuge leuchten und La-Ola-Wellen wogen durchs Stadion. Dann der emotionale Höhepunkt des Abends: das bewegende Lied „Der Weg", das nach dem Tod von Grönemeyers Frau Anna und seines Bruders Wilhelm (1998) entstand. In Stuttgart widmet er es einem Jungen namens Christoph, der so gern im Daimlerstadion dabei gewesen wäre, aber den Kampf gegen den Krebs verloren hat. „Lieder für ein Trotzdem", wie die Stuttgarter Zeitung urteilt, „was immer auch passieren mag." Nicht nur bei Menschen, die nahe am Wasser gebaut sind, fließen jetzt die Tränen, bis in den letzten Winkel der Arena macht sich Gänsehaut-Stimmung breit. Doch Grönemeyer lässt seine Gemeinde nicht in Traurigkeit versinken. „Lache, wenn es nicht zum Weinen reicht", fordert er das Publikum auf, bevor er mit Inbrunst die „Männer", den „Alkohol", die „Flugzeuge im Bauch" und den „Mensch" besingt.
Grönemeyer gibt alles. Vom ersten Takt an. Sowohl am Keyboard als auch, wenn er wie ein Derwisch über die 48 Meter breite Bühne und den zwölf Meter langen Laufsteg fegt und dabei Arme und Beine durch die Luft wirbelt. „Er lässt seine Stimme schlingern", schreibt die Stuttgarter Zeitung, „johlt zuweilen, kreischt beherzt einsame Vokale ins Rund und jettet nach dem Lustprinzip durch die Oktaven." Volle drei Stunden lang! „Dann", beobachtet der Kritiker", „stellt sich der Mann mit gesenktem Haupt vor sein Publikum und lässt die Ovationen draufprasseln, als seien sie Balsam für sein schütter gewordenes Haar." Glückselig und friedlich verlassen die Zuschauer das Stadion, mit einem Lächeln auf dem Gesicht, nachdem sie Grönemeyer mit „Der Mond ist aufgegangen" verabschiedet hat. Eine Stimmung, die ansteckend ist. Nicht eine einzige Anwohnerbeschwerde wegen Ruhestörung geht bei der Polizei diesmal ein. Mensch, Herbert! |