Seite [zurück]
Magazin für Tradition, Mythos und Kultur
 Seite [vor]
   
  
 
  unabhängige Vereinspage über die Profimannschaft des VfB Stuttgart 1893 e.V.      11. Jahrgang

 
 
 


 
 
 
 
  
 BaugeschichteMeilensteine 
 193319361939195019521963196419731974197619771984198619881989199119921993199920032006 

VFB Stuttgart Deutscher Meister 1992

Die kurzen Beine laufen noch zwei, drei Schritte, dann geraten sie ins Straucheln und knicken weg. Fritz Walter fällt. Kreislauf-Kollaps. Kurz nach Schlusspfiff liegt der 172 Zentimeter kleine VfB-Stürmer, der zuvor ganz groß aufgetrumpft hat, auf dem Rasen des Neckarstadions, alle Viere von sich gestreckt. Mensch, Walter! Der Bewusstlose wird auf eine Trage gelegt und wegtransportiert. „So", schreibt Oskar Beck im Buch „100 Jahre VfB", „haben sich schon die Gladiatoren im alten Rom verabschiedet."

Doch im Gegensatz zu den Heroen der Antike ist der Fußball-Held kurz darauf wieder putzmunter an diesem 2. Mai 1992, an dem es für beide Stuttgarter Teams um die Wurst geht. Der VfB kämpft um die Meisterschaft, der Lokalrivale Kickers gegen den Abstieg. Und wie! Bis zur 77. Minute führen die Blauen durch ein Tor von Dimitrios Moutas mit 1:0 und sind das bessere Team. Die Roten unter den 36 500 Zuschauern sehen schwarz. Aus, Ende, alles vorbei!?.

Von wegen! Dank der zwei Walter-Tore, einem Treffer von Michael Frontzeck und eines überragenden Matthias Sammer dreht der VfB die Partie. Was für eine Dramatik! Was für ein Spiel! „So etwas", stöhnt VfB-Präsident Gerhard Mayer-Vorfelder, „habe ich noch nie erlebt." Und das will was heißen bei diesem alten Fahrensmann.

Dieser Kraftakt ist symbolisch für eine Saison, in der dem VfB „das fast Unmögliche" (Walter) gelingt: der Gewinn der vierten deutschen Fußball-Meisterschaft. „Wenn du nicht gerade bei den Bayern spielst, kriegst du so eine Chance nur einmal im Leben", erzählt der Torjäger. „Und wir haben sie genutzt." Vor allem, weil es in der Mannschaft nahezu perfekt stimmt. „Es gab keine Missgunst, keinen Neid", sagt Walter. „Stammspieler und Ersatzleute, jeder hat für den anderen gerackert." Nicht zu vergessen der Coach. Mit knallhartem Training und seinen Motivationskünsten gelingt es Christoph Daum, die allerletzten Kraftreserven der Mannschaft zu mobilisieren. Das Team geht an seine psychischen und physischen Grenzen. Und manchmal, wie im Fall Walter, auch darüber hinaus. Denn im Grunde genommen ist der Top-Stürmer (348 Bundesliga-Einsätze, 157 Tore) gar nicht einsatzfähig. „Wegen einer Fischvergiftung konnte ich vier Wochen kaum trainieren", erinnert sich Walter.

Trotzdem beißt der Mann von der Bergstraße auf die Zähne. Er läuft und läuft und läuft ... Bis zur totalen Erschöpfung. Dies zeigt den eisernen Siegeswillen, der den VfB prägt. Beispiel 34. Spieltag: hopp oder top? Gewinnt Tabellenführer Dortmund im Neckarstadion, sind die Borussen vier Punkte weg. Doch der Vfl3 macht aus dem 0:1 ein 4:2. Das spannendste Meisterschaftsrennen in der Bundesliga-Geschichte geht weiter. Mit dem Derby gegen die Kickers.
Doch eine Woche später droht Stuttgart erneut zu straucheln. Nur der Pfosten und viel Glück verhindern eine Niederlage gegen Wattenscheid. Walter weiß noch heute, bei wem er sich dafür bedanken muss. „Das", sagt er und hebt den Zeigefinger, „war ein Wink von oben." Ein Zeichen, das dafür sorgt, dass der VfB vor dem letzten Spieltag punktgleich mit Frankfurt und Dortmund ist.

Wegen des schlechteren Torverhältnisses gegenüber Eintracht muss Stuttgart aber auf Schützenhilfe hoffen - und unbedingt in Leverkusen gewinnen. Doch danach sieht es nach 20 Minuten nicht aus. Bayer führt 1:0. Drei Minuten später fast das 2:0 - Torwart Eike Immel ist schon geschlagen, doch Günther Schäfer rettet akrobatisch auf der Linie. Kurz vor der Halbzeit ein Pfiff: Elfmeter für den VfB. Wer übernimmt die Verantwortung? Walter? „Eigentlich wollte ich nicht, nachdem ich gegen Bayern einen Elfer verschossen hatte." Weil sich aber kein anderer traut, schnappt er sich letztendlich doch den Ball. „In so einem Moment gehen dir viele Dinge durch den Kopf." Aber schon während Walter zum Anlaufpunkt schreitet, kehrt seine Abgeklärtheit zurück. 1:1, Walters 22. Saisontreffer. Doch das reicht nicht. Weil Dortmund in Duisburg führt und es zwischen Rostock und Frankfurt unentschieden steht, belegt der VfB zu diesem Zeitpunkt nur Platz drei. Als Sammer in der 79. Minute Rot sieht, scheint der Meisterschaftszug endgültig abgefahren zu sein. Auch der kleine Fritz, total entkräftet, muss raus. Auf der Bank sieht er, wie zwei Minuten vor Schluss das Unglaubliche geschieht: Nach einer Flanke von Wiggerl Kögl wuchtet Guido Buchwald den Ball per Kopf ins Netz. Tooor! ! ! 2:1 für Stuttgart!!! Der WB ist Meister!!! „Anschließend haben wir richtig schön gefeiert." Walters sachliche Worte werden dem, was nun folgt, in keinster Weise gerecht. In Wahrheit ist der Schluss pfiff der Startschuss für eine Sause der Superlative. Wie von der Tarantel gestochen stürmt Walter los, packt die Meisterschale und stürzt sich in die jubelnde Menge aus Mitspielern und Fans. Auch bei der abendlichen Feier im „Alten Simpl" in Stuttgart und am nächsten Tag, als 40 000 die Mannschaft am Stadion empfangen, kann er sich kaum von der „Salatschüssel" trennen, dem größten Triumph seiner sportlichen Karriere.

Als Walter wenig später die Torjägerkanone verliehen wird, schwebt der Schützenkönig endgültig auf Wolke sieben. Abgehoben hat er dennoch nie. Weder damals noch heute. „Ich", sagt der Mann, der mit seiner Familie ein Reihenhaus bewohnt, „bin der Fritz aus Wolfschlugen." Mensch Walter - ein feiner Kerl.

 
 
   
  
   
   
  
    Unterstützt wird HefleswetzKick von: 
   
 
   
 
 
  
 
 
Aktuelles ...........................................[weiter] Statistik ......................................[weiter]
Nachrichten Ergebnisse, Tabellen, ..  Zahlen, Daten Fakten, ... 
Teams ...............................................[weiter] Stadion .......................................[weiter]
Fotos, Berichte, Geschichte, ...  Geschichte, Ereignisse, ... 
Personen ..........................................[weiter] Fanzone ......................................[weiter]
Datenbanken, Fotos, Geschichten, ...  alles für den VfB Stuttgart Fan 
Chronik .............................................[weiter] Download ...................................[weiter]
Zeitgeschichte, Dokumente, ...  für zu Hause 
 
 
 HefleswetzKick | Michael Holzschuh | Weilbachweg 9 | 82541 Münsing | Telefon: 08177-997267 | E-Mail | Internet |
Inhaltlicher Verantwortlicher gemäß § 55 Abs. 2 RStV: Michael Holzschuh (Anschrift wie nebenstehend)