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Magazin für Tradition, Mythos und Kultur
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  unabhängige Vereinspage über die Profimannschaft des VfB Stuttgart 1893 e.V.      11. Jahrgang

 
 
 


 
 
 
 
  
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Jürgen Evers
Leichtathletik-Europameisterschaften

Die Frankfurter Allgemeine Zeitung schwärmt von einem „in Europa noch nicht erlebten Schauspiel", der Pariser Figaro vom „goldenen Publikum im Neckarstadion" und Bild gar von „einer Orgie aus Jubel, Heiterkeit und ausgelassener Freude".

Auch Jürgen Evers spricht, wenn er gedanklich in seinen Erinnerungen kramt, ausschließlich in Superlativen von den Leichtathletik-Europameisterschaften 1986. Und das nicht nur wegen seiner Silbermedaille über 200 Meter. Kaum weniger eindrucksvoll sind dem Lokalmatador von Salamander Kornwestheim die „klasse Organisation", vor allem aber die fantastischen Zuschauer im Gedächtnis geblieben. „Das kompetenteste und begeisterungsfähigste Publikum, das ich je erlebt habe. Einfach sagenhaft!" 288 000 Zuschauer werden vom 26. bis 31. August 1986 im Neckarstadion gezählt. Trotz regnerischen und nasskalten Wetters, das sich auch bei den Sprintwettbewerben nicht gerade sehr athletenfreundlich präsentiert. Dennoch ist es Evers unglaublich heiß. Vielleicht so heiß wie noch nie zuvor. Schließlich hat die Veranstaltung für den Sprinter aus Stuttgart-Stammheim einen ganz besonderen Kick und den Charakter eines Heimspiels in seiner Stadt und „seinein" Stadion. „Fast jeder meiner Freunde und Kumpels saß auf den Zuschauerrängen." Und denen will Evers was bieten, nachdem er im EM-Jahr („In dieser Saison hat alles gepasst") endlich mal wieder frei von Verletzungssorgen ist. „Ich habe nie von einer EM-Medaille geträumt", erzählt Evers, „ich wollte eine." Auch wenn die Top-Favoriten - Allan Wells, Linford Christie - andere sind und klangvollere Namen haben als der deutsche Rekordhalter (20,37 Sekunden), dessen einziger Triumph bis dahin der Gewinn der Junioren-Europameisterschaft 1983 gewesen ist.

Derart selbstbewusst und bestätigt durch zwei starke Vorläufe geht Evers auch im 200-Meter-Finale am 29. August an den Start. Doch 20,75 Sekunden später macht sich zunächst Enttäuschung breit. Nicht unbedingt wegen der Zeit, sondern wegen Platz zwei. Nur Platz zwei! Es dauert mehrere Minuten, bis Evers realisiert, dass er nicht Gold an Wladimir Krylow (UdSSR) verloren, sondern Silber gewonnen hat. Jetzt kann endlich auch er die Euphorie der Zuschauer genießen, die alle bis dahin gekannten Dimensionen sprengt. „Am Ende" - schreibt die Stuttgarter Zeitung -„wusste niemand mehr so recht, ob das Publikum die Sportler oder sich selbst feierte". Bilder des grenzenlosen Jubels und ausgelassener Fröhlichkeit gehen um die Welt, denen Stuttgart gleich zwei Dinge verdankt: zum einen den von Baron de Coubertin gestifteten „Olympic Cup", einen Preis für die Organisatoren sowie die beispielhafte Begeisterung und Fairness der Zuschauer, zum anderen - und noch viel wichtiger - die nachhaltige Prägung des Rufs als großartige Sportstadt.

 
 
   
  
   
   
  
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