Profi-Boxkampf um die Europameisterschaft Es ist sein erster Kampf nach der Niederlage gegen Weltmeister Joe Louis vor knapp einem Jahr. Trotz nach wie vor riesiger Popularität sind die Zweifel groß. Wie hat Schwergewichts-Profi Max Schmeling den K. o. von New York durch den „braunen Bomber" psychisch verkraftet? Welche Spuren hat das Hickhack um seinen amerikanisch-jüdischen Manager Joe Jacobs hinterlassen, an dem der Ex-Weltmeister trotz des Drucks der Nazis unbeirrt festhält?
Deshalb gilt Schmeling auch nicht unbedingt als Favorit, als er am 2. Juli 1939 vor 60 000 Zuschauern zum Kampf um die Europameisterschaft in den Ring der Adolf-Hitler-Kampfbahn klettert. Zumal sein Gegner nicht von Pappe ist: Titelverteidiger Adolf Heuser, „Bonner Tornado" oder „Rheinische Bulldogge" genannt. Ein kräftiger, untersetzter Boxer, gefürchtet wegen seiner ungemeinen Härte und Schlagstärke. Kaum ist der Gong zur ersten Runde ertönt, macht Heuser seinem Kampfnamen alle Ehre. Im Stil von Louis stürmt er auf seinen Gegner los und schlägt serienweise schwere rechte Haken. Doch diesmal passt Schmeling besser auf in der Defensive. Sämtliche Schläge von Heuser verpuffen wirkungslos. Doch der Titelverteidiger lässt nicht locker. Erneut startet Heuser einen Angriff. Genau in diesem Moment - erst 71 Sekunden der ersten Runde sind vorbei - schlägt Schmeling mit einem harten Konter zu. Millimetergenau trifft die rechte Gerade die Kinnspitze seines Gegners. „Der Schlag hatte eine solche Wirkung, dass er Heuser die Beine wegriss", erzählt Schmeling in seinem Buch „Erinnerungen". Schwer angeschlagen und mit ausgebreiteten Armen kracht er auf den Ringboden.
Der Ringrichter gestikuliert wild und brüllt „Aus!". Doch davon bekommt der entthronte Europameister nichts mit. Besinnungslos wird er in seine Ecke geschleift. Schmeling, eines der populärsten Sportidole Deutschlands aller Zeiten, vielleicht sogar das größte, steht noch immer im Ring. Wie erstarrt. „Die Freude über den Erfolg war mir vergangen." Ebenso wie über die Börse von 110 000 Reichsmark. Heusers Frau wirft sich weinend auf den Ringboden und streichelt das Gesicht ihres Mannes mit hilflosen Gesten. Ohne Erfolg. Erst nach einiger Zeit und künstlicher Beatmung durch die Ärzte kehrt er wieder ins Reich der Wirklichkeit zurück. Abends ist Heuser wieder einigermaßen hergestellt. „Wenn du Joe Louis so erwischt hättest", sagt er mit gequältem Lächeln zu Schmeling, der ihn im Hotel besucht, „wäre der Kampf in New York anders ausgegangen." Wahrscheinlich der einzige Stadionzuschauer, der Schmelings krachende Gerade in Stuttgart nicht gesehen hat, ist ausgerechnet einer seiner ältesten Freunde: Willy Fritsch. Und das, obwohl der Schauspieler auf dem teuersten Ringplatz saß. Grund: eine Windböe, die ihm unmittelbar nach Kampfbeginn den Hut vom Kopf bläst. Als Fritsch das gute Stück aufgehoben hat, liegt Heuser bereits am Boden.
In seinen „Erinnerungen" an den Stuttgarter Kampf erzählt Deutschlands einziger Box-Weltmeister aller Klassen noch eine weitere nette Anekdote: Wegen des großen Interesses an der Veranstaltung erscheinen mehrere Blätter mit aktuellen Sonderausgaben, die in kürzester Zeit produziert und unter die Leute gebracht werden. Auf der Hatz nach Aktualität macht ein Setzer einen kuriosen Fehler: Die Zeitung erscheint mit der Überschrift „Max Schmeling schlägt Adolf Hitler in der Adolf-Heuser-Kampfbahn K. o." Erst in der zweiten Ausgabe des Blattes wird die pikante Schlagzeile korrigiert. |