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Stadt und VfB - „siamesische Zwillinge"
1994 erhält das Stadion ein Logo: eine Grafik,
die die überdachte Arena schwungvoll in den Stuttgarter Farben
schwarz und gelb stilisiert. Doch auch der neue „Bäbber" kann nicht
darüber hinwegtäuschen, dass die Konstruktion offensichtlich
kleinere Mängel hat: Zwischen Oberkante Tribüne und Unterkante Dach,
wo später ein weiterer Rang eingebaut wird, bläst bei starkem Wind
und Schauern der Regen hinein. Die Folge sind „Wasserspiele"
(Stuttgarter Zeitung) und nasse Zuschauer. Zudem schwappt das Wasser
trotz Regenabweisern bei starkem Niederschlag an einigen Stellen
über.
Für Diskussionen sorgt auch
Gerhard
Mayer-Vorfelder. In unregelmäßigen Abständen schickt der
VfB-Präsident verbale Steilpässe los. Mal bekundet MV, dass der
Verein das Stadion von der Stadt übernehmen will, mal droht er mit
der Errichtung einer reinen Fußballarena in Böblingen. Auch wenn die
meisten Äußerungen Luftblasen sind, kommt Bewegung in die Sache. Im
Oktober 1996 einigen sich Sportamtsleiter Aupperle und VfB-Direktor
Ulrich Ruf auf ein gemeinsames Vorgehen. Kurz darauf stimmt der
Gemeinderat dem in enger Kooperation mit dem Verein entwickelten
Modernisierungsplan zu. Schließlich unterschreiben Gerhard
Mayer-Vorfelder und Oberbürgermeister Wolfgang Schuster („Wir sind
wie siamesische Zwillinge") im Mai 1999 einen 18-seitigen Vertrag.
Bereits einen Monat später startet der so
genannte zweite Bauabschnitt unter Regie der Planungsgemeinschaft
Gottlieb-Daimler-Stadion (Arat, Siegel und Partner, Schlaich
Bergermann und Partner, Weidleplan). Herzstück der Maßnahmen ist die
Neugestaltung der Haupttribüne, wo ein zweiter Rang mit 5750
Einzelsitzen eingebaut wird. Außerdem entstehen 44 Logen (zwischen
23 und 89 Quadratmetern groß) mit 678 Außenplätzen sowie 1500
gepolsterte Business-Seats mit direktem Zugang zu den auf drei
Ebenen verteilten VIP-Lounges des Business-Centers, das eine
Gesamtfläche von 5500 Quadratmetern umfasst. Hinzu kommen zwei
Aufzugsund Treppentürme sowie neue Presse-, Regie- und
Sicherheitsbereiche. Kosten 61 Millionen Mark.
In direkter Anbindung, der Haupttribüne
vorgelagert, wird ein viergeschossiges Eingangsgebäude erstellt, mit
Ehrengast-, VIP- und Clubräumen sowie Flächen für Verwaltung,
Catering und Technik. Eben falls neu sind diverse Kioske und Shops
für Gastronomie und Fanartikel im gesamten Stadionbereich. Außerdem
werden die alten Bankreihen in den Kurven durch 27 500
Einzelklappsitze ersetzt. Insgesamt fasst das neue Daimlerstadion
nun 53 900 Zuschauer, davon 50 100 Sitzplätze. Ebenso zu
Bauabschnitt zwei gehört das neue Parkhaus P 1 (885 Stellplätze) auf
der gegenüberliegenden Seite der Mercedesstraße, das durch einen
gläsernen Steg mit dem Stadion verbunden ist. An dessen Bau
beteiligen sich die DaimlerChrysler AG als Mitnutzer mit zehn
Millionen Mark und die Stadt mit 2,25 Millionen Mark. Den größten
Batzen an den Gesamtkosten von 86,7 Millionen Mark trägt der WB mit
knapp 70 Millionen Mark. Da die Stadt als Bauträger diese Summe
vorfinanziert, verpflichtet sich der Verein zur Rückzahlung der
Summe in 20 Raten bis zu 5,25 Millionen Mark pro Jahr. Dieses Geld
soll wiederum über die Erlöse aus den Rechten der
Stadion-Vermarktung erwirtschaftet werden, die das Rathaus zu
weitgehenden Teilen an den Fußballclub abtritt. Vom 27. bis 29. Juli
2001 wird der zweite Bauabschnitt mit einem Stadionfest eingeweiht. |