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Es wird Licht
im „Mammut-Stadion
An der Kapazität des Stadions verbessert sich
durch die Reparaturarbeiten nichts. Im Gegenteil. Am 15. April 1953
setzt das Amt für öffentliche Ordnung die Zahl der zugelassenen
Plätze von bisher 66 069 auf 54 469 Plätze herab. Zu wenig, wie der
Gemeinderat meint und insgesamt 2,3 Millionen Mark locker macht.
Trotz Protesten der Sportlehrer höherer Schulen, die sich in den
Stuttgarter Nachrichten gegen ein „Mammut-Stadion" aussprechen. Viel
notwendiger seien auf dem Wasen weitere Spielund Übungsfelder,
insbesondere aber eine Sporthalle und eine Schwimmanlage.
Mit den städtischen Geldern und Toto-Mitteln
wachsen die Ränge der Cannstatter und Untertürkheimer Kurven
zwischen 1954 und 1956 in die Höhe. Der erweiterte Stufenbau ruht
auf 48 Stützpfeilern aus Eisenbeton, die einen Arkadengang bilden,
der ans Berliner Olympiastadion erinnert. Ein idealer Platz für „die
unentbehrlichen Statisten sportlicher Großveranstaltungen, die
Bauchladen- und Ständchenverkäufer", wie die Cannstatter Zeitung
schreibt. Kurzfristig verfügt das Neckarstadion über ein Potenzial
von 101969 Plätzen. Diese Zuschauerzahl wird allerdings nie
erreicht, zumal die Kapazität aus Sicherheitsgründen wenig später
auf 92 000 herabgesetzt wird. Nach erfolgreicher Erweiterung ist
nicht nur der städtische Sportreferent Berger stolz auf „eines der
schönsten Stadien des Bundesgebiets".
Im Juli 1959 beschließt der Gemeinderat den Kauf
von 3970 Klappbänken für die Unterränge der Kurven. Dadurch erhöht
sich die Zahl der Sitzplätze je nach Bedarf auf bis zu 18 380
(bisher 13 969). Bald darauf kommen die ersten Rufe nach Flutlicht
auf. Sie werden lauter, als die Zuschauer bei zwei Veranstaltungen
1961 fast den Durchblick verlieren: Während des
Leichtathletik-Länderkampfs Deutschland gegen die USA gerade noch in
der Dämmerung beendet wird, geht die Eröffnungsfeier der
Gymnaestrada, dem Welt-Turnfest, im Licht von Behelfsscheinwerfern
zu Ende.
Nicht nur das. 1962 beim
Fußball-Europapokalfinale Atletico Madrid gegen AC Florenz,
insbesondere aber beim Länderspiel Deutschland gegen Frankreich,
strömen die Menschenmassen bereits ab zwölf Uhr zu den
Nachmittagsspielen ins Stadion.
In mehreren Betrieben kommt es zu
Produktionsausfällen. Durch den Andrang wird außerdem der -Verkehr
derart durcheinander gebracht, dass die Polizei einfach machtlos"
ist, wie es CDU-Stadtrat Richard „Molly" Schauffele formuliert.
Hinzu kommt, dass auch der VfB Stuttgart als Referenz für die 1963
startende Fußball-Bundesliga zumindest den Bau einer Flutlichtanlage
in Aussicht stellen muss. Zusammen mit seinem Kollegen Funk stellt
Schauffele, der auch Vorsitzender des Württembergischen
Leichtathletikverbands ist, im Gemeinderat einen
Dringlichkeitsantrag. Doch Stadtkämmerer Josef Hirn verweist auf die
schlechte Finanzlage und bleibt hart. Zunächst.
Aber die Flutlicht-Lobby setzt den Bürgermeister unter Druck. „Wir
haben für Ihre ablehnende Haltung absolut kein Verständnis",
schreibt Erich Brodbeck im Stuttgarter Wochenblatt. „Wenn in
Stuttgart bei einem großen Spiel der Produktionsausfall 1,5
Millionen Mark (oder noch mehr!) beträgt, dann darf das auch ein
Stadtkämmerer nicht übersehen, obwohl es ja nicht sein Geld ist. Sie
wollen doch nicht, Herr Bürgermeister, dass wir alle den Tag 1964
herbeisehnen, an dem Sie sich zur Ruhe setzen?" Schließlich stimmen
sowohl Hirn als auch der Gemeinderat dem Vorhaben zu. Zumal die
Anschaffungskosten der Anlage (650 000 Mark) niedriger sind als
geplant. Außerdem mobilisiert Schauffele zahlreiche Spender, und der
Stadiongroschen, gerade erst aufgehoben, wird durch einen
Flutlichtgroschen ersetzt. Am 7. Juni 1963, wenige Tage vor
Bundesligastart, strahlt das Neckarstadion beim Spiel VfB Stuttgart
gegen Partizan Belgrad erstmals in hellem Licht
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