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Krieg und Chaos im „Wurstkessel"
1945 beschlagnahmen die amerikanischen Besatzer
das bei Luftangriffen durch Brandbomben beschädigte Stadion, die
Tribüne bleibt allerdings heil: Obwohl Deutschen der Zutritt ins
Century Stadium - wie die Amerikaner es nennen - zunächst verboten
ist, plant das städtische Turn- und Sportamt bereits die Zukunft.
Deutlich wird dies an einem 1946 herausgegebenen Bericht, in dem
schon vom „Neckarstadion" die Rede ist, obwohl die zwischenzeitlich
„Kampfbahn" genannte Arena diesen Namen offiziell erst 1949 erhält:
„Stuttgart
muss als die Sportstadt im Süden der amerikanischen Besatzungszone
darauf bedacht sein, eine Sportstätte größten Stils zur Abhaltung
von Großveranstaltungen wie Länderspielen u. Ä. zu schaffen;
hierdurch wird nicht nur der regionale Sport, sondern auch das ganze
Wirtschaftsleben fördernd beeinflusst." Gesagt, getan. Zwischen 1949
und 1951 entsteht unter Leitung des früheren Stadtbaudirektors
Schmidt, inzwischen freier Architekt, eine offene Gegentribüne mit
4872 Sitzplätzen und ein Neubau der Vortribüne (748 Plätze). Um den
Leichtathleten bessere Voraussetzungen zu bieten, wird zudem die
Aschenbahn ab 1. April 1950 für Radrennen gesperrt. Während dieser
Zeit kommt es allerdings zu einem Rückschlag: Das Provisorium
Neckarstadion ist dem Massenandrang beim Fußball-Länderspiel
Deutschland gegen die Schweiz, dem ersten nach dem Krieg, nicht
gewachsen. Offiziell 97 533, manche Beobachter sprechen von bis zu
115 000 Besuchern, drängen sich am 22. November 1950 in den engen
„Wurstkessel", wo lebensgefährliche Zustände herrschen. Wege und
Stehwälle versinken im Schlamm, schmale Zugänge werden zu
Menschenfallen, und die auf der Gegengerade wogende Menge wird „wie
ein vom Sturm gepeitschtes Ährenfeld" geschüttelt, wie sich der
Sportjournalist Hans Blickensdörfer später in der Stuttgarter
Zeitung erinnert. „Die leere Arena sah nach dem Spiel aus, als ob
eine Luftmine niedergegangen wäre."
Die
Folge davon sind 263 Verletzte, 23 davon schwer, von zehntausenden
verdreckten und verärgerten Zuschauern sowie 20 000 Mark Sachschaden
ganz zu schweigen. „Die Stuttgarter Stadtverwaltung", schreibt der
„Sportbericht", „wird viel Geld und Mühe aufwenden müssen, um das
Stadion für große Veranstaltungen salonfähig zu machen."
Der Gemeinderat handelt schnell und stellt 1951
550 000 Mark zur Verfügung - zusätzlich zu den im Haushalt bereits
aufgenommen 60 000 Mark. Insbesondere für die Instandsetzung des
Stehplatzwalles, wo verschobene und teils stark beschädigte
Betonplatten auszubessern oder zu ersetzen sind. Außerdem werden die
bislang 10 großen Zuschauerblöcke in 24 kleinere eingeteilt. Dafür
sind Abschrankungen und neun weitere Treppen notwendig. Hinzu kommen
Wegbefestigungen und -verbreiterungen, die Instandsetzung der
offenen Tribüne und ein neuer Abort. Als Ergänzung zur kommunalen
Finanzierung wird ein Stadiongroschen erhoben: Mit 10, 20
beziehungsweise 30 Pfennig sind die Besucher dabei. |