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Um eine Sehenswürdigkeit reicher
Nach Entwürfen von Oberbaurat Schmidt vom
Hochbauamt macht sich der renommierte Baumeister Bonatz ans Werk.
Innerhalb von zweieinhalb Jahren entsteht ein großzügiges
Sportgelände, zu dem neben dem Stadion ein einstöckiges Betriebsund
Wirtschaftsgebäude, die 410 mal 290 Meter große Festwiese und eine
Tennisanlage mit zwölf Plätzen gehören.
Am 23. Juli 1933 weiht Oberbürgermeister Karl Strölin die
„Adolf-Hitler-Kampfbahn" ein und erinnert daran, „dass nur wenig
mehr als 100 Jahre vergangen sind, seitdem in Württembergs
Landeshauptstadt der erste kleine öffentliche Turnplatz errichtet
wurde". In der 1933 herausgegebenen Broschüre „Stuttgart - die
städtischen Sportanlagen" spricht man von „wuchtigem Kräftespiel,
kühner Konstruktion, schnittiger Linienform und eigener, lebendiger
Gestalt". Fazit: „Eine großzügige Anlage zur Pflege von
Leibesübungen zum Wohle von Volk und Vaterland."
Auch das Neue Tagblatt ist stolz auf die Vollendung des großen
Werks: „Die Stadt Stuttgart hat das Deutsche Turnfest übernommen und
eine Kampfbahn erstellt, die einfach und sportgerecht durch ihre
schwungvolle Lage und Form der herrlichen Umgebung wunderbar
angepasst ist. Zweihunderttausend Gäste aus nah und fern werden
einig sein mit uns: Stuttgart ist um eine Sehenswürdigkeit reicher
geworden!"
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links: Die Festwiese gegenüber
dem Stadion im Jahre 1933 |
Die Kampfbahn umfasst ein Fußballfeld (105/70
Meter) und ein 400 Meter langes Aschenoval mit sechs Laufbahnen. Von
der ursprünglich geplanten 500-Meter-Bahn war man wieder abgerückt,
weil die Besucher dann zu weit von den „Kampffeldern" entfernt
gewesen wären.
unten das Stadion 1938

Die Kapazität des Stadions beträgt damals 40 000
Zuschauer. Davon 2500 Sitzplätze und 55 Ehrenlogen auf der 100 Meter
langen und 21 Meter breiten Haupttribüne, gegen Wind und Wetter
geschützt von Bonatz' Meisterstück: einem 14 Meter frei
herausragenden, pfeilerlosen Dachgewölbe aus Eisenbeton, an dem zwei
Großlautsprecher angebracht sind. Neben zwei Rundfunkkabinen bietet
die Tribüne außerdem Platz für Kabinen, Garderoben, Duschen, Aborte,
eine Heizung sowie einen Presseraum. Die meisten Besucher aber
stehen auf 4,5 Meter hohen und 31,5 Meter breiten aufgeschütteten
Erdwällen, bestehend aus 21 Doppelstehstufen und zugänglich gemacht
über Treppen. Erschlossen wird das komplette Sportareal durch breite
Straßenzüge und eine neue Neckarbrücke. Straßenbahn- und
Omnibuslinien können dort verkehren, außerdem stehen 14 000
Parkplätze zur Verfügung. Insgesamt sollen die Baukosten drei
Millionen Reichsmark betragen haben - ob mit oder ohne Zusatzanlagen
ist heute nicht mehr festzustellen.
Trotz behelfsmäßiger Anlagen, durch die sich das
Fassungsvermögen um bis zu 10 000 Zuschauer erhöhen lässt, stößt die
Kampfbahn bei Großveranstaltungen schnell an ihre Kapazitätsgrenzen.
Aus diesem Grund wird 1935 die Zahl der Plätze durch weitere
aufgeschüttete Wälle und Holztribünen auf 70 000 erhöht. Ein Teil
dieser Ränge muss aber bereits 1938 wieder geschlossen werden.
Grund: witterungsbedingte Baufälligkeit. Deshalb beschließt der
Gemeinderat am 3. März 1938 in nicht öffentlicher Sitzung den Bau
von größeren, massiven Tribünen, durch die sich die Kapazität auf 80
000 Zuschauer (68 000 Sitz-, 12 000 Stehplätze) erhöhen soll. Das
Material, Gauchinger Travertin, liegt schon bereit, doch nach
wenigen Monaten stoppt der Zweite Weltkrieg die Arbeiten.

oben: Foto von der Festwiese für insgesamt 100 000 Personen gegenüber dem
Stadion.
Die Tribüne der Festwiese wurde extra für das Deutsche Turnfest 1933
interimsweise errichtet. |