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Magazin für Tradition, Mythos und Kultur
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  unabhängige Vereinspage über die Profimannschaft des VfB Stuttgart 1893 e.V.       10. Jahrgang

 
 
 


 
    

2000  

Der VfB Stuttgart wird UI-Cup-Sieger 2000

AJ Auxerre - VfB Stuttgart

 Di 

 08.08.2000 20:30

 0:2 (0:1)

 Di 

 22.08.2000 18:15

 1:1 (1:0)

Stuttgart feierte zunächst Auswärtssieg

2:0 gegen Auxerre

AUXERRE, 8. August. Fußball-Bundesligist VfB Stuttgart hat den Einzug in den Uefa-Pokalwettbewerb vor Augen. Das Team von Trainer Ralf Rangnick gewann das Final-Hinspiel des UI-Cups beim französischen Erstligisten AJ Auxerre mit 2:0 (1:0) und schaffte sich damit eine glänzende Ausgangsposition für das Rückspiel am 22. August im Gottlieb-Daimler-Stadion. Fünf Tage vor dem Bundesliga-Auftakt beim SC Freiburg erzielte Pablo Thiam bereits nach 18 Minuten die VfB-Führung, Krassimir Balakow (72.) sorgte mit seinem Treffer zum 2:0 per Foulelfmeter für die Vorentscheidung im Kampf um den Einzug ins europäische Geschäft. In 14 Tagen können sich die Schwaben sogar eine knappe Niederlage leisten, um als vierter Bundesligist nach Werder Bremen, Hertha BSC Berlin und dem 1. FC Kaiserslautern am Uefa-Cup teilzunehmen.

Ohne die verletzten Heiko Gerber und Silvio Meißner bot der VfB beim Halbfinal-Bezwinger des VfL Wolfsburg von Beginn an eine überzeugende Leistung. Das Rangnick-Team ließ die Gastgeber nie zur Entfaltung kommen und bestimmte die Partie mit kombinationssicheren Aktionen und aggressivem Pressing. Fast zwangsläufig fiel die verdiente VfB-Führung, als Thiam eine Flanke von Bradley Carnell aus kurzer Distanz verwertete. Bereits zuvor hatte Krisztian Lisztes (14.), der hinter den Spitzen Sean Dundee und Ahmed Hosny die Fäden im Mittelfeld zog, die VfB-Führung nach Pass von Ahmed Hosny verpasst. Die Franzosen, die ohne den gesperrten Weltmeister Stephane Guivarc h antreten mussten, kamen in der ersten Hälfte zu keiner echten Möglichkeit und brachten die gut gestaffelte Viererkette des VfB Stuttgart nie in Verlegenheit.

Balakov schoss dann Stuttgart in den Uefa-Pokal

STUTTGART, 22. August. Der VfB Stuttgart hat sich am Dienstagabend als vierter Bundesliga-Klub nach dem 1. FC Kaiserslautern, Hertha BSC und Pokalsieger Werder Bremen für den Uefa-Pokal qualifiziert. Im Final-Rückspiel des UI-Cups reichte den Stuttgartern vor 12 000 Zuschauern ein 1:1 (0:1) gegen AJ Auxerre, weil sie das Hinspiel mit 2:0 gewonnen hatten.

"Wir haben uns selber belohnt für die Arbeit in den vergangenen Monaten. Wir haben alle Skeptiker Lügen gestraft, die prophezeit hatten, dass wir es im UI-Cup nicht schaffen würden", sagte Trainer Ralf Rangnick. Der VfB, der den direkten Einzug in den Uefa-Pokal am letzten Bundesliga-Spieltag der vergangenen Saison durch ein 3:3 gegen den Absteiger Arminia Bielefeld verpasst hatte, steht jetzt zum 15. Mal in einem europäischen Wettbewerb. Stuttgart ist die dritte deutsche Mannschaft nach dem Karlsruher SC (1996) und Werder Bremen (1998), die ihre Chance über den UI-Cup nutzen konnte.

Vor nur 12 000 Zuschauern im Gottlieb-Daimler-Stadion hatte Krassimir Balakow mit einem sehenswerten Effet-Freistoß in der 62. Minute in den Torwinkel die überraschende Halbzeitführung der Gäste durch Olivier Kapo (38.) ausgeglichen. Den Erwerb ihrer Siegprämie in Höhe von je 50 000 Mark machten sich die VfB-Akteure aber unnötig schwer. "Ich bin froh, dass ich getroffen habe, es war ein unheimlich wichtiges Tor für uns", sagte Balakov.

Drei Tage nach dem fulminanten 4:1 im Punktspiel gegen Bayer Leverkusen musste Vorstandsmitglied Hansi Müller in der Halbzeitpause allerdings Alarm schlagen, um seine zuvor zwar tonangebenden, aber lustlos wirkenden Profis zu wecken. Die Fans hatten ihre Mannschaft mit einem gellenden Pfeifkonzert in die Kabine verabschiedet. Trainer Rangnick hatte seine Formation im Vergleich zum Leverkusen-Spiel auf zwei Positionen verändert: Silvio Meißner und Marcelo Bordon kehrten in die Viererabwehrkette . Viel zu tun bekam die Hintermannschaft des VfB Stuttgart jedoch nicht; erst mit eigenen Fehlern brachten die Stuttgarter den Tabellenneunten aus Frankreich ins Spiel. Später dann konnten die Fans aber skandieren: "Stuttgart im Uefa-Cup". Den größten Beitrag zum erfolgreichen Abschneiden nach insgesamt acht Spielen der Uefa-Intertotorunde und zur wiedergewonnenen Aussicht auf Mehreinnahmen zwischen sechs und acht Millionen Mark leistete dabei Balakow mit seinem Freistoßtor. (sid)

Entdeckung des Kollektivgedankens

Den Einzug in den Uefa-Cup wertet der VfB Stuttgart als ersten Schritt auf dem Weg in eine neue, erfolgreiche Zukunft

STUTTGART, 23. August. Nach dem Schlusspfiff legte der VfB Stuttgart Zeugnis eines veränderten Bewusstseins ab. Das 1:1 im UI-Cup-Finale gegen den AJ Auxerre und der Einzug in den Uefa-Pokal nach dem 2:0 im Hinspiel waren soeben sichergestellt, da führte die Mannschaft ein Tänzchen auf. Die Ersatzspieler umarmten sich. Dann liefen sie auf den Rasen des Gottlieb-Daimler-Stadions zu den Kollegen. Trainer Ralf Rangnick wurde Arm in Arm mit Krassimir Balakov beobachtet, der Stuttgarts Ausgleich besorgt hatte. Und alle trugen sie ein T-Shirt mit der Aufschrift: "Europa, wir kommen". Wir - die Profis, der Trainer, die Klubführung - neue Töne bei einem neuen VfB. Dessen Schlagwort lautet: Team.

"Wir haben gezeigt, dass wir als Team in der Lage sind, auch kritische Situationen zu meistern", stellte Rangnick am Dienstagabend folgerichtig fest, "inzwischen haben wir eine Atmosphäre, die wir in der Vergangenheit nicht hatten." Darin lag der Schlüssel zum Erfolg im UI-Cup, in dem der VfB in acht Spielen nur einmal verlor. "Die Jungs haben eindrucksvoll gezeigt, dass sie leistungsbereit sind und nicht nur aufs Geld schauen", sagte Rangnick, "ich kann mir nicht vorstellen, dass wir so etwas mit dem Kader geschafft hätten, den wir vor einem oder anderthalb Jahren hatten."

Heute besitzt Stuttgart einen Kader, der wesentlich kleiner und billiger ist. Darin besteht das Verdienst von Rangnick, der mit Rückendeckung der Vorstandsdirektoren Karlheinz Förster, Hansi Müller und Ulrich Ruf ausgemistet hat. Auch das ist neu beim VfB: Zum ersten Mal in den liegenden Jahren übernahm ein Trainer die Macht.

Durch die UI-Cup-Erfolge hat Rangnick vor allem die Spieler, aber auch den Verein und viele Fans von seiner Fußballphilosophie überzeugt. Und dass in dieser Situation der Übervater Gerhard Mayer-Vorfelder seinen Abschied einreichen wird, sorgt für eine Umorientierung in dem Unternehmen. Jetzt geht entgegen allen bisherigen Gepflogenheiten der Präsident - und der Trainer spricht darüber, dass er in den nächsten fünf Jahren in Stuttgart etwas aufbauen will.

Dieser Versuch ist viel versprechend. Denn was alles passieren kann, wenn man einen Trainer in Ruhe arbeiten lässt, zeigte das Finale gegen Auxerre. Trotz einer verkorksten Saison mit neun Heimniederlagen wurde ein paar Monate später der Uefa-Pokal durch Nachsitzen erreicht. Und so fragen sie sich in Stuttgart: Was wird erst möglich sein, wenn Rangnick in den nächsten Jahren ein Team mit seinen Wuschspielern aufbauen kann?

Es schien, als wolle Rangnick den Einzug in den Uefa-Pokal als eine erste Antwort darauf gewertet wissen. Der Fußballlehrer stellte jedenfalls fest: "Das Spiel gegen Auxerre hat gezeigt, dass der Trainer auch nicht ganz doof ist."

"Das Spiel gegen Auxerre hat gezeigt, dass der Trainer auch nicht ganz doof ist. " Stuttgarts Trainer Ralf Rangnick

     
   
     
   
     
   
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