Die Pokalsiege - 1954 Das Gastspiel am "Krager Pohl", dem gefürchteten Aschenplatz des Deutschen Amateurmeisters SV 09 Bergisch-Gladbach, endete mit einer kleinen Sensation. 18.000 Besucher waren Zeugen der immer wieder reizvollen Auseinandersetzung zwischen "David" SV 09 und "Goliath" VfB. Den Stuttgartern fehlten an diesem 1. August 1953 zwar Karl Barufka und Robert Schlienz, aber das allein konnte die enttäuschende Leistung nicht rechtfertigen. Als Spielertrainer Jupp Werheid die Bergischen nach torlosen 90 Minuten in der Verlängerung in Führung bringt, drohte den Gästen gar eine Blamage. Sechs Minuten vor dem Ende bewahrte Otto Baitinger mit Kopfball nach harter Retter-Hereingabe die Schwaben davor. Das Wiederholungsspiel im Neckarstadion war dann nur noch Formsache: Je zwei Tore von Blessing, Baitinger und Wehrle stellten das Ergebnis auf 6:0. Im Halbfinale wartete der TuS Neuendorf auf die Elf von "Schorsch" Wurzen 22.000 Besucher fanden an einem kalten Dezembernachmittag den Weg ins Ludwigshafener Südweststadion. Der VfB ging als klarer Favorit ins "Auswärtsspiel", hatte aber erneut Anlaufschwierigkeiten. Eine Kombination über Schmutzler und Gauchel verwertete Miltz in der 22. Minute zur verdienten TuS-Führung. Doch schon im Gegenzug glich der VfB aus - Hilfestellung leistete der Neuendorfer Hilgert, der den Ball mit dem Kopf über die eigene Torlinie drückte. Das Spiel verlief nun ausgeglichen, allerdings auf recht geringem Niveau. Die größten Probleme des VfB lagen im Angriff, wo nur wenige Torchancen erspielt wurden. Dramatik pur dann aber in der Verlängerung: Ein Solo von Horst Schmutzler führte in der 104. Minute zum 2:1 für den TuS, der nun wie der sichere Sieger aussah. Stuttgart setzte alles auf eine Karte, die Läufer rückten mit auf in den gegnerischen Strafraum, in dem nun helles Durcheinander herrschte. In der 110. Minute der erneute Ausgleich: Wehrle flankte von der Eckfahne genau auf Schlienz, von dessen Stirn der Ball den Weg ins von Pick gehütete TuS-Tor fand. Die Kräfte waren nun beiderseits verbraucht, erneut musste ein Wiederholungsspiel entscheiden. In der "Neuauflage" im März 1954 im Frankfurter Waldstadion lief es deutlich besser für die Schwaben. Sie nahmen von Beginn an das Heft klar in die Hand, scheiterten zunächst aber noch am starken TuS-Keeper Pick. Bis zur 26. Minute - da brach Erwin Waldner mit einem platzierten Flachschuss aus halbrechter Position den Bann. Auf Neuendorfer Seite sorgte nur Schmutzler für Gefahr, der VfB konnte sich auf Torwart Bögelein und seine Vorderleute Liebschwager und Steimle verlassen. Die Entscheidung fiel eine Viertelstunde vor Schluss durch Hinterstocker, der eine Steilvorlage Kriegers zum 2:0 verwertete. Der Finaleinzug war geschafft - nicht zuletzt ein Verdienst des erneut überragenden Kapitäns Robert Schlienz
Am Ostersamstag, dem 17. April, wartete im Finale in Ludwigshafen der 1. FC Köln auf die Schwaben. Der Südmeister VfB gegen den eine Woche vorher gekürten Westmeister 1. FC - die Erwartungen des Publikums waren dementsprechend hochgeschraubt. Der Tross des VfB setzte sich erst am Morgen des Spieltages per D-Zug Richtung Ludwigshafen in Bewegung. Von Lampenfieber oder gar Angst scheinbar keine Spur, so äußerte sich zumindest Geschäftsführer Ruoff. Der angeschlagene Blessing stand beim Anpfiff auf dem Rasen, womit der VfB in Wunschbesetzung antreten konnte. Das Spiel enttäuschte die 60.000 Zuschauer auf der ganzen Linie. Beide Teams agierten unverständlich nervös, ließen jegliches System vermissen und zeigten zuviel Respekt vor dem Kontrahenten. Die ansonsten spielstarken Leute kamen nicht zur Geltung, die Kämpfer standen im Mittelpunkt: Retter und Barufka beim VfB, Paul Mebus bei den "Geißböcken". In der 75. Minute dann der Schock für die VfB-Anhänger: Barufka zieht dem einschussbereiten Schäfer im Strafraum die Beine weg - Elfmeter! Röhrig, der eigentliche Spezialist, ist wegen einer Verletzung in Behandlung, Dörner muss schießen. Der Kölner täuscht Bögelein, schlenzt den Ball aber rechts neben das Gehäuse. Die Rheinländer sind geschockt, retten sich aber in die Verlängerung. Die Entscheidung fällt in der fünften Minute der " Extra-Zeit ". Ein Dribbling von Robert Schlienz, Steilpass auf den 19jährigen Erwin Waldner, der umkurvt Langen und schießt mit dem rechten Fuß am herausstürzenden de Munck vorbei ein. Den Rest besorgen die aufmerksamen VfB-Verteidiger. Die Siegermannschaft: Karl Bögelein Erich Retter, Richard Steimle - Peter Krieger, Robert Schlienz, Karl Barufka - Ludwig Hinterstocker, Otto Baitinger, Walter Bühler, Rolf Blessing, Erwin Waldner.  |