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Magazin für Tradition, Mythos und Kultur
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  unabhängige Vereinspage über die Profimannschaft des VfB Stuttgart 1893 e.V.      11. Jahrgang

 
 
 


 
 
 
 
  

1994/95: Dortmund feiert Meisterschaft der Emotionen

Als Kapitän Michael Zorc am 17. Juni 1995 um exakt 17.19 Uhr die Meisterschale in die Höhe reckte, brachen im Westfalenstadion alle Dämme, entluden sich die Emotionen. Selbst der ansonsten besonnene Trainer Ottmar Hitzfeld verlor jegliche Contenance. Seinem Freudentanz folgten Freudentränen. Borussia Dortmund feierte seinen vierten Titel nach 1956, 1957 und 1963 und damit den ersten seit 32 Jahren und Einführung der Fußball-Bundesliga.





Meistertrainer Hitzfeld (l.) und sein verlängerter Arm Sammer





Der Traditionsklub hatte seine lange Durststrecke mit einem 2:0-Sieg über den Hamburger SV beendet. Allerdings auch mit Schützenhilfe des Erzrivalen Bayern München mit einem 3:1 über den vorherigen Tabellenführer Werder Bremen. Als Schiedsrichter Eugen Strigl (Horb) die Partie pünktlich um 17.15 Uhr abgepfiffen hatte, herrschte noch Ungewissheit. Die nahm Ex-Profi und Stadionsprecher Norbert Dickel wenig später: 'Der deutsche Meister 1995 heißt Borussia Dortmund!'

Nach einer Siegerehrung im Chaos, weil rund 15.000 BVB-Fans den Rasen in der seit Monaten mit 42.800 Zuschauern ausverkauften Arena stürmten, zählten neben DFB-Präsident Egidius Braun, der eine Kopie der Trophäe überreicht hatte - das Original weilte in München - Bundestrainer Berti Vogts und Bundeskanzler Helmut Kohl zu den ersten Gratulanten. Vom 'G7'-Gipfel aus dem kanadischen Halifax schrieb Kohl in seinem Fax: 'Dortmund ist seit Jahren dran und deshalb verdient Meister.'

'Babysturm' besteht Bewährungsprobe

Dortmunds Manager Michael Meier atmete tief durch: 'Es gibt doch noch eine Gerechtigkeit im Fußball.' Er erinnerte an die grandiose Hinrunde, die der BVB mit vier Punkten Vorsprung abgeschlossen hatte. Für die Experten und bei den Buchmachern war die Borussia bei der Jahreswende Titalaspirant Nummer eins. Doch Sperren, Krankheiten und besonders der Ausfall des gesamten Angriffs durch die Kreuzbandrisse von Stephane Chapuisat, Karlheinz Riedle und Flemming Povlsen sorgten für erhebliche Rückschlage. Stattdessen strampelte sich der 'Babysturm' mit Ibrahim Tanko (17) und Lars Ricken (18) im kalten Bundesliga-Wasser frei.

'Was die Mannschaft geleistet hat, kommt einem Wunder gleich', resümierte Hitzfeld, der schon während des Spiel mit orkanartigen Sprechchören gefeiert wurde. 'Ein Kindheitstraum ist in Erfüllung gegangen', schwärmte der gebürtige Dortmunder Zorc und wischte sich die Tränen der Rührung aus den Augenwinkeln. 'Nach der 3:1-Führung in München hätten wir am liebsten gleich losgetanzt, aber wir mussten ja noch weiterspielen.'

Als die Begegnung gegen den HSV begann, hatten sich bereits 50.000 Fans auf dem Friedensplatz in der Stadtmitte eingefunden. Straßenbahnen und Gehwege waren in schwarz-gelber Farbe angemalt. Einen Tag später begleiteten eine halbe Millionen Menschen den Autokorso der 'Helden' durch die Stadt und sorgten für einen absoluten Ausnahmezustand.


1994/95: Die Flugshow des Andreas M.

Winfried Schäfer spuckte Gift und Galle. 'Als ich mit der Mannschaft vom Platz ging, haben uns fünf- oder sechsjährige Jungen den Finger gezeigt. Das ist das Produkt von Andy Möller. Das, was er als Vorbild in der Nationalmannschaft verpasst hat', lästerte der damalige Trainer des Karlsruher SC. Wenige Minuten zuvor hatte am Gründonnerstag 1995 die 'berühmteste Schwalbe' in der Bundesliga-Geschichte Schäfer und seiner Mannschaft im Spiel bei Borussia Dortmund (1:2) einen Punkt gekostet.





'Sündenbock' Andreas Möller





Meterweit von seinem Gegenspieler Dirk Schuster entfernt war Möller im Strafraum abgehoben, Schiedsrichter Günther Habermann fiel auf die Flugeinlage herein und entschied auf Elfmeter. Der Sünder selbst zeigte sich nur wenig einsichtig und griff Schäfer auch noch verbal an: 'Der Trainer attackiert mich Jahr für Jahr. Bei jedem anderen wäre ich zum Schiedsrichter gegangen und hätte gesagt, dass es kein Elfmeter war, bei ihm jedoch nicht.'

Sturm der Entrüstung

Es folgte ein Sturm der Entrüstung - ein wochenlanger Spießrutenlauf, der schließlich auf der Anklagebank beim Deutschen Fußball-Bund (DFB) endete. Chefankläger Horst Hilpert forderte gar eine Sperre von acht Wochen. Am Ende wurde Möller zu zwei Spielen Sperre und einer Geldstrafe in Höhe von 10.000 Mark verurteilt. Zum ersten Mal in der Bundesliga-Geschichte musste ein Spieler für eine Schwalbe büßen, an Möller wurde ein Exempel statuiert.

Bundestrainer Berti Vogts verzichtete anschließend beim Länderspiel gegen Wales auf Möller, war mit dem Urteil aber nicht einverstanden: 'Jeder Klub hat seinen Schwalbenkönig. Ich verurteile eine Schwalbe genauso wie die Scheinheiligkeit mancher Trainer.'
 

   
  
   
   
  
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