| | | Magazin für Tradition, Mythos und Kultur | | |
| | | | | |  | | | | | | unabhängige Vereinspage über die Profimannschaft des VfB Stuttgart 1893 e.V. | 11. Jahrgang |
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| | | | | | | | | | | | Großverleger will „neuen VfB" Im 76. Jahr seines Bestehens drohte der VfB zu zerbrechen. Zwei Seiten standen sich herausfordernd gegenüber: die der Traditionalisten, die Dr. Walters bewährter Politik der Vorsicht folgten und nach Walters Verzicht auf eine weitere Amtszeit Schatzmeister Eberhard „Waggele" Haaga das Führungsamt übertragen wollten, sowie die des „neuen" VfB, angeführt vom ambitionierten Großverleger Hans Weitpert, der dem VfB erst am 1. August 1968 beigetreten war. Aus Furcht vor einem überschnellen Kurswechsel hatte Dr. Walter den Verleger seinerzeit sofort in den erweiterten Vorstand geholt und dafür eigens die Satzung ändern lassen, denn Vorstandsarbeit war eigentlich erst nach mindestens dreijähriger Vereinszugehörigkeit möglich. Der Großverleger hatte zuvor Schlagzeilen gemacht, als er vier auflagenträchtige Magazine vom Axel-Springer-Verlag übernommen (»Bravo«, »Jasmin«, »Eltern« und »Twen«) und den bundesdeutschen Zeitungsmarkt damit tüchtig aufgemischt hatte.
Nachdem die erste VfB-Jahreshauptversammlung am 18. Juli nach „tumultartigen Gefechten" (»kicker«) abgebrochen worden war, kamen die Mitglieder am 7. August 1969 im Gewerkschaftshaus erneut zusammen, um über den neuen Vorsitzenden zu entscheiden und damit den künftigen Kurs zu bestimmen. Als das Ergebnis der Abstimmung um exakt 22.46 Uhr bekannt gegeben wurde, begann eine neue Ara, denn Weitpert (Foto oben) hatte sich überraschend deutlich mit 280:165 Stimmen durchgesetzt. Der Führungswechsel beendete eine Epoche, die für Realismus, Bescheidenheit und Kontinuität stand und für die sich 25 Jahre lang der am selben Abend zum Ehrenpräsidenten gekürte Oberstudienrat Dr. Fritz Walter verantwortlich zeigte. Gemeinsam mit Dr. Walter ging Ernst Schnaitmann, der seinen Posten als Spielausschussvorsitzender in einer Kampfabstimmung an VfB-Idol Robert Schlienz verlor. Das Amt des Schatzmeisters übernahm unterdessen mit dem 32-jährigen Richard Ulmer ein Steuerfachmann, der im Vorjahr aus Verärgerung über Dr. Walters Vereinsführung von seinem Posten als 3. Vorsitzender zurückgetreten war. Die neue Crew kündigte große Taten an. „Ich will den VfB ganz nach oben führen", ließ der wegen seines grauen Haarschopfes auch „Lila Hans" genannte Weitpert wissen und baute dabei auf ein vielköpfiges Feld von Mitstreitern. Als er nach und nach Schlüsselpositionen mit Vertrauten besetzte, begann die Presse prompt von einem „konsultanischen Korps" zu sprechen. Die Veränderungen sollten den gesamten Verein erfassen. Die Mitgliederzahl von 2.100 wollte Weitpert verdoppeln, die Firmen „im ganzen Land" sollten hinter dem VfB formiert und die „Kameradschaft unter den Mitgliedern eisern zusammengeschweißt" werden. Dabei dachte Weitpert u. a. an Vereinswanderungen sowie die Einrichtung einer Gymnastikgruppe für weibliche Mitglieder, „weil der Verein ja nicht nur aus dem Fußball besteht". Hinter den naiv anmutenden Vorschlägen stand ein knallhartes Programm, das auf offensives Forechecking setzte und den VfB in ein Wirtschaftsunternehmen verwandeln sollte. Weitpert wollte den VfB offensiv aus dem gefährlichen Mittelmaß reißen, erreichte allerdings das Gegenteil. Während seiner Amtszeit sollte der Klub die turbulentesten Jahre seiner Geschichte durchleben und sowohl sportlich als auch wirtschaftlich enorm unter Druck geraten. Das lag nicht zuletzt an dem als „kantig und eigenwillig" umschriebenen Weitpert, der die Cannstatter zwar durchaus in Richtung Moderne stieß, mit Alleingängen ala Bufka und einer merkwürdigen Personalpolitik (Bremens Nationalverteidiger Höttges erfuhr beispielsweise erst aus der Zeitung vom VfB-Interesse und lehnte einen Wechsel brüsk ab) aber auch reichlich Unruhe verbreitete. |
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| Keinen hatten die VfB-Fans (vor allem die weiblichen) so sehr ins Herz geschlossen, wie Gilbert Gress. Der Exzentriker aus Frankreich bestach nicht nur durch sportliche Topleistungen, sondern erwies sich auch außerhalb des Spielfeldes als unschlagbarer Sympathieträger. „Schillbär' wurde Gilbert schwäbisch-französisch getauft - mehr als nur eine sprachliche Nuance, denn die Verniedlichung passte perfekt zum laut »kicker« ersten „Fußballbeatle" der Bundesliga und VfB-Geschichte. In 149 Spielen stand der Elsässer zwischen 1966 und 1971 für den VfB auf dem Feld und markierte 24 Tore. Obwohl keine allzu berauschenden Zahlen, ist Gress trotz Elber, Sigurvinsson oder Soldo der bis heute schillerndste Ausländer der Vereinsgeschichte. Ein Genie sei er, behauptete man über den Künstler am Ball, der so zeitgemäß eigenwillig sein konnte. Im Zeitalter der Beatles und der „68er" brauchte die Bundesliga so etwas. Mit Gress bekam der VfB eine Identifikationsfigur für jene Fans, die schon immer geahnt hatten, dass es zwischen Kehrwoche und „Schaffe, Schaffe" noch andere Lebensziele geben musste. Gilbert Gress und seine vom Boulevard als „hübsche Elsässerin" vorgestellte Frau lebten es vor und verweigerten sich der im Fußball (eigentlich) unumstößlichen Unterordnung. Dass Gress von einem zunächst unsicheren Kantonisten, der ständig gegen Trainer stänkerte und häufig durch Lustlosigkeit auffiel, zu einem wichtigen Leistungsträger im Schwabendress avancierte, würdigt seine Verdienste für den VfB noch mehr.
Doch auch Gress wurde Opfer der turbulenten Zustände unter Senator Weitpert. Als die Vereinskasse im Frühjahr 1971 ein bedrohliches Loch aufwies, nahm Weitpert ein Angebot von Olympique Marseille dankend an und schickte „Schillbär" zurück in seine Heimat. Später, als Gress längst erfolgreicher Trainer war, versuchte man mehrfach, wieder zueinander zu finden. Doch vergeblich. „Es ist wie verhext, wenn der VfB einen Trainer brauchte, hatte ich noch einen Vertrag. War ich frei, brauchte der VfB keinen Trainer", kommentierte der „Fußballbeatle" rückblickend |
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| | LEGENDEN MANFRED WEIDMANN |
| Mit 234 Bundesligaspielen (32 Tore) zählte Manfred Weidmann zu den Dauerbrennern des ersten Stuttgarter Bundesligajahrzehnts. Dennoch gehört der aus der VfB-Nachwuchsarbeit stammende 1,74 m-Mann zu den „vergessenen" Akteuren. Stets solide und verlässlich machte „Männe" kein großes Aufsehen aus seiner Tätigkeit im Brustringdress, den er zwischen 1968 und 1976 nahezu ohne Unterbrechung trug. In den ersten Jahren vornehmlich im Angriff eingesetzt (1968/69 wurde Weidmann mit elf Treffern sogar vereinsinterner Torschützenkönig!), rückte er später in die Abwehr und vermochte auch dort zu überzeugen. Nach dem Abstieg in die 2. Liga blieb er dem Klub zunächst noch treu, ehe er, wie so viele VfB´ler in jenen Tagen, 1976 zur SpVgg Ludwigsburg 07 wechselte. 1979 verließ Weidmann auch die Barockstadt und schloss sich dem SV Rot an.
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| Ausgerechnet Malmö FF hieß der erste VfB-Gegner im Messepokal - der alte und neue Verein von Bo Larsson! 5.000 Fans warteten beim Hinspiel im Neckarstadion jedoch vergeblich auf den ehemaligen Publikumsliebling, der erst im Rückspiel zum Einsatz kam. Sportlich stellten Larssons neue Mannschaftskameraden keine große Hürde dar - mit einem 3:0-Sieg legte der VfB bereits in Stuttgart den Grundstein für das Erreichen der 2. Runde. Dort war der SSC Neapel mit Ausnahmefußballern wie Dino Zoff und Altafini allerdings unüberwindbar.
Der aus Lübeck verpflichtete Hans-Jürgen Wittfoht konnte in der ersten Saisonphase weder spielen noch regelmäßig trainieren. Grund: Das 20-jährige Nordlicht leistete in der alten Heimat noch seine Wehrpflicht ab. Erst als er Ende September 1969 ausgedient hatte, stand er dem VfB vollständig zur Verfügung.
Mit einem Skandal endete das Stuttgarter Gastspiel bei Rot-Weiß Essen. Nachdem der VfB einen 0:3-Rückstand aufgeholt und ein verdientes 3:3 mit nach Hause genommen hatte, brannten einigen RWE-Fans die Sicherungen durch. „Unseren Tormann Feiler haben ein Eisstück, eine Flasche und drei bis vier Büchsen getroffen", klagte Trainer Seybold auf der Pressekonferenz.
Dass die Mannschaft in der Hinrunde, statt wie befürchtet in den Abstiegsstrudel zu geraten, die Kurve bekam und vor dem Gastspiel des FC Bayern mit vier Siegen in Folge sogar auf Platz sieben kletterte, war nach Ansicht von Insidern „Angst" zu verdanken. Ausgerechnet „Zuckerbrot-und-Peitschen-Mann" Max Merkel war nämlich als Trainerkandidat auf dem Wasen gehandelt worden - kein Wunder, dass sich der umstrittene Interimscoach Seybold und sein Team plötzlich als „ein Herz und eine Seele" präsentierten und Spielausschussvorsitzender Schlienz „den herausragenden Mannschaftsgeist" lobte, „der Berge versetzen kann"...
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