Zu Beginn des neuen Spieljahrs 1949/50 gab es einige Veränderungen in der 1. Mannschaft. Herberger und Langjahr zog es nach Degerloch, auch Deyhle kehrte zu den Kickers zurück. Klein und Kuczan, zwei gute Reservespieler, wanderten aus nach Italien bzw. USA. Einige jüngere Nachwuchsspieler wurden neu für den VfB verpflichtet: Baitinger kam von Feuerbach, Krieger von Geislingen, Bühler von Winterbach und Sieger von Schwäb. Hall. Der aus der Gefangenschaft zurückgekehrte Janetzki, ein Oberschlesier, hatte während des Krieges bereits kurze Zeit unsere Farben getragen; er sollte als Mittelstürmer ausprobiert werden. Schmid, Retter, Steimle, Dr. Kraft, Ledl, Schlienz, Otterbach, Läpple, Baitinger, Janetzki, Barufka, Blessing bildeten sozusagen die 1. Wahl; in Reserve standen Bökle, Lehmann, Maier, Krieger, Bühler, Sieger und die Torhüter Ensele und Keller. In den Freundschaftsspielen der Vorsaison konnten wir keine großen Lorbeeren ernten. Austria und Admira Wien zeigten an zwei Sonntagen hintereinander vollendeten Fußball und deckten die Schwächen unserer Elf schonungslos auf. 7:2 und 3:1 siegten die Wiener. Aber die Lektion wirkte. Jeder Spieler wusste, was ihm noch fehlte und die Mannschaft erkannte, wie notwendig ein fleißiges Training war. Zur Verbandsspiel-Premiere bei dem Neuling Regensburg wurden von den jungen Kräften Bühler und Krieger beigezogen. Das Experiment gelang; mit einem 1:2 gegen die kampfkräftige Jahn-Elf hatten wir einen recht günstigen Start. Sechs Spiele überstand der VfB ungeschlagen. Im zweiten Heimspiel wurde der Club aus Nürnberg mit 5:2 überraschend klar besiegt. Beinahe schon war in diesem Treffen die „Endspielbesetzung" gefunden: Schmid; Retter, Steimle, Otterbach, Ledl, Dr, Kraft; Läpple, Baitinger, Schlienz, Barufka, Blessing - diese Elf überfuhr auch Schweinfurt 3:0 und setzte sich an die Spitze der Tabelle. Die Augsburger Schwaben stoppten dann mit 1:0 im 7. Spiel unsere Erfolgsserie, und nach einem 1:1 gegen die Kickers glitt die VfB-Elf auf den 4. Platz ab. Zu einem Repräsentativ-Spiel Württemberg - Niedersachsen zwischen den Meisterschaftsspielen wurden fünf Spieler unserer ersten Mannschaft: Retter, Läpple, Schlienz, Barufka und Blessing, fünf Kickersspieler und der Ulmer Turek als Torhüter berufen; in Hamburg siegten die Gastgeber 2:1. Besser abgeschnitten hatte dieselbe Elf einige Wochen vorher im Vergleichskampf gegen Sachsen-Anhalt, der mit 7:1 hoch gewonnen wurde. Die VfB-Elf hielt sich in den Meisterschaftsspielen weiterhin nicht schlecht. Zwar tanzte sie mit einer völlig unnötigen 2:3-Heimniederlage gegen den BC Augsburg zum Entsetzen ihrer Anhänger einmal ganz und gar aus der Reihe, bewegte sich aber weiter in der Spitzengruppe und hielt bei Beendigung der Vorrunde mit 16:14 Punkten den 6. Platz, der besser war, als dies nach außen aussah. Die Spitze hielt die wieder aufgestiegene und wieder erstarkte SpVgg Fürth mit 22:8, auf dem 2. Platz folgte Waldhof mit 17:13 Punkten, nur einen Punkt weniger hatte unsere Elf errungen. In der Rückrunde wurde hart um die Plätze der Spitzengruppe gekämpft, hatten doch die vier Ersten Aussicht auf die Teilnahme an den Schlussspielen zur Deutschen Meisterschaft. Wir hatten die Mehrzahl der stärksten Gegner in der Vorrunde auswärts aufgesucht und konnten sie zum Rückspiel auf eigenem Feld, in dem uns vertraut gewordenen Neckarstadion empfangen. Die Mannschaft ließ sich die Chance nicht entgehen. Nach dem zweiten Drittel der Runde lag der VfB bereits an dritter Stelle. Dem Nürnberger Club wurde im Zabo mit 1:1 ein wertvoller Punkt abgenommen, die Stuttgarter Kickers im Lokal-Rückkampf mit 0:3, 1860 München zu Hause 1:2 besiegt. Damit war der Meister VfR Mannheim überflügelt und der 2. Platz in der Tabelle erreicht. Gegen den BC Augsburg revanchierte sich unsere Elf mit 1:3 und gewann dadurch 4 Punkte Vorsprung vor ihren nächsten Verfolgern. Die Meisterschaftsrunde ließ an Spannung nichts zu wünschen übrig. Unsere Elf spielte sich mit dem Fortschreiten der Saison in eine immer bessere Form hinein. Daran änderte auch die knappe Niederlage im Freundschaftsspiel gegen Real Valladolid nichts. Wir unterlagen 2:3, obwohl die Spanier mit ihren Darbietungen nicht an die Leistungen ihrer Landsleute aus Tarragona herankamen. Eine ganz hervorragende Partie lieferte unsere Elf im Rückspiel gegen die SpVgg Fürth, das 2:1 gewonnen wurde. Nach Halbzeit lief der Ball wie zu den Glanzzeiten der Schalker. „Das 2:1 verschweigt allzu bescheiden die spielerische Überlegenheit des VfB besonders in der 2. Halbzeit" - so lautete das Lob der Fachpresse. Schmid; Retter, Steimle; Otterbach, Ledl, Barufka; Läpple, Schlienz, Bühler, Baitinger, Blessing, so stand die Elf, die sich nun bis auf 2 Punkte an den Spitzenreiter herangearbeitet hatte. Noch drei Spiele standen aus. Im Endspurt um die Süddeutsche Meisterschaft bildete Mühlburg das Zünglein an der Waage. Den Fürthern gelang gegen unseren Namensvetter ein Sieg, sie holten sich zudem gegen 1860 München mit 1:3 noch 2 Punkte, am gleichen Tag, an dem unsere Elf in Mühlburg mit demselben Resultat die Segel streichen musste. Fürth war Meister der Süddeutschen Oberliga, VfB Stuttgart guter Zweiter. In einer einmaligen Form präsentierte sich unsere Elf wenige Tage nach dem Mühlburger Spiel gegen Burnley. Unsere Rotweißen spielten und kämpften ganz im Stil englischer Profis, die Engländer anerkannten staunend den Spielwitz und den Ideenreichtum unseres Spiels. Nach dieser Probe, nach dem 2:1-Sieg über die Engländer, war es klar: Deutscher Meister konnte nur die Mannschaft werden, die den VfB schlagen würde. Der Schlussstand der Tabelle (mit den ersten Fünf): | | Spiele | gew. | unent. | verl. | Tore | Punkte | | Sp. Vgg. Fürth | 30 | 18 | 7 | 5 | 77:39 | 43:17 | | VfB Stuttgart | 30 | 15 | 8 | 7 | 50:39 | 38:22 | | Kickers Offenbach | 30 | 15 | 7 | 8 | 61:48 | 27:23 | | VfR Mannheim | 30 | 14 | 6 | 10 | 57:41 | 34:26 | | FSV Frankfurt | 30 | 13 | 8 | 9 | 45:38 | 34:26 |
Absteigende: Jahn Regensburg und Stuttgarter Kickers. 16 Bewerber um die Krone standen bereit, darunter 4 Vertreter der Süddeutschen Oberliga: Fürth, VfB Stuttgart, VfR Mannheim (M), Kickers Offenbach; dazu der SSV Reutlingen, der Meister der Liga in der französischen Zone. Über Vorrunde, Zwischenrunde und Vorschlußrunde führte der Weg ins Endspiel. Gegen Osnabrück: Siegestreffer in den letzten Minuten Der VfL Osnabrück, unser Gegner in der Vorrunde, war für uns ein unbeschriebenes Blatt; aber wir hatten allen Grund, gerade diese Mannschaft ernst zu nehmen und uns auf einen schweren Gang gefasst zu machen. Wie recht wir damit hatten, bewiesen die Ereignisse in Köln, auf derselben Stätte, wo wir schon zweimal unsere Hoffnungen auf die Krone hatten begraben müssen. Unbekümmert und frisch, trotz der sommerlichen Hitze, legten die Osnabrücker los, blieben aber bei aller Härte und allem Einsatz fair und straften damit die Stimmen Lügen, die vor dem Spiel von einer unfairen Mannschaft gemunkelt hatten. So war es keine Überraschung, dass Osnabrück in der 5. Minute durch Vetter die Führung an sich riss und mehr wie einmal Anstalt machte, den Vorsprung zu erhöhen. Kurz vor Halbzeit gelang Blessing der Ausgleich. Nach Halbzeit kam unsere Elf immer besser in Fahrt, spielte Chancen am laufenden Band heraus. Aber erst fünf Minuten vor dem Schlusspfiff traf Baitinger ins Schwarze und schoss den Siegestreffer. Ein neutraler Beobachter urteilte: „Das bessere technische Können des VfB Stuttgart setzte sich letzten Endes in diesem harten, ziemlich ausgeglichenen Kampf durch. Von den VfBlern hatte man einen klareren Sieg über Osnabrück erwartet. Erst fünf Minuten vor Schluss glückte Baitinger der Siegestreffer. Stuttgarts Torjäger Schlienz kam durch starke Bewachung nicht richtig in Schwung. Andererseits hielt auch Osnabrücks Abwehrriegel lange Zeit eisern stand, so sehr auch die Schwaben zeitweise wirbelnde Kombinationsangriffe vortrugen. Osnabrück fehlte im Sturm die Durchschlagskraft. Am gefährlichsten war noch Vetter, der auch den Führungstreffer erzielte. Stuttgart kam auf einen Fehlschlag des Verteidigers Guhre zu einem billigen Ausgleichstor.« VfB Stuttgart: Schmid; Retter, Steimle; Otterbach, Ledl, Barufka; Läpple, Schlienz, Bühler, Baitinger, Blessing. VfL Osnabrück: Mrusek; Fiening, Guhre; Gehmlich, Mayer, Gleixner; Öttler, Haferkamp, Vetter, Arens, Irmen. Zuschauer: 30 000. Tore: 5. Min. Vetter 0:1, 37. Min. Blessing 1:1, 85 Min. Baitinger 2:1. Vierzehn Tage später trafen wir in Nürnberg auf den 1. FC Kaiserslautern. Unsere Elf nahm nicht vorweg eine Favoritenstellung ein wie in Köln, und das war gut so. Heiß brannte auch in Nürnberg die Sonne vom klaren Himmel. Tausende von Schlachtenbummlern, die in Sonderzügen, Autos und Omnibussen dem Triebwagen unserer Elf vorausgefahren waren, erlebten in der alten Noris einen großen Triumph der rotweißen Farben. Wir fügen unserer Chronik den Bericht eines dieser Schlachtenbummler ein:
Die Nürnberger Symphonie! Was soll man zuerst nennen bei dieser Nürnberger Symphonie in Sonnenglut, Jubel, in Fußballzauber und hartem Kampf? Die sonnverbrannten Gesichter der Zehntausende? Die weiße Mauer der Hemdsärmeligen, die sich im weiten Oval um das Grün des Spielfeldes zog, oder den Jubel bei den Siegestoren des VfB? Wen soll man zuerst nennen bei dem weißroten Orchester, das hier im Nürnberger Stadion aufgespielt hat? Keinen! Alle spielten meisterhaft! Dass die seitherigen Erfolg unserer „Ersten" keine Zufallserfolge waren, sondern bienenfleißig erkämpfte Siege, das bewies erneut dieses Spiel in der Glut einer frühsommerlichen Sonne. Hier wurde zuerst aufgespielt - dann hergespielt! Was aber im 1. Drittel der zweiten Halbzeit kam, das war für lange Minuten ein weißrotes Furioso. Von da ab wurde nicht mehr aufgespielt, sondern im wahrsten Sinne des Wortes hergespielt. Da nützte auch das anerkennenswert elegante Spiel eines Fritz Walter nichts, da spielte nur noch eine Mannschaft und das war der VfB Stuttgart. Als die Tore wie reife Apfel fielen, da waren auch die 40 000 mit fliegenden Fahnen zu den Siegern dieses Tages übergegangen. Es war schon so, wie eine Nürnberger Sportzeitung am Abend dieses denkwürdigen Sonntags schrieb, dass das, was man von Kaiserslautern erwartete, von Stuttgart gezeigt wurde. Die Schlachtenbummler aus der Neckarmetropole kamen voll auf ihre Rechnung. Siegesfroh zogen sowohl Mannschaft, als auch die unzähligen Begleiter und Anhänger heimwärts auf Schiene und Strassen. Lange aber, das ist gewiss, wird diese Nürnberger Symphonie denen noch in den Ohren klingen, die sie miterleben durften, und auch in der Geschichte der Deutschen Fußballmeisterschaft 1950 wird sie verzeichnet bleiben.
Unter der Überschrift: Der „Geheimtip" in Endspielform schrieb der neutrale Berichter: „Die Art und Weise, wie die Stuttgarter diesmal bei der Zwischenrunde um die Deutsche Fußballmeisterschaft im Nürnberger Stadion die Lauterer ausspielten, imponierte den 40 000 Zuschauern gewaltig. Der VfB spielte einen sachlichen und nüchternen Fußball, ohne Schnörkel, Hakentricks und sonstige Tändeleien, er begeisterte. Die gesamte Elf zeichnete sich durch größten Einsatz und Eifer aus. Und hierin war der Stuttgarter Schlienz seinen Kameraden Vorbild und Ansporn. Taktisch klug setzte er die schnellen Flügelleute Läpple und Blessing famos ein. Sein Führungstor war eine Prachtleistung. Wie ganz anders die Lauterer! Es fehlte bei ihnen in erster Linie der Einsatz, ohne den nun einmal ein Meisterschaftsspiel nicht gewonnen werden kann. Zeitweise wirkte ihr Spiel, insbesondere im Sturm, direkt lahm, ja fast blasiert. Immer wieder versuchten sie durch Innenspiel durchzukommen, spielten aber dann zu sehr in die Breite. Mit Tändeleien war jedoch dem nüchternen Spiel der wuchtig aufräumenden VfB-Hintermannschaft nicht beizukommen. Sowohl von Ottmar, als auch Fritz Walter sah man nichts Besonderes, und die Zuschauer waren enttäuscht von der vielgerühmten Lauterer Spielkunst. Auch die Vornahme Liebrichs nach der Pause in den Sturm nützte den „Roten Teufeln" nichts. Wohl erreichten sie durch Grewenig, der über den herausgelaufenen Schmidt den Ball seelenruhig ins Netz lenkte, ein erstes Tor. Es war aber nur ein kurzes Aufflackern, dann hatten die Lauterer ihr Pulver wieder verschossen. Zehn Minuten später hiess es bereits 3:1. Läpple schob den Ball nach schwacher Abwehr von Adam placiert in die obere Ecke. Wiederholt liess Adam den Ball fallen und zeigte sich auch sonst sehr unsicher. Der VfB spielte fein auf die Flügel und hatte damit auch Erfolg. In schneller Folge konnte Baitinger das 4:1 und schließlich Blessing sogar das 5:1 erzielen. Die Begeisterung der Stuttgarter Schlachtenbummler, die zahlreich mit Fahnen, Pauken und Trompeten erschienen waren, kannte keine Grenzen mehr, als der gut amtierende Schiedsrichter Hamm aus Eschweiler den Schlusspfiff ertönen ließ. Der VfB muss nach dieser Leistung als Favorit für den deutschen Meistertitel gelten. 1. FC Kaiserslautern: Adam; Huppert, Kohlmeier; Gawlicek, Liebrich II, Klee; Grewenig, F. Walter, O. Walter, Basler, Folsch. VfB Stuttgart: Schmid; Retter, Steimle; Otterbach, Ledl, Barufka; Läpple, Schlienz, Bühler, Baitinger, Blessing. Tore: 14. Min. Schlienz 1:0, 41. Min. Bühler 2:0, 49. Min. O. Walter 2:1, 52. Min. Läpple 3:1, 72. Min. Blessing 4:1, 76. Min. Baitinger 5:1, 80. Min. O. Walter 5:2. Schiedsrichter: Hamm, Eschweiler.
4:1 gegen Fürther Kleeblatt Eine Woche später schon trafen wir am 11. Juni 1950 in Frankfurt auf unseren alten Rivalen, die Spielvereinigung Fürth, den neuen Süddeutschen Meister des Jahres 1950. Beiden Mannschaften wurden alles in allem die gleichen Aussichten eingeräumt. Allgemein wurde das Spiel als das vorweggenommene Endspiel angesehen. 50 000 Zuschauer gaben dem Spiel einen prächtigen Rahmen und erlebten zu Beginn ein wahres Feuerwerk der Fürther, die durch Schade 1:0 in Führung gehen konnten, es aber nicht verstanden, diesen Vorsprung entscheidend zu nützen. Zu allem Unglück schied unser rechter Läufer Otterbach infolge einer Zerrung aus. Als jedoch unsere Mannschaft mit zehn Mann immer mehr Boden gewann, Walter Bühler durch Kopfstoss den Ausgleich, Blessing die 2:1Führung herausschoss, war der Sieg in greifbare Nähe gerückt. Nach Halbzeit stürmte Otterbach am linken Flügel wieder mit, unsere Mannschaft zermürbte den Gegner durch ihr raumgreifendes Spiel, und auch ohne das viel umstrittene Tor Nummer 3 wäre der Sieg unserer Mannschaft wohl kaum zu nehmen gewesen. Verteidiger Frosch hatte den Ball auf der Torlinie stehend ins Feld zurückgeschlagen, Schiedsrichter Schmetzer wollte eine Überschreitung der Torlinie festgestellt haben und entschied auf Tor. Frosch hatte nach seiner Meinung den Ball mit der Hand herausgeschlagen. Die neutrale Presse schrieb: „Fürth versuchte beim Stande 3:1, mit allen Spielern das Anschlusstor zu erringen und hatte oft nur drei Mann in der Deckung. Physisch reichte aber die Kraft der Kleeblättler nicht aus. Schade wurde aufmerksam bewacht. Alle Angriffe blieben an der Stuttgarter Verteidigung hängen. Der VfB war zum Schluss klar überlegen." Und weiter: „Wenn Fürth am VfB Stuttgart scheiterte, so in erster Linie deshalb, weil es die Nerven verlor und der Mannschaft die geschlossene Leistung fehlte." Ein viertes Tor besiegelte das Schicksal der Fürther endgültig. Als Schiedsrichter Schmetzer das Spiel beendete, wurde unsere Mannschaft im Triumph vom Platz geholt, von jener Kampfstätte, die schon viele hervorragende Spiele des VfB gesehen hatte. Die Mannschaft des VfB Stuttgart aber zog mit diesem Sieg zum zweiten Mal innerhalb von 15 Jahren ins Deutsche Endspiel ein. SpVgg Fürth: Goth; Frosch, Plawky; Helbig, Vorläufer, Sieber; Hoffmann, Brenzke, Schade, Appis, Nöth. VfB Stuttgart: Schmid; Retter, Steimle; Otterbach, Ledl, Barufka; Läpple, Schlienz, Bühler, Baitinger, Blessing. Schiedsrichter: Schmetzer, Mannheim. Zuschauer: 58 000. Tore: 10. Min. Schade C:1, 34. Min. Bühler 1:1, 38. Min. Blessing 2:1, 57. Min. Bühler 3:1, 78. Min. Läpple 4:1.
VfB - Deutscher Meister 1950 Zum zweiten Male in seiner langen Geschichte hatte sich der VfB ins Endspiel durchgekämpft. Kickers Offenbach waren unsere Gegner. Vierzehn Tage nur lagen zwischen Frankfurt und Berlin. Ernst, aber voll Zuversicht sah die Mannschaft dem großen Tag entgegen. Am Freitag vor dem Spiel ging es mit dem bekannten Sondertriebwagen der Bahn bis Frankfurt und von da per Flugzeug nach Berlin. Im Gästehaus der Stadt Berlin am Kleinen Wannsee bezogen wir Quartier, Klein war naturgemäß das Häuflein der Schlachtenbummler auf beiden Seiten, jeder der beiden Partner hatte die Chance, sich in die Herzen der 100000 Berliner hineinzuspielen. In der Heimat, im ganzen Schwabenland eher lauschten die Fußballfreunde, lauschten die VfB-Mitglieder mit heißem Herzen am Lautsprecher, erzitterten die Menschen im Fieber der Spannung und der Hoffnung auf den Sieg unserer Rotweißen. Ein unbekannter VfB-Anhänger bestieg in diesen Tagen der Spannung um das Endspiel sogar den Pegasus. Seiner Begeisterung entsprang die nachstehende „prophetische Ode", die der Nachwelt erhalten bleiben soll: VfB aus Stuttgart heißt er . . . Schon vor vierzehn Tagen war jedem Schwaben restlos klar: Unsre Büble werden siegen, wenn sie zu dem Endspiel fliegen, wenn wir horchen, wenn wir schau'n übern großen deutschen Zaun, wo die Glücklichen nun zieh'n, in das Stadion von Berlin: VfB aus Stuttgart heißt er, der neue Deutsche Fußballmeister ... Die Stadion-Luft ist fussball-haltig. Stimmungsvoll und stimmgewaltig sitzen Schwaben im Gedränge mitten in der dichten Menge. Und sie wagen laut und offen auf den großen Sieg zu hoffen, denn, das ist doch sonnenklar, dass sie's schaffen dieses Jahr! VfB aus Stuttgart heißt er, der neue Deutsche Fußballmeister ... Durch des Gegners Hindernisse fegen Stuttgarts scharfe Schüsse! Da, schon scheppert's im Gehäuse der Offenbacher Leder-Mäuse! Alles jubelt, alles lacht . . . Wie der VfB das macht! Oh, wie frucht- und wunderbar war für uns dies Fußballjahr: VfB aus Stuttgart heißt er, der neue Deutsche Fußballmeister. |
Noch ist der große Tag des Berliner Olympiastadions in unserer Erinnerung. Wie unsere Elf in der ersten Halbzeit mit unerhörtem Tempo loslegte, die Offenbacher mit einem Kombinationswechsel überschüttete, sich die Herzen der Berliner im Sturm eroberte. Wie wir schwelgten in Siegeszuversicht, als unsere Mannen durch zwei Tore von Läpple und Bühler die erste Halbzeit klar in Front lagen. Wie dann in der zweiten Hälfte der Offenbacher Express in Fahrt kam, die Lederstädtler, aufgeputscht durch das Anschlusstor, sich zu ungeahnter Kraftleistung aufrafften, unsere Mannschaft in die Defensive drängelten. Wie wir zu bangen hatten für den Sieg der Unsrigen, wie die Offenbacher in gewaltigem Ansturm unsere Abwehr zu durchbrechen, unsere Verteidigung zu überrennen versuchten. Schmid, der Gummi, und immer wieder Schmid - letzter Retter! Mit 2:1 gewonnen! Sie fielen sich in die Arme, die Sieger in Berlin und die Hörer zu Hause. VfB Stuttgart Deutscher Fußballmeister! VfB am Ziel. Die Meisterkrone für die Rotweißen! „Ein glanzvolles Schauspiel süddeutscher Fußballkunst", schrieb ein Berliner Blatt und wurde damit der Leistung des Siegers ebenso gerecht wie der des Unterlegenen. Eberhard Haaga, der Spielausschussvorsitzende, zog das Fazit des Tages mit folgender Niederschrift: Am späten Nachmittag des 25. Juni 1950 stand eine verhältnismäßig kleine Schar Schwaben unter den 100 000 Besuchern des Olympiastadions und jubelte der Mannschaft des Tages zu. Mit 2:1 hatte die Elf des VfB Stuttgart, unsere im Laufe des Jahres immer mehr zu einer Einheit zusammengewachsene Mannschaft, im Endspiel über die Offenbacher Kickers gesiegt und damit zum ersten Mal in der Geschichte des VfB Stuttgart und des württembergischen Fußballs die Deutsche Meisterschaft ins Schwabenland nach Stuttgart geholt. In einem denkwürdigen Kampf hatte damit der Favorit gesiegt und den Meisterlorbeer an seine Fahne geheftet. Elf überglückliche Spieler lagen sich in den Armen. Elf andere aber aus Offenbach waren zu Tode betrübt und konnten es nicht fassen, dass ihrer ebenso harten und entsagungsreichen Arbeit eines Jahres im entscheidenden Kampf die letzte Krönung versagt blieb. Sport ist Spiel und Kampf zugleich und kennt nur Sieger und Unterlegene. Im Fußballsport entscheiden Tore über Sieg und Niederlage. Zwei Tore hatte die Elf des VfB Stuttgart, ein Tor hatten die Offenbacher Kickers geschossen und damit stand es für jeden der Hunderttausend im Olympiastadion unverrückbar fest, dass der VfB Stuttgart mit Fug und Recht Deutscher Meister 1950 geworden war. 22 Spieler hatten unter der Leitung eines ausgezeichneten Schiedsrichters neunzig Minuten lang nicht nur hervorragendes fußballerisches Können, sondern auch wahren Sportgeist demonstriert, kein vorsätzliches Foul hatte den Spielverlauf getrübt, und hätte es einen Schönheitspreis gegeben, die Offenbacher hätten ihn verdient gehabt. So aber waren gerade elf Offenbacher dabei, ihrem glücklicheren Gegner zum Sieg zu gratulieren. Ein denkwürdiges, in jeder Beziehung vorbildliches Endspiel war damit bereits Geschichte geworden. Uns aber bleibt die Pflicht, unsere siegreichen Mannen, unsere Deutschmeisterelf von ganzem Herzen zu beglückwünschen und unserem ritterlichen Gegner höchste Anerkennung zu zollen. Großartig war der Empfang der Sieger in Stuttgart. Auf allen Stationen ab der Grenze des schwäbischen Landes jubelten begeisterte Menschen den VfBlern zu. Ganz Stuttgart war auf den Beinen. Man wird sich in späteren Zeiten noch oft dieser Festtage erinnern, darum sei die Schilderung eines Zeitgenossen in dieser Chronik festgehalten: Die Schwaben, so kann man hören, seien etwas schwerfällig. Aber sie sind zäh, das bewies die VfB-Elf in diesem Endspiel, als sie im Ansturm der Offenbacher ihren Vorsprung verteidigte. Und sie sind nicht minder begeisterungsfähig, das zeigte der überwältigende Empfang, der unbeschreibliche Jubel der Hunderttausende um den Deutschen Fußballmeister 1950. Zum ersten Mal ein schwäbischer Verein der Träger des stolzen Titels, die höchste Würde des deutschen Fußballs in Stuttgarts Mauern! Die Begeisterung der kühlen Schwaben kannte keine Grenzen. Der Weg der Wagenkolonne vom Hauptbahnhof in Stuttgart über den Hindenburgplatz, über die Königstraße, durch die Stadt, dann hinunter die lange, gerade Neckarstraße und über die Brücke nach Cannstatt war eine triumphale Fahrt ohnegleichen. Eine besondere Ehrung wurde dem VfB in diesen festlichen Julitagen noch von höchster Stelle: Bundespräsident Professor Dr. Heuss empfing eine Abordnung, unsere beiden Vorsitzenden Dr. Walter und Paul Seeger mit Mannschaftskapitän Otto Schmid, um seinen Landsleuten zu ihrem großen Erfolg zu gratulieren und überreichte dem VfB das Silberne Lorbeerblatt, die höchste Auszeichnung der Bundesrepublik für hervorragende sportliche Leistungen. |