|
Im Winter 1904 hatte sich der Kronenklub in einem
Entscheidungsspiel gegen die zweite Mannschaft der Stuttgarter Kickers,
welche in unserer Klasse spielte, mit einem Sieg von 6:1 den Aufstieg zur
ersten Klasse erkämpft. Da zu diesem Spiel der bestellte Schiedsrichter
nicht erschienen war, was des öfteren vorkam, einigte man sich auf den
Verbandsschriftführer Scivessy, der dann auch das Spiel geleitet hat.

Der Stolz und die Freude über diesen ungeheuren Erfolg war mit Recht
bei der ersten Mannschaft und in den Reihen der Passiven des
Kronenklubs sehr groß. Als am Samstag darauf die Weihnachtsfeier des
Kronenklubs stattfand, war des Freuens kein Ende. Spät am Abend
wurde die Festesfreude getrübt durch die Mitteilung, daß am nächsten
Tage vormittags 10.30 Uhr das acht Tage zuvor gewonnene Spiel zu
wiederholen sei.
Es ist menschlich verständlich, dass sich die erste Mannschaft des
Kronenklubs, nachdem sie schon mitten in der Weihnachtsfeier war,
die Festesfreude durch die Neufestsetzung des Spieles am andern Tage
nicht hat nehmen lassen. So kam es, dass eine mit Ersatzspielern
durchsetzte Mannschaft am andern Tag in Degerloch angetreten ist und
4:2 verloren hat.
Die Namen der Spieler, welche im Jahre 1904 in einem grandiosen Siege
die erste Klasse erkämpft hatten, sind folgende:
Hagenmayer
Hermann Kärcher Gust Laderer
Eugen Salomon Hermann Schmid Heinrich Schmid
Otto Morlock Ferd. Rothschild Paul Miller Geiger Hanns Bittner
Es dürfte verständlich sein, dass alle diese Spieler
und auch die Jugendlichen des Kronenklubs das unverständliche Vorgehen des
damaligen Verbandes nie haben vergessen können.
Der Kronenklub Cannstatt hat aber schon damals dank seiner hervorragenden
Führung diesen schweren Nackenschlag ohne nachteilige Folgen gut
überwunden. Die Kronenklub-Familie hat sich, falls dies überhaupt möglich
war, nur noch dichter um ihre erste Mannschaft geschart und es ermöglicht,
dass eine bescheidene Bretterhütte, natürlich alles aus Stiftungen,
angeschafft wurde, um nicht mehr die Geräte von weither auf den Platz
schleifen zu müssen. Diese Hütte wurde links etwa 100 m oberhalb der
König-Karlsbrücke aufgestellt.
|