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Magazin für Tradition, Mythos und Kultur
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  unabhängige Vereinspage über die Profimannschaft des VfB Stuttgart 1893 e.V.       11. Jahrgang

 
 
 


 
    
   Die Anfangsjahre und die Verstärkungen

Die 93er saßen nun im Kern der unteren Stadt, „auf einen Sprung" bei ihrem Sportplatz. Der „Schwarze Ochsen" wurde ihr Vereinslokal, und bei Vater Bürkle fühlte sich die Familie der 93er bald wie zu Hause. Dank seines sportlichen Aufstiegs, dank aber auch seiner festen, zielsicheren Führung blieb dem Verein die Auseinandersetzung zwischen Fußball und Rugby erspart, während der Gegensatz zwischen den Anhängern dieser beiden Sportarten zusammen mit Platznöten den alten Cannstatter FC in schwere Krisen und schließlich 1899 zur Auflösung führte. Die Association-Fußballanhänger gründeten im selben Jahr den FC Stuttgarter Kickers.
Die 93er aber erhielten in diesem Jahr bedeutenden doppelten Zuwachs.

Der „FC Wagenburg", ein Pennälerclub, meist Schüler der Wilhelms-Realschule, 1896 gegründet, hatte sich nach mehrjährigem Nomadendasein ebenfalls auf dem Stöckach eingerichtet. Er löste sich 1899 auf. Ein Teil seiner Mitglieder trat den eben erstandenen Kickers bei, ein anderer Teil schloß sich den 93ern an: Hermann Bürkle, Otto Kett, Hugo Krämer, Heinrich Maulick u. a. fühlten sich bald in ihrer neuen Umgebung heimisch. Durch den damaligen Kapitän Eugen Zaiser kam bereits 1898 Alex Wellig zum Verein, und 1899, nach der Auflösung des Cannstatter FC, fand Karl Schickler, unser heutiger Senior, zu den 93ern und bildete eine wertvolle Verstärkung für die 1. Mannschaft.

Weitere Verstärkung kam zu gleicher Zeit vom FC Arminia, talentierte Spieler wie Zehender, Dempf, Jentsch, Chr. Knörzer u. a. bildeten willkommenen, höchst nützlichen Zuwachs für die Rugby-Mannschaft. Der Zugang der Arminia-Leute ließ auch das bei den 93ern eingeschlafene Fußballspiel wieder aufkommen und mindestens bis 1900 wurden auch darin wieder Wettspiele ausgetragen.

Wie klein die Zahl bedeutender Vereine beider Arten des Fußballsports in Süddeutschland zu jener Zeit noch war, zeigt die Liste der auf den 1. Süddeutschen Fußballtag 1898 nach Heidelberg geladenen Vereine, die wir Heinekens Erinnerungen an den CFC entnehmen. Wir lesen dort:
Baden-Badener FC 1893, C a n n s t a t t e r F C 1 8 9 0, Freiburger FV und English FC, Frankfurter FC 1880, FC Germania Frankfurt 1894 und Fußballabteilung des Frankfurter Ruderclubs, FC Hanau 1893 und Hanauer FG Viktoria, Heidelberg College und Neuenheim College, Heilbronner FC 1896, Karlsruher FV 1891, KFC Phönix 1894, KFC Fidelitas "und KFC Frankonia, Mannheimer FC 1897 und Mannheimer FG Victoria, Pforzheimer FC 1896 und FC Alemannia, FC Reutlingen, F V Stuttgart 1893, F C Stuttgart 1 8 9 4 und Süddeutscher F C 1 8 96, Straßburger FC 1893 und SFC Celeritas, beide 1898 im Straßburger FV vereinigt.

Die vier Karlsruher Vereine und Germania Frankfurt, FC Hanau 93, Heilbronner FC hatten 1897 den Verband Süddeutscher Fußball-Vereine ins Leben gerufen; Cannstatter FC, Frankfurt 1880, Heidelberg College, Mannheimer FG 1897, FV Stuttgart 1893 und FC Stuttgart 1 894 bildeten den 1. Süddeutschen Rugby-Tag am 13. Februar 1898 zu Heidelberg.

Der Süddeutsche Rugbyverband wurde erst 1909 zu Stuttgart gegründet. Die Leitung des seit 1899 zahlenmäßig erheblich gewachsenen und innerlich gefestigten FV 93 lag bei Alexander Gläser und dem Mannschaftskapitän Paul Breckle in bewährten Händen. Aktive und Passive fühlten sich in ehrlicher Kameradschaft verbunden; bei den Zusammenkünften im „Schwarzen Ochsen" bei Bürkle oder im „Kernerhaus" bei Lehrenkraus bildeten die Mitglieder des Vereins eine große Familie. Über die Geselligkeit und den Kameradschaftsgeist der alten 93er und ihre erste Mannschaft lassen wir uns von unserem August Krämer, genannt „Benges", berichten:
Unter Führung von Fastnacht, Adolf Braun, Gotthilf Heeb, Alfred Krämer, Paul Wiedemann, Jule Dempf wurde mancher schöne Ausflug der 93er Wanderabteilung "Geisterholz" gemacht.

Regelmäßig nach jedem Training, nach jedem Wettspiel und nach jedem Ausflug versammelten sich die Vereinskameraden bei Bürkle oder im ,Kernerhaus`, und wenn dann "Henri" (Heinrich Maulick) auf den Tisch gestellt wurde, um seine Kapuzinerpredigt loszulassen, oder wenn "Dicker" (Hermann Bürkle) mit viel Gefühl sein Frisches Seemannsblut oder 's war einst ein schwarzbrauner Zimmergesell  zum besten gab, dann herrschte die 93er -Stimmung, die den Verein durch Geselligkeit, Kameradschaft und sportliche Tüchtigkeit groß werden ließ. Trug dann gar Jule Dempf noch seinen Kleinen Mann vor, dann feierte die Fidelitas Triumphe bis zur späten Mitternacht." Ein glänzender Beweis für die vorbildliche Kameradschaft und den unverwüstlichen Idealismus dieser Pioniere des Sports war die Schaffung eines eigenen Tennisplatzes auf dem Stöckach. Hier erwarb sich unser alter Kunz - heute in Amerika -, der in wochenlanger Arbeit, ohne fremde Hilfe und nur unterstützt von einigen Mitgliedern, seine freie Zeit für die Anlegung des Platzes opferte, unauslöschlichen Dank des Vereins. Breckle, Betting, Hugo Krämer, Bürkle, Emil Schmid, Schumm, Deubler und eine ganze Anzahl jugendlicher benützten gerne diese günstige Gelegenheit, dem weißen Sport' zu huldigen. Ein stadtbekannter Stammtisch der 93er bestand im Kaffee Wilhelmsbau. Hier versammelte General Hengerer seine ,Vollkavaliere`, die sich zur Aufgabe machten, den Kampfgeist und das Draufgängertum zu pflegen. Dinkel, Otto - Welte (Kai), Müller (Gutscher) waren auf diese Weise im Innen- und Außendienst für ihren Club tätig.
Die Mannschaft aber hatte in ihrem allseits geliebten Kapitän Paul Breckle einen wirklichen Führer und Freund. Die bärenstarken Männer Breckle, Fastnacht, Schickler, Kunz, Bürkle, Dinkel, Welte, Lintz, Wellig, Moser, Ballier, Pfeiffer u. a. bildeten im Rugbykampf ein kaum zu überwindendes Gedränge. Nur finessenreiche Spieler wie die alten Rivalen von Frankfurt 1880 verstanden es, durch einen trickreichen Anlauf im Gedränge eine Drehung herbeizuführen, dem auch dieses Bollwerk ab und zu zum Opfer fiel.

Aber Altmeister Betting, der routinierte internationale Halbspieler der 93er, war den spitzfindigen Frankfurtern gewachsen und sorgte dafür, dass der Ball zu seiner gefährlichen Dreiviertel-Reihe kam, die in Braunstein, Hugo Krämer, später auch Fritz Keppel, Sprinter von Format auf dem linken und rechten Flügel hatte.

Der große Techniker Zehender in der Mitte, Halblinks und Halbrechts Schwaiger und Deubler ergänzten durch ihr sicheres ,Mannhalten' das Quintett aufs beste. Max Kurtz, ein Taktiker ganz großen Stils, war durch sein glänzendes Stellungsspiel und seinen sicheren Abschlag ein hervorragender Schlussmann.

Nach ihm hütete der wieselflinke Müller (Gutscher) die Mallinie und kam auf diesem Posten zu repräsentativen Ehren. Kam die Dreiviertelreihe glücklich über die feindliche Mallinie, dann holte sich Gustel Schumm, der „Professor", den Ball und erhöhte den Versuch mit mathematischer Genauigkeit und Schuss aus dem schwierigsten Winkel.

Mit fortschreitender Spielkultur wurden die Anforderungen an die Schnelligkeit der Stürmer größer; nacheinander wurden die schweren Leute durch Andler, Cleß, Grünau, Knaupp, Rommelspacher, Hennig, Gerst u. a. ersetzt. Nur Paul Breckle und sein getreuer Adlatus Faste` verblieben noch lange als Türme in der Schlacht'.

Dank der Initiative unseres Professors Dr. Gustel Schumm erhielten wir aus den Stuttgarter Schulen, besonders aus der Wilhelmsrealschule, laufend Zuwachs. Die Junioren mit ihren schmucken roten Käppis wagten es bald, als Partner gegen die Senioren mit ihren blauen Samtkäppchen im Übungsspiel anzutreten.

Der Nachwuchs an Aktiven war bald so groß, dass eine zweite Mannschaft aufgestellt werden konnte, die später unter besonderer Obhut von Gustel Schumm hauptsächlich gegen die Engländer von Heidelberg College' hohe Siege davontrug. Hier wirkten die Gebrüder Tonndorf, Kirchner, Schönleber, Friz, Kübler (Kibitz), Bermanseder, Erwin Schmid, Cleß, Hauff, Wellig, Schelkle, Pipin Schmid, Merz, Moser, Keppel, Mäulen u. a. mit. Auch die Leichtathletik fand im FV 93 bald tüchtige Organisatoren und erfolgreiche aktive Vertreter. (Von berufener Seite wird an anderer Stelle dieses Buches die Geschichte dieser Abteilung gewürdigt.) Jedenfalls entfällt für die Mehrzahl der Rugbysportler der Vorwurf etwa der Einseitigkeit. Denn die leichtathletischen Disziplinen Lauf, Sprung und Wurf waren ganz dazu angetan, ihnen die für den Rugbysport so wichtigen Eigenschaften, wie Schnelligkeit, Ausdauer und Härte zu vermitteln und die kämpferischen Kräfte zu steigern.

Zwei Männer, deren Namen mit der Geschichte des Vereins aufs engste verbunden sind, traten damals in jungen Jahren, nämlich als 14jährige, in die Reihen der 93er ein, beide rückten zusammen in die erste Mannschaft auf, in der sie viele Jahre als Aktive kämpften und aushielten. Beide.haben später an maßgebender Stelle in der Verwaltung des Vereins gewirkt: Dr. Deubler als langjähriger Vorsitzender, Dr. Schumm als Gründer und Leiter der Jugendabteilung und kurze Zeit ebenfalls als 1. Vorsitzender des Vereins.

     
     
   
     
   
     
   
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