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- Platzsorgen
Im Jahr 1896 wurde erstmals ein Verband - Deutscher
Bund für Sport, Spiel und Turnen - gegründet, in dem der FV 93 durch
einige Leute vertreten war. Dem Verband war aber infolge der einander zum
Teil widerstreitenden Interessen seiner Mitglieder nur eine kurze
Lebensdauer beschieden.
Schlimmer schien die Tatsache, dass seit 1895 die
Platzfrage dem Verein ernste Sorgen machte. Auf der Stöckach-Eisbahn
befand sich eine Reihe von Hydranten, die reguläre Spiele unmöglich
machten. Der Auszug auf den Wasen, der von jeher als freies Gelände für
die fußballspielende Jugend gegolten hatte, erwies sich als Notbehelf.
Statt der erhofften Freiheit gab es dort häufig Spielverbote, manche
freilich recht komischen Ursprungs. Die als Exerzierplatz für die
Stuttgarter Garnison dienende Fläche wurde nämlich von der
Militärverwaltung an einen Schäfer zur Grasung seiner Herde verpachtet.
Auf dessen Beschwerde, dass seine Schafe durch das Fußballspielen
beunruhigt würden und sichtlich abmagerten, folgte prompt ein Spielverbot
für die Stuttgarter und Cannstatter Vereine. Unerlaubtes Spielen auf dem
Wasen brachte den damaligen Mitgliedern verschiedentlich Strafe ein.
Trotzdem der Schäfer beschwichtigt und das Verbot zurückgenommen wurde,
beschloss der Verein, sich nach einer anderen Spielstätte umzusehen. Wie
es dann zu einer Räumung des Wasens kann, soll der heutigen Generation
nicht verschwiegen werden: Den beiden Töchtern des damaligen
Kommandierenden Generals waren bei ihren Reit-Übungen auf dem Wasen die
Sportler im Wege und so erwirkten sie bei ihrem Vater, dass der CFC vom
Wasen verschwand, was letzten Endes diesem so bekannten Klub den Garaus
machte. Der Einspruch gegen diese Maßnahme wurde seinerzeit ohne Erfolg
bis in die Berliner Ministerien durchgeführt.

Die Sperrung des Cannstatter Wasens für den Fußballsport war höchst
bedauerlich. Nicht nur die Stuttgart-Cannstatter, sondern auch die
ausländischen Jungen wurden durch das militärische Veto von den
Ufern des Neckars vertrieben. Dabei hatte sich doch ein recht
herzliches, freundschaftliches Verhältnis zwischen den einheimischen
und ihren ausländischen Mitschülern herausgebildet. Es waren ja die
Sprösslinge der alteingesessenen Cannstatter Familien, die hier mit
den Söhnen wohlhabender Engländer in Verbindung kamen und im Umgang
mit ihnen nicht nur den Sport, sondern auch saubere sportliche
Haltung kennen lernten und übten. Eine Haltung, die mancher schon
damals fürs ganze Leben mitgenommen hat. In Cannstatt entwickelte
sich so in jenen Jahren der Steinzeit des Fußballs auf ganz
natürliche Weise eine internationale Verbindung der Jugend, und es
war kein Zufall, dass der ausgezeichnete Spieler Osterlen (später
Direktor in den Krupp-Werken zu Essen) von der englischen
National-Mannschalt nach Amerika mitgenommen wurde, wo er auch das
einzige „Try" gegen Amerika getragen hat.
Was heute allgemein angestrebt und mit allen Mitteln
gefördert wird, das gegenseitige Sich-Kennenlernen, Aussprache und
Austausch der Jugend in internationalem Rahmen im Dienste der
Völkerverständigung, war damals in Cannstatt in voller Fahrt. In diese
schöne Sache hat der Machtspruch eines Verbots zum Betreten des Wasens mit
roher Hand eingegriffen und vielleicht ungeahnte Entwicklungsmöglichkeiten
zerstört.
Die Stadtverwaltung hatte inzwischen die Eisbahn zu einem Spielplatz für
Vereine und Schulen - dem Stöckachspielplatz - umgewandelt. Dieser gute
alte Stöckachplatz, der heute den repräsentablen Bau des Städtischen
Arbeitsamts trägt, ist für die Entwicklung des Stuttgarter Fußballsports
von entscheidender Bedeutung geworden. Hier haben die meisten der um die
Jahrhundertwende gegründeten Vereine Stuttgarts ihre ersten Gehversuche
gemacht. Er wurde sogar mit einem Umkleideraum versehen; das schmucke
Häuschen im Villenstil mit Vorbau und Türmchen wurde zum Wahrzeichen
dieses damals einzigen Stuttgarter Spielplatzes.
Hierher also, an die Stätte ihres ursprünglichen Ausgangs, kehrten die
93er zurück.
Damit begann die zweite Epoche in der Geschichte des Vereins: der Aufstieg
in die Spitzenklasse der deutschen Rugbyvereine. |