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Es
dürfte nicht überheblich sein, wenn ich den Cannstatter Wasen als
die Wiege des Rugby-Fußballs für ganz Deutschland bezeichne. Um die
Ehre, wer zuerst Association-Fußball gespielt hat, erheben neben
Cannstatt (Süddeutschland) auch Norddeutschland und Berlin
Ansprüche. In Cannstatt wurde AssociationFußball zwischen 1880 und
1890 erstmals gespielt.
Eingeführt wurde auch Fußball genau wie Rugby einige
Jahrzehnte vorher von Engländern, welche die bestens bekannten höheren
Schulen Cannstatts und Stuttgarts besuchten und die zusammen mit anderen
Schülern der Cannstatter Realschule und des Gymnasiums sich zu
Sportkameradschaften zusammengeschlossen hatten.
Im Jahr 1890 wurde dann von diesen Schülern der Cannstatter Fußballklub
gegründet, in dem zunächst Rugby, aber auch schon Fußball gespielt wurde.
Bereits einige Jahre später hat sich dieser Club dann wieder aufgelöst und
aus ihm entstand dann im Jahre 1896/97 der K r o n e n k l u b C a n n s t
a t t wiederum gegründet von ehemaligen Schülern der Oberrealschule
und des Gymnasiums Cannstatt.
Der erste Vorsitzende des Kronenklubs Cannstatt war Hermann Schmid,
Cannstatt; außerdem gehörten zum Ausschuss noch die Herren Kärcher,
Laderer, Dürr, Schaechterle und Vetter.
Gespielt wurde nur Fußball, und da es damals weder
einen Spielplatz noch Umkleideräume gegeben hat, auch ein Verband noch
nicht existierte, war es oft ungeheuer schwierig, Wettspiele zu bekommen.
Jahrelang haben sich die Spieler in einem Raum bei Mitglied Schmid,
Feilenhauerei in der Fabrikstraße, umgezogen und dort war auch das
spärliche Aufbaumaterial für den Platz wie Torstangen und Eckfahnen
untergebracht. Man musste nämlich damals, wenn man so glücklich war, einen
Gegner gefunden zu haben, den Platz vorher zeichnen, abmessen und
abstecken, ehe man mit dem Spiel beginnen konnte. Dabei lief man noch
Gefahr, dass man bei Erscheinen des Feldschützen das Spiel abbrechen und
mit Torstangen und Fahnen das Weite suchen musste.
Das Spielen auf dem Cannstatter Wasen war nämlich von
dem damaligen Komm. General verboten worden, weil eine der Töchter des
Generals mit ihrem Pferd angeblich infolge eines der Löcher von Torstangen
gestürzt war.
So stand also nur der Platz direkt bei der König-Karlsbrücke für Spiele
und Übungszwecke zur Verfügung, und die Älteren von uns werden sich wohl
noch der hohen Rugby-Stangen erinnern, die jahraus jahrein dort
aufgestellt waren und auch für Fußballspiele benützt wurden. Dieser Platz
indessen war für ein Wettspiel zu schmal und zu kurz, so daß immer wieder
versucht wurde, auf dem oberen Wasen zu spielen, selbst auf die Gefahr
hin, das Spiel abbrechen und wieder woanders „bauen" zu müssen. Es
gehörten schon tatkräftige Führer und Idealisten dazu, um in den Schülern
- es waren ausschließlich Oberrealschüler, die damals beim Kronenklub
gespielt haben -, die Begeisterung und Liebe zu diesem schönen, jedoch von
Schulen, Behörden, überhaupt von fast allen Menschen angefeindeten Sport
aufrecht zu erhalten.
Der zweite 1. Vorsitzende war Karl Hahn (der rote Hahn), ein Idealist vom
Scheitel bis zur Sohle, der uns alle mitgerissen hat und besonders viel
für den Leichtathletik-Sport übrig hatte und hierin auch Großes leistete.
Während seiner Vorstandschaft waren besonders gute Leichtathleten:
Hagenmayer, Diskus und Kugelstoßen
Kärcher, Hermann, Fußball-Weitstoß
Roth-Klett, Dreisprung 1. und 3. Preis,
Glaß, Meister über 100 und 200 m
Hahn, Karl, Sieger im 100-Kilometer-Dauerlauf
von Stuttgart bis Schwäb. Gmünd und zurück nach Stuttgart-Berg (in den
Schwanen).
Es ist dies eine unverantwortlich lange Strecke
gewesen. Um sie durchzustehen, gehörte aber auch eine eiserne Energie und
ein bestens trainierter Körper dazu, und beides hat unser Karl Hahn
gehabt. Derartige Leistungen können auch heute, w o der Sport nicht
heimlich betrieben werden muß, sondern an erster Stelle steht, kaum
überboten werden. |