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Magazin für Tradition, Mythos und Kultur
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  unabhängige Vereinspage über die Profimannschaft des VfB Stuttgart 1893 e.V.      11. Jahrgang

 
 
 


 
 
 
 
  

HEILSBRINGER, DIE DURCH DIE HINTERTÜR VERSCHWANDEN

VON 0TTO E. LACKNER

Fußballtrainer: In dem Beruf werden keine Urkunden für 25 oder gar 40jährige Betriebszugehörigkeit verliehen. Trainer kommen und gehen, das ist im Profigeschäft nun mal so, und auch der VfB Stuttgart macht da keine Ausnahme. 21 Fußballlehrer haben in 30 Jahren Bundesliga (die zwei Zweitligajahre von 1975 bis 1977 eingeschlossen) versucht, den VfB nach oben zu bringen. Ein paar von ihnen ist es gelungen. Sie durften sich feiern lassen.

Andere wurden gefeuert. Das liegt in der Natur der Sache, beziehungsweise im Wesen dieses Berufsstandes: Wer Trainer wird im Profibereich, der muss damit rechnen, heute umjubelt und morgen in die Wüste geschickt zu werden. Es finden sich deshalb die irrsten Typen in der Branche: Paradiesvögel, Glücksritter, Schlitzohren, Grandseigneurs, Feldwebel, Verrückte. Alle, die in den drei Jahrzehnten zum VfB kamen, wurden als Heilsbringer und Hoffnungsträger begrüßt. Manch einer verschwand später kleinlaut durch die Hintertür.

Dabei begann das Unternehmen Fußball-Bundesliga mit den allerbesten Vorsätzen. Professioneller sollte alles zugehen bei Gründung der Liga im Jahr 1963, professioneller, seriöser, besser. Von wegen. Der Nürnberger Herbert Widmayer durfte für sich den zweifelhaften Rekord in Anspruch nehmen, als erster Bundesliga-Trainer überhaupt vorzeitig aus dem Vertrag entlassen zu werden.

Was das Heuern und Feuern betrifft, war der Wasen keine Insel der Glückseligkeit. Auch beim VfB Stuttgart mussten einige Trainer den Hut nehmen. In 13 von 21 Fällen wurde das Vertragsverhältnis vorzeitig beendet, natürlich meist "in gegenseitigem Einvernehmen".

Wenn nichts mehr geht, geht der Trainer.

Diese bittere Erkenntnis musste schon Kurt Baluses machen. Mit einem respektablen fünften Tabellenplatz hatte er das erste Bundesliga-Jahr abgeschlossen. Aber das Ende der zweiten Saison erlebte er schon nicht mehr auf der Trainerbank im Neckarstadion. Am 24. Februar 1964 trennte sich der Klub von ihm, und insofern ist das ein historisches Datum in der Chronik des Vereins: Der erste Bundesligatrainer beim WB Stuttgart, der die Wirkung eines Schleudersitzes am eigenen Leib zu spüren bekam.

Wo wir's vorhin mit dem bunten Berufsbild der Fußballlehrer hatten: Beim VfB gab's nun das Kontrastprogramm. Auf den eisernen Arbeiter Baluses, der später an Herzversagen starb, folgte der muntere Plauderer Rudi Gutendorf, der nach seinem Riegeltaktik-Einstand in Duisburg beim WB freilich nichts ähnlich Erfolgreiches mehr zuwege brachte.

Am Jahresende 1966 war auch für ihn Schluss. Grund: Der VfB krebste am Tabellenende herum.

Frischer Wind und neue Töne mussten her. Albert Sing kam, der Ur-Schwabe, und er probierte es mit fußballerischen Ur-Tugenden. Er ließ Lieder anstimmen, die Kameradschaft pflegen - und den Schweiß in Strömen fließen. Sechs Wochen lang triezte er die Herren Profis im Trainingslager in Besenfeld. Die Ochsentour mit Gesangseinlagen muss sich gelohnt haben. Sing brachte den VfB zum Saisonende 1966/67 noch auf den zwölften Platz und verabschiedete sich. In Origlio im Tessin hatte er sich ein Häuschen gebaut, und da wollte er nun fortan lieber Rosen züchten, als hochbezahlten Fußballern die richtigen Töne beizubringen. Oder sich mit Stars herumzuärgern wie mit Gilbert Gress. Der eigenwillige Franzose, der seiner Lebenslust und seinen Locken freien Lauf ließ, und der auf Disziplin bedachte Herberger-Schüler Sing - das ergab automatisch Reibungspunkte. Einen davon beseitigte der Friseur. Gress musste Haare lassen. Trotzdem, erzählt Sing heute noch in seiner Villa bei Lugano, habe die Mannschaft ihn geradezu händeringend gebeten, weiterzumachen. Aber er hatte genug. "Der einzige Entschluss, wo ich heute noch darüber brüte, ob er richtig war", gibt Sing heute zu.

Sein Nachfolger beim VfB wurde Gunther Baumann, ein gebürtiger Sachse, der zwar nicht gerade zu den schillerndsten Figuren der Bundesliga-Geschichte zählt, aber beim VfB ordentliche Arbeit leistete. Beweis: Erst kam er mit der Mannschaft auf den achten (1967/68), ein Jahr später auf den fünften Tabellenplatz. -Baumann erfüllte seinen Zweijahres-Vertrag bis zum Ende.

1968 war's, der Zeitpunkt einer ganz besonderen Trainergeschichte. Der damalige VfB-Präsident, Senator Hans Weitpert, hatte sich's in den Sinn gesetzt: Ein prominenter Mann musste her ? Frantisek Bufka. Der ehemalige Nationaltrainer der Tschechoslowakei und Meistermacher von Linz sollte auch den VfB zu Glanz und Ruhm führen. Bufka wurde für 5000 Mark monatlich verpflichtet, seinerzeit viel Geld. Gunther Baumann tobte und legte sich quer: Den "Berater" Bufka akzeptierte er nicht, den Assistenten Bufka auch nicht, und Bufka selbst zum Cheftrainer zu machen, ging ebenfalls nicht - er hatte keine Lizenz. Die Schlagzeilen vom "bestbezahlten Spaziergänger der Bundesliga" waren die unausbleibliche Folge.

Noch schlimmer: Bufka fiel bei der Trainerprüfung durch. In der Not griff man auf "Kaiser" Franz von Cannstatt zurück: Franz Seybold. Und er ließ seinen VfB nicht verkommen. Mit einem Verlegenheitskader schaffte er 1969/70 immerhin den siebten Platz - und hatte auf dem Wäsen alles im Griff. Eine volle Spielzeit lang fungierte Franz Seybold als Bundesliga-Trainer, Geschäftsführer und Leiter der Amateur-Abteilung. Ein Arbeitspensum, das heute beim besten Willen nicht mehr zu absolvieren wäre.               

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