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Magazin für Tradition, Mythos und Kultur
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  unabhängige Vereinspage über die Profimannschaft des VfB Stuttgart 1893 e.V.       11. Jahrgang

 
 
 


 
    

WARUM LACHT DENN KEINER MEHR?

VON OSKAR BECK (06/92)

Arie Haan hatte im Fernsehen Elvis Presley genossen. Bomben-Show. Erst habe der Bursche auf der Bühne nur ein bisschen geplaudert, seine Schmachtlocke geschwenkt und lässig mit der Gitarre geklimpert - aber dann: Whow!

Haan, Marke Lausbub: "So muss der VfB spielen. Locker anfangen und dann zuschlagen - wie Elvis."

Stuttgarts Fußball-Reporter ließen ihre Stifte über die Notizblöcke fliegen, und froh schauten sie dem Holländer ins Auge und lasen daraus eine wichtige Botschaft: Lachen schadet nicht der Gesundheit! Max Merkel, der alte (Schla-)Wiener, schrieb: "Haan ist der Erfinder der guten Laune."

Aries Ära beim VfB: erwähnenswert. Ein Trainer, der Spaß machte. Das Publikum mochte ihn und die Profis, der Präsident und die Presse. Er kam, sah und siegte, und Sponsor Südmilch musste nicht mehr mit der Angst leben, dass die Milch sauer wird wie in der Saison zuvor - die hatte damit geendet, dass ein VfB-Fan auf der Haupttribüne dem grimmigen Trainer Coordes zum Abschied einen verbeulten Persil-Koffer über die Balustrade reichte, auf den in aller Häme gepinselt war: "Egon, wir danken dir."

Mit Haan wurde der Dank wieder ehrlicher.

Arie Haan. Der lustige Holländer. Vizeweltmeister 1974 und 1978. Meisterprofi bei Ajax Amsterdam und RSC Anderlecht, wo er auch Meistertrainer war. Beim VfB übernahm er das Ruder eines Boots, das sank. Er machte es flott. "Bald ist in Stuttgart Schwarzmarkt", versprach anno '87 - und spontan krächzte Felix, der Papagei von VfB-Wirtin Helli Schmieg, im Klubhaus Anfeuerungsruf: " VfB - Toor!"

Schwarzmarkt. Boom. Siege. Haan hielt sein Versprechen. Der VfB spielte unter ihm wieder anspruchsvollen Fußball, frisch, fromm, frei und der Weg führte bis ins Finale um den UEFA-Cup, bis zu Maradona und nach Neapel.

Dieser Trainer hat die Stimmung renoviert, bis durchs Neckarstadion la ola schwappte, die schwäbische Begeisterungswelle. Der Holländer steckte mit seinem Schwung und seiner Spielfreude alle an, die Klinsmann und Co. sogar beim Drehfußball - auch in der Holzkiste nutzte er den Raum auf voller Breite, dass ihm manchmal fast seine brillant-besetzte Goldkette vom Handgelenk fiel.

"Unser Überflieger", staunte der VfB-Präsident. Der Haan im Korb. Ein Mann von Welt, ein Rudi Carrell des Fußballs, ein Entert(r)ainer, der die Ware Fußball, den VfB und besonders sich selbst gewinnbringend verkaufte. Sogar das sonst eher strenge Nachrichtenmagazin Spiegel klatschte Applaus: "Dieser Mann tut der ganzen Liga gut."

"Wenn wir ganz oben sind", hat der Lust- und Spaß-Trainer Arie Haan damals gedroht, "komm' ich ins Stadion zu den Spielen als Humphrey Bogart -mit Hut."

Träume können platzen. Arie Haan war Schlitzohr und Stimmungskanone, aber auch Bruder Leichtfuß was länger als zwei Jahre als seine besondere Stärke galt, galt am Ende zugleich als seine größte Schwäche: Er war immer locker, immer lustig aber halt auch immer ein bisschen unberechenbar. Einmal verpasste er nach einer langen Disco-Nacht das Flugzeug nach Leningrad, wo er den nächsten UEEA-Cupgegner beobachten wollte. Ein andermal ließ er das Training sausen, um seinen kranken Vater zu besuchen - bestritt aber auf dem Weg dorthin noch schnell ein Prominentenspiel in Augsburg. Seinem Privatleben widmete die Presse irgendwann unerfreuliche Stories, und etwa zur gleichen Zeit begannen die VfB-Bosse, sich über Haans Einkaufspolitik zu wundern.

Der einzige, der stets die Ruhe weg hatte, war der Holländer. "Warum-, fragte er eines Tages erstaunt, lacht denn hier keiner mehr?"

Das war das Ende.

     
   
     
   
     
   
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