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WARUM LACHT DENN KEINER MEHR?
VON OSKAR BECK (06/92)
Arie Haan hatte im Fernsehen Elvis Presley genossen.
Bomben-Show. Erst habe der Bursche auf der Bühne nur ein bisschen
geplaudert, seine Schmachtlocke geschwenkt und lässig mit der Gitarre
geklimpert - aber dann: Whow!
Haan,
Marke Lausbub: "So muss der VfB spielen. Locker anfangen und dann
zuschlagen - wie Elvis."
Stuttgarts Fußball-Reporter ließen ihre Stifte über
die Notizblöcke fliegen, und froh schauten sie dem Holländer ins Auge
und lasen daraus eine wichtige Botschaft: Lachen schadet nicht der
Gesundheit! Max Merkel, der alte (Schla-)Wiener, schrieb: "Haan ist der
Erfinder der guten Laune."
Aries Ära beim VfB: erwähnenswert. Ein Trainer, der
Spaß machte. Das Publikum mochte ihn und die Profis, der Präsident und
die Presse. Er kam, sah und siegte, und Sponsor Südmilch musste nicht
mehr mit der Angst leben, dass die Milch sauer wird wie in der Saison
zuvor - die hatte damit geendet, dass ein VfB-Fan auf der Haupttribüne
dem grimmigen Trainer Coordes zum Abschied einen verbeulten
Persil-Koffer über die Balustrade reichte, auf den in aller Häme
gepinselt war: "Egon, wir danken dir."
Mit
Haan wurde der Dank wieder ehrlicher.
Arie Haan. Der lustige Holländer. Vizeweltmeister
1974 und 1978. Meisterprofi bei Ajax Amsterdam und RSC Anderlecht, wo er
auch Meistertrainer war. Beim VfB übernahm er das Ruder eines Boots, das
sank. Er machte es flott. "Bald ist in Stuttgart Schwarzmarkt",
versprach anno '87 - und spontan krächzte Felix, der Papagei von
VfB-Wirtin Helli Schmieg, im Klubhaus Anfeuerungsruf: " VfB - Toor!"
Schwarzmarkt. Boom. Siege. Haan hielt sein
Versprechen. Der VfB spielte unter ihm wieder anspruchsvollen Fußball,
frisch, fromm, frei und der Weg führte bis ins Finale um den UEFA-Cup,
bis zu Maradona und nach Neapel.
Dieser Trainer hat die Stimmung renoviert, bis durchs
Neckarstadion la ola schwappte, die schwäbische Begeisterungswelle. Der
Holländer steckte mit seinem Schwung und seiner Spielfreude alle an, die
Klinsmann und Co. sogar beim Drehfußball - auch in der Holzkiste nutzte
er den Raum auf voller Breite, dass ihm manchmal fast seine
brillant-besetzte Goldkette vom Handgelenk fiel.
"Unser
Überflieger", staunte der VfB-Präsident. Der Haan im Korb. Ein Mann von
Welt, ein Rudi Carrell des Fußballs, ein Entert(r)ainer, der die Ware
Fußball, den VfB und besonders sich selbst gewinnbringend verkaufte.
Sogar das sonst eher strenge Nachrichtenmagazin Spiegel klatschte
Applaus: "Dieser Mann tut der ganzen Liga gut."
"Wenn wir ganz oben sind", hat der Lust- und
Spaß-Trainer Arie Haan damals gedroht, "komm' ich ins Stadion zu den
Spielen als Humphrey Bogart -mit Hut."
Träume können platzen. Arie Haan war Schlitzohr und
Stimmungskanone, aber auch Bruder Leichtfuß was länger als zwei Jahre
als seine besondere Stärke galt, galt am Ende zugleich als seine größte
Schwäche: Er war immer locker, immer lustig aber halt auch immer ein
bisschen unberechenbar. Einmal verpasste er nach einer langen
Disco-Nacht das Flugzeug nach Leningrad, wo er den nächsten
UEEA-Cupgegner beobachten wollte. Ein andermal ließ er das Training
sausen, um seinen kranken Vater zu besuchen - bestritt aber auf dem Weg
dorthin noch schnell ein Prominentenspiel in Augsburg. Seinem
Privatleben widmete die Presse irgendwann unerfreuliche Stories, und
etwa zur gleichen Zeit begannen die VfB-Bosse, sich über Haans
Einkaufspolitik zu wundern.
Der einzige, der stets die Ruhe weg hatte, war der
Holländer. "Warum-, fragte er eines Tages erstaunt, lacht denn hier
keiner mehr?"
Das war das Ende.
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