|
DER FINAL-HELD
VON OTTO E.LACKNER (06/92)
Er
hat kräftige Hände, die zupacken können. Ein Mann, den nichts umwirft.
So stabil wie eine deutsche Eiche oder unerschütterlich wie der Dom in
Bamberg: Von dort kommt er nämlich her, der Karl Bögelein. Von 1951 bis
1957 war er Torhüter beim VfB Stuttgart. "Böges", wie ihn die Leute der
Einfachheit halber gerufen haben, war ein Markenzeichen im
Nachkriegsfußball.
Bei Bögelein war es wie bei vielen seiner "Zunft":
Gute Torhüter werden per Zufall entdeckt. Als der Torwart in seiner
Mannschaft in Bamberg einmal fehlte, musste er in den Kasten. "ich war
der Größte." Der VfB-Trainer Schorsch Wurzer hatte ihn bei einem Spiel
in Degerloch gesehen. Bögelein überlegte hin und her und sagte zweimal
ab und zweimal zu und ließ sich am Ende doch zu seinem Glück zwingen,
weil Wurzer den letzten Trumpf aus dem Ärmel holte und dezent auf die
bevorstehende Mexico-Reise des VfB hinwies.
Der VfB vermittelte ihm ein Zimmer, die Arbeitsstelle
musste er sich selbst suchen, und fürs Spielen gab's ein paar Mark, mit
denen ein Profi heute nicht mal seine Telefonrechnung bezahlen könnte.
Bögelein: "Wenn ich heute nochmals zwanzig wäre, ich würde sofort
Profifußballer werden." 1951 bestritt Bögelein gegen Luxemburg gleich
zwei Länderspiele, sein erstes und letztes. "Ich hatte das Pech, dass es
damals einen Toni Turek gab." 1952 die Deutsche Meisterschaft mit dem
VfB (3: 2 in Ludwigshafen gegen den 1. FC Saarbrücken) - Bögelein wurde
als "Final-Held" gefeiert. 1954 der Gewinn des DFB-Pokals, daneben die
Vizemeisterschaft und ein paar Mal Endrundenteilnahme. "Meine schönste
Zeit", sagt Bögelein.
Sie endete, als er hin und wieder daneben griff. "Ich
hatte eine schwache Serie." Torhüter-Pech. Wurzer holte Sawitzki, und
Bögelein wechselte zum SSV Reutlingen. Keine einfache Zeit: Es ging
meist gegen den Abstieg - und nicht so recht voran. Abends um halb fünf
schwang sich Bögelein auf seine Vespa Richtung Reutlingen.
Danach vertauschte er zweierlei: Den SSV wieder mit dem VfB und das Tor
mit der Trainerbank. Er betreute auf dem Wasen den Nachwuchs, wurde mit
der A-Jugend Deutscher Meister, trainierte mit Franz Seybold zusammen
und danach allein die Amateure, mit denen er Deutscher Vizemeister
wurde.
Er hat es sogar bis zum Bundesligatrainer gebracht -
aushilfsweise. Wenn Trainer abgelöst wurden (Sztani zum Beispiel) oder
krank wurden (Zebec), musste Karl Bögelein ran. Warum er nicht
Profitrainer geworden ist? "Das sollte man gleich nach der aktiven
Laufbahn machen, sonst tut man sich schwer."
Heute, da er nach fast vierzig Berufsjahren in der
Kraftstoffbranche den Ruhestand mit seiner Frau Anneliese genießt, hat
er viele Hobbys: Golf (in Ohringen) und Tennis (bei seinem Verein in
Obertürkheim ist er sogar zweiter Vorsitzender) zum Beispiel. Aber sein
größtes ist der VfB geblieben. Bei jedem Heimspiel der Profis (und meist
auch der Amateure) schaut er zu, am Montagnachmittag spielt er noch
selbst Fußball (auch mit seinem einstigen Konkurrenten Sawitzki "wir
sind gute Freunde") und zudem ist er Mitglied im Ehrenrat des Vereins.
Bögelein: "Mein Herz hängt am VfB. Hier bin ich über Vierzigjahre
Mitglied. Hier hatte ich meine schönsten Erfolge. Das ist für mich der
Verein."
|