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Magazin für Tradition, Mythos und Kultur
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  unabhängige Vereinspage über die Profimannschaft des VfB Stuttgart 1893 e.V.      11. Jahrgang

 
 
 


 
 
 
 
  
 Erfolge als Trainer beim VfB Stuttgart
 
UEFA-Cup: 1x 2. Platz 1988/1989 mit VfB Stuttgart
Bundesliga1x 4. Platz 1987/1988 mit VfB Stuttgart
Bundesliga1x 5. Platz 1988/1989 mit VfB Stuttgart
   
 Vereinskarriere beim VfB Stuttgart:
 
 Liga  Saison  Verein  Position   
 Bundesliga  1987/1988  VfB Stuttgart  Trainer   01.07.1987
 Bundesliga  1988/1989  VfB Stuttgart  Trainer   
 Bundesliga  1989/1990  VfB Stuttgart  Trainer  bis 26.03.1990 
   



Geschichte / Sonstiges

WARUM LACHT DENN KEINER MEHR-

VON OSKAR BECK

Arie Haan hatte im Fernsehen Elvis Presley genossen. Bomben-Show. Erst habe der Bursche auf der Bühne nur ein bisschen geplaudert, seine Schmachtlocke geschwenkt und lässig mit der Gitarre geklimpert - aber dann: Whow!

Haan, Marke Lausbub: "So muss der VfB spielen. Locker anfangen und dann zuschlagen - wie Elvis."

Stuttgarts Fußball-Reporter ließen ihre Stifte über die Notizblöcke fliegen, und froh schauten sie dem Holländer ins Auge und lasen daraus eine wichtige Botschaft: Lachen schadet nicht der Gesundheit! Max Merkel, der alte (Schla-)Wiener, schrieb: "Haan ist der Erfinder der guten Laune."

Aries Ära beim VfB: erwähnenswert. Ein Trainer, der Spaß machte. Das Publikum mochte ihn und die Profis, der Präsident und die Presse. Er kam, sah und siegte, und Sponsor Südmilch musste nicht mehr mit der Angst leben, dass die Milch sauer wird wie in der Saison zuvor - die hatte damit geendet, dass ein VfB-Fan auf der Haupttribüne dem grimmigen Trainer Coordes zum Abschied einen verbeulten Persil-Koffer über die Balustrade reichte, auf den in aller Häme gepinselt war: "Egon, wir danken dir."

Mit Haan wurde der Dank wieder ehrlicher.

Arie Haan. Der lustige Holländer. Vizeweltmeister 1974 und 1978. Meisterprofi bei Ajax Amsterdam und RSC Anderlecht, wo er auch Meistertrainer war. Beim VfB übernahm er das Ruder eines Boots, das sank. Er machte es flott. "Bald ist in Stuttgart Schwarzmarkt", versprach anno '87 - und spontan krächzte Felix, der Papagei von VfB-Wirtin Helli Schmieg, im Klubhaus Anfeuerungsruf: " VfB - Toor!"

Schwarzmarkt. Boom. Siege. Haan hielt sein Versprechen. Der VfB spielte unter ihm wieder anspruchsvollen Fußball, frisch, fromm, frei und der Weg führte bis ins Finale um den UEFA-Cup, bis zu Maradona und nach Neapel.

Dieser Trainer hat die Stimmung renoviert, bis durchs Neckarstadion la ola schwappte, die schwäbische Begeisterungswelle. Der Holländer steckte mit seinem Schwung und seiner Spielfreude alle an, die Klinsmann und Co. sogar beim Drehfußball - auch in der Holzkiste nutzte er den Raum auf voller Breite, dass ihm manchmal fast seine brillant-besetzte Goldkette vom Handgelenk fiel.

"Unser Überflieger", staunte der VfB-Präsident. Der Haan im Korb. Ein Mann von Welt, ein Rudi Carrell des Fußballs, ein Entert(r)ainer, der die Ware Fußball, den VfB und besonders sich selbst gewinnbringend verkaufte. Sogar das sonst eher strenge Nachrichtenmagazin Spiegel klatschte Applaus: "Dieser Mann tut der ganzen Liga gut."

"Wenn wir ganz oben sind", hat der Lust- und Spaß-Trainer Arie Haan damals gedroht, "komm' ich ins Stadion zu den Spielen als Humphrey Bogart -mit Hut."

Träume können platzen. Arie Haan war Schlitzohr und Stimmungskanone, aber auch Bruder Leichtfuß was länger als zwei Jahre als seine besondere Stärke galt, galt am Ende zugleich als seine größte Schwäche: Er war immer locker, immer lustig aber halt auch immer ein bisschen unberechenbar. Einmal verpasste er nach einer langen Disco-Nacht das Flugzeug nach Leningrad, wo er den nächsten UEEA-Cupgegner beobachten wollte. Ein andermal ließ er das Training sausen, um seinen kranken Vater zu besuchen - bestritt aber auf dem Weg dorthin noch schnell ein Prominentenspiel in Augsburg. Seinem Privatleben widmete die Presse irgendwann unerfreuliche Stories, und etwa zur gleichen Zeit begannen die VfB-Bosse, sich über Haans Einkaufspolitik zu wundern.

Der einzige, der stets die Ruhe weg hatte, war der Holländer. "Warum-, fragte er eines Tages erstaunt, lacht denn hier keiner mehr?"

Das war das Ende.


Warum Arie Haan Managern das Spiel erklärte
aus Stadion Aktuell 2008/09 01


Genau hundert Jahre ist es nun her, dass der FV Stuttgart 1893, der ältere der beiden VfB-Stammvereine, sich in den Liga- Spielbetrieb des Fußballs integrierte. Aufgrund seiner im Rugby nachgewiesenen Spielstärke musste der Neuling nicht unten in der C-Klasse anfangen, sondern durfte in der B-Klasse starten. Dieser Vorgang zeigt den Respekt, den man den 93ern als Jüngern des eiförmigen Rugbyballes damals entgegen brachte. Der Respekt war gut begründet: zum einen hatten die 93er sich im Rugby mit international angesehenen Mannschaften gemessen und auch ein größeres Publikum angezogen, zum anderen waren sie nach dem Cannstatter Tennisklub – dem früheren Cannstatter Fußballklub – der zweitälteste „Sport“verein Württembergs, der die Fußballbewegung zusammen mit den Cannstattern zunächst auf dem Wasen, dann auf dem Stöckach-Spielplatz in Gang gebracht hatte. So respektvoll die Eingliederung in die B-Klasse war, so berechtigt war sie auch. Bis 1908 hatte der FV 93 schließlich schon eine fünfzehnjährige Tradition des Spiels mit dem Lederball. Da war man wahrlich kein Anfänger mehr. Man wusste um die technischen Elemente des Fußballs seit Anfang an, und man wusste ebenso, wie das Spiel läuft. Man besaß schon das sichere Gespür dafür, wie der Ball durch die eigenen Reihen laufen muss, dass die Kombination den Erfolg bringt, dass der schnelle Ballwechsel und die Bewegung ohne Ball und beides zusammen Räume schafft, den Gegenspieler verwirrt und Tormöglichkeiten eröffnet. In diesem Zusammenwirken lag ja einer der großen Anreize dieses Spiels, die Erfahrung des Zusammenspiels war etwas relativ Neues: der Einzelne als Teil eines größeren Ganzen, einer Mannschaft, innerhalb der man erst zu einer besonderen Leistung gelangt.

Das waren Abläufe, wie sie die Anhänger des Rasenspiels bei ihren schulischen Turnübungen in aller Regel nicht kennen lernten. Dort rangierte zuoberst das Individuelle, auch das individuelle Versagen, was vielen jeglichen Spaß daran verdarb. Anders beim Rasenspiel: gewann man ein Spiel, so gewann man es in Gemeinschaft mit anderen, verlor man ein Spiel, dann verlor man es ebenfalls gemeinschaftlich. Was nicht ausschloss, dass man sich zuweilen auch in die Haare bekam. In diesem Zusammenwirken, vor allem, wenn es über mehrere Stationen funktioniert, liegt für den Spieler und auch für den Zuschauer das Schöne des Spiels. Die eher zufälligen Passanten, die einst Zeuge des Spielens auf dem Wasen wurden, erkannten diesen Zauber des Spiels nicht, sondern ließen sich über das Rohe aus, die Balgerei um einen Ball, den Lärm, den die Spieler vollführten, sahen die innere Ordnung des Spiels nicht, sondern fürchteten um die öffentliche Sicherheit. Nun, man kennt die weitere Entwicklung. Der einstige Neuling im Fußballbetrieb hat sich im Verbund mit dem Kronenklub als VfB Stuttgart in Jahrzehnten zum berühmtesten und erfolgreichsten Fußballverein des Landes entwickelt. Und schon längst hat sich aus den zufälligen Passanten von einst ein höchst fachkundiges Publikum gebildet, das den Fußball als wichtigen Teil seiner Alltagskultur versteht. Ja, die Entwicklung schritt bis in die achtziger Jahre des letzten Jahrhunderts soweit voran, dass man über die Transfermöglichkeiten des Spiels nachdachte. D.h., über die Frage, ob der Fußball auch als Beispiel für andere Lebensbereiche wie zum Beispiel der Wirtschaft gelten könne. Einer der damaligen VfB-Trainer, Arie Haan, war als einer der ersten der Branche jedenfalls gern gesehener Gast bei Manager- oder Vertriebstagungen renommierter Firmen, denen der zweifache Vizeweltmeister auf der Basis seiner Fußballerfahrungen Einblicke gab in das Management und die Schlüsselqualifikationen von Teams. Vom Fußball lernen


   
  
   
   
  
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