Intern/Sonstiges, 07.08.2008
Ex-Kapitän zu Besuch
Vier Jahre lang kickte Frank Verlaat für den VfB und war in seiner Zeit am Neckar von 1995 bis 1999 auch Kapitän der Mannschaft.
Mit dem Holländer als Spielführer gewann der VfB im Jahr 1997 den DFB-Pokal und erreichte ein Jahr später das Finale des damaligen Europapokals der Pokalsieger. Bei der 0:1-Niederlage im Mai 1998 in Stockholm gegen den FC Chelsea fehlte Verlaat seinerzeit allerdings gesperrt. Inzwischen hat der 40-Jährige seine aktive Karriere beendet, nachdem er bis im Vorjahr noch beim österreichischen Erstligisten Sturm Graz aktiv gewesen war. Da Verlaat heute in Stuttgart unterwegs war, nutzte er den Aufenthalt in seiner alten Heimat gleich zu einem Besuch bei seinem Ex-Verein und schaute bei der morgendlichen Trainingseinheit zu. Dabei fand er mit seinem Landsmann Khalid Boulahrouz, seinem ehemaligen Mannschaftskollegen Ludovic Magnin aus gemeinsamen Bremer Zeiten und VfB-Physiotherapeut Gerhard Wörn auch gleich noch vertraute Gesichter und Gesprächspartner vor.
Vor Wut die Brille zertrampelt
Zum Lachen war es nicht, was sich ein renommierter Profi einem unliebsamen Journalisten gegenüber leistete. Er machte sich damit höchstens lächerlich. Aber die Zeit heilt Wunden und die Erinnerung verklärt. Deshalb dürften sich Täter und Opfer ein Schmunzeln nicht verkneifen, wenn sie mit dem Abstand einiger Jahre die folgende Geschichte lesen.
Jürgen Löhle berichtete damals -1998- für die „Stuttgarter Zeitung" aus dem Trainingslager auf Teneriffa. Er schrieb eine Story über den Niederländer Frank Verlaat, durchaus positiv und bezeichnete den langhaarigen Libero als netten „Softy". Nicht ahnend, was sie damit bewirkten, zogen die Kollegen in der Heimatredaktion daraus die Überschrift. Was als Kompliment gemeint war, bekam Verlaat in den falschen Hals. "Softy" hat in Holland eine andere, zweifelhafte Bedeutung.
Angestachelt von Mitspielern ging er nach dem Training auf den armen Kollegen los, der ahnungslos am Spielfeldrand stand. Er riss ihm die Brille von der Nase und zertrampelte sie vor seinen Augen und fauchte: „Tut das ein Softy?" Der VfB bedauerte und sorgte dafür, dass der Kollege mit einer neuen Brille wieder den richtigen Durchblick bekam.
Er wird in fast jeder „Besten VfB-Elf aller Zeiten“ seinen Stammplatz sicher haben. Frank Verlaat – Abwehrchef und Teamkapitän der DFB-Pokal-Sieger-Elf von 1997. Mit dem Fußballspielen begann der Holländer bei seinem Heimatklub DTY Haarlem und schnell wurde klar, dass der Blondschopf großes Talent und Potenzial besaß. Folgerichtig führte für den jungen Verlaat der Weg zum Training auch bald nicht mehr zu DTY, sondern ins gut 20 Kilometer von Haarlem entfernt liegende Amsterdam, wo er die berühmte Ajax-Schule durchlief, ehe der Abwehrspieler im Alter von nur 21 Jahren dann den Sprung ins Ausland wagte und in die Schweiz zu Lausanne-Sports wechselte. Der endgültige Durchbruch im Profi-Fußball gelang Frank Verlaat während seiner Zeit beim französischen Erstligisten AJ Auxerre. Im Sommer 1995 verpflichtete schließlich der VfB den damals 27-jährigen Libero, der von Beginn an auf dem Wasen zeigte, dass er sowohl auf dem Platz als auch abseits des Rasens ein echter Führungsspieler ist. 104 mal dirigierte Frank Verlaat die Defensive des VfB in der Bundesliga und war in diesen Jahren einer der Garanten für den sportlichen Erfolg, der den VfB 1998 bis in das Finale des Europapokals der Pokalsieger nach Stockholm führte, wo man nur knapp mit 0:1 dem FC Chelsea London unterlag. Nach vier Jahren tauschte er das VfB-Trikot mit dem roten-weißen Ajax-Jersey und ging zu Amsterdam, ehe der niederländische Nationalspieler zwölf Monate später in die Bundesliga kehrte, um für den SV Werder Bremen die Fußballschuhe zu schnüren.
Obwohl schon 34 Jahre alt, zog es den inzwischen 185 maligen Bundesligaspieler 2003 noch einmal ins Ausland. Österreich hieß das Ziel und der Verein zunächst Austria Wien, ehe der 1,87m große Linksfuß zu Sturm Graz wechselte.
Seine ehemaligen Mannschaften verlor Verlaat nie aus den Augen und informiert sich natürlich so auch immer über die sportlichen Entwicklungen der Veh-Elf. „Man sieht nun, dass der VfB mit der Strategie nur von Spiel zu Spiel zu denken, genau richtig liegt“, sagt der heute Vierzigjährige. „Der Titelgewinn des VfB im letzten Jahr war sehr beeindruckend, vor allem am Ende hat die Mannschaft wie im Rausch gespielt“, so Verlaat, der am 19. Mai 2007 nicht in Stuttgart sein konnte, da er zu diesem Zeitpunkt noch beim österreichischen Erstligisten Sturm Graz unter Vertrag stand, bei dem er im vergangenen Sommer mit 39 Jahren seine Karriere beendete. Auch nach nunmehr neun Jahren ist der Kontakt zum VfB nie ganz abgerissen. „Immer wenn ich nach Stuttgart komme, ist es so, als ob meine Zeit auf dem Wasen erst gestern gewesen wäre und ich treffe noch immer viele bekannte Gesichter. Aus der aktuellen Mannschaft habe ich noch Kontakt mit Ludovic Magnin, den ich von unserer gemeinsamen Zeit in Bremen her kenne“, erzählt der zweifache Familienvater, der heute als Privatier in Portugal lebt und nach über 18 Profijahren erst einmal eine Auszeit vom Fußball genommen hat. Dennoch hat er seine Rückkehr in die Niederlande schon geplant und mit Sicherheit wird man Frank Verlaat auf kurz oder lang auch wieder im Fußball erleben.