Hermann OhlicherD - * 02.11.1949 Erfolge als Spieler beim VfB Stuttgart | Bundesliga: | 1x Meister | 1983/1984 mit VfB Stuttgart |
| Bundesliga: | 1x Vizemeister | 1978/1979 mit VfB Stuttgart |
Vereinskarriere beim VfB Stuttgart: | Liga | Saison | Position | Spiele | Tore | Karten | | Bundesliga | 1973/1974 | Angriff | 33 | 17 | — | | Bundesliga | 1974/1975 | Angriff | 34 | 17 | — | | 2. Bundesliga | 1975/1976 | | 32 | 15 | | | 2. Bundesliga | 1976/1977 | | 36 | 16 | | | Bundesliga | 1977/1978 | Mittelfeld | 34 | 11 | — | | Bundesliga | 1978/1979 | Mittelfeld | 30 | 6 | — | | Bundesliga | 1979/1980 | Mittelfeld | 34 | 10 | — | | Bundesliga | 1980/1981 | Mittelfeld | 33 | 6 | — | | Bundesliga | 1981/1982 | Mittelfeld | 34 | 5 | — | | Bundesliga | 1982/1983 | Mittelfeld | 32 | 8 | — | | Bundesliga | 1983/1984 | Mittelfeld | 32 | 8 | — | | Bundesliga | 1984/1985 | Mittelfeld | 22 | 8 | | | Summe | | | 318 | 96 | |
Anmerkung: Gelbe Karten werden erst ab der Saison 2000/2001 angegeben.
Hermann Ohlicher (* 2. November 1949 in Bruggen) ist ein ehemaliger deutscher Fußballspieler. Ohlicher begann seine Profi-Karriere 1973 beim VfB Stuttgart als Stürmer und beendete sie als wichtiger Mittelfeldorganisator und Mannschaftskapitän 1985 beim VfB Stuttgart. Dazwischen lagen bittere Niederlagen und große Siege. 1975 stieg er mit dem VfB in die 2. Bundesliga ab, blieb jedoch den Schwaben treu und feierte mit ihnen 1977 den Wiederaufstieg. Ohlicher, mittlerweile einer der wichtigsten Spieler, schaffte zusammen mit seinen Mannschaftskameraden im ersten Jahr nach dem Aufstieg gleich die Qualifikation für den UEFA-Pokal. 1979 wurde er deutscher Vize-Meister und 1984 hielt er als Kapitän die Meisterschale endlich in den Händen. Hermann Ohlicher bestritt 318 Bundesliga-Spiele und erzielte 96 Tore. Werdegang
Beginn beim VfB Stuttgart Im Sommer 1973, Präsident war Senator Hans Weitpert, als Trainer fungierte der Dortmunder Meistertrainer von 1963 Hermann Eppenhoff, wechselte der bisherige Amateurspieler Hermann Ohlicher vom oberschwäbischen FV Ravensburg in die Landeshauptstadt zum VfB Stuttgart. Des Weiteren kam auch noch Heinz Stickel von 07 Ludwigsburg und aus den eigenen Amateuren bzw. der Jugend wurden noch die Talente Klaus Dieter Jank, Markus Elmer, Eckhard Müller, Arno Schäfer und Bernd Martin übernommen. Ohlicher schlug in seiner ersten Saison in der Bundesliga 1973/74 gleich voll ein, war auf Anhieb in 33 Spielen im Einsatz und schoss dabei 17 Tore. Mit dem erreichten 9. Tabellenplatz konnte man in Anbetracht der Verstärkungen gezielt aus dem Amateurbereich und der eigenen Jugend zufrieden sein. Dann kam aber die Saison 1974/75 und der VfB schlingerte stetig dem Tabellenende entgegen. Natürlich wurde der Trainer "gefeuert". Eppenhoff musste nach der derben 0:6 Klatsche am 30. November 1974 beim 1. FC Kaiserslautern und damit dem Belegen des 16. Platzes mit nur 8:22 Punkten nach dem 15. Spieltag, gehen. Ab dem 14. Dezember war dann der Alt-Internationale Albert Sing neuer Trainer bei den Stuttgartern. Leider misslang seine Mission des Erhalts der Klasse. Denkbar knapp gegen den SV Werder Bremen, verlor man das Rennen um den rettenden 15. Platz. Mit 24:44 Punkten hatte man einen Punkt weniger als die Norddeutschen aufzuweisen und musste dadurch den Weg in die 2. Bundesliga Gruppe Süd antreten. Daran änderte auch nichts mehr der Abschlusssieg am 14. Juni 1975 gegen RW Essen mit 3:2 Toren (Torschützen: Weidmann, Ohlicher, Tochtermann), Werder hatte sich davor mit Siegen gegen Hertha BSC Berlin, 1. FC Köln und den Wuppertaler SV den entscheidenden Vorsprung herausgespielt. Hermann Ohlichers persönliche Werte in dieser schlechten Runde für den Verein, waren dagegen wirklich mehr als erstaunlich: Er bestritt alle 34 Spiele und kam wiederum auf 17 Tore. Aber an dem Ergebnis des Abstieges konnte er alleine nichts ändern. Er blieb dem Verein auch in der 2. Liga treu. 2. Bundesliga, 1975-77 Unter der Regie des neuen Präsidenten Gerhard Mayer-Vorfelder wurde für den sofortigen Wiederaufstieg aufgerüstet. Er holte den Trainer Istvan Sztani von Schweinfurt 05, bekannt war er noch für Kenner aus seiner Ära als Spieler bei Eintracht Frankfurt, und stellte ihm mit Dragan Holcer, Ottmar Hitzfeld, Dieter Hoeneß, René Deck und Bernd Schmider mehrere neue Spieler zur Verfügung. Es wurde aber eine erneute völlig schief laufende Runde beim VfB. Weit abgeschlagen hinter dem Meister 1. FC Saarbrücken mit 57:19 Punkten, rangierte der Aufstiegsanwärter VfB Stuttgart am Rundenende auf dem enttäuschenden 11. Platz mit 36:40 Punkten. Es war die gesamte Planung nicht aufgegangen, nicht mit dem Trainer und auch nicht mit dem Spielerkader. Zur Runde 1976/77 wurde dann vermehrt auf die Eigengewächse und einen Trainer, der für Aufbau und Emotionen stand, gesetzt. Der Ex-Oberhausener Jürgen Sundermann wurde aus der Schweiz in das Schwabenland geholt. Tatsächlich führte Sundermann dann den VfB sofort zur Meisterschaft und damit zum Aufstieg. Jetzt zeigten auch die Neuzugänge des Vorjahres, Holcer, Hitzfeld, D.Hoeneß, Schmider was wirklich in ihnen steckte und die Jungen Helmut Roleder, Arno Schäfer, Bernd Martin, Markus Elmer, Hansi Müller, Karlheinz Förster, Klaus-Dieter Jank spielten an der Seite von Erwin Hadewicz und Ohlicher, der mit 15 Toren auch in dieser Liga traf, zumeist zu gut für die Gegner und gewannen vor allem die Sympathien der Stuttgarter Zuschauer wieder und hatten damit die wesentliche Unterstützung zum Aufschwung. 1. Bundesliga,1977-1985 Gleich als Aufsteiger qualifizierte sich der VfB für den UEFA-Cup der Saison 1978/79. Man schaffte auf Anhieb den erstklassigen 4. Rang. Von den Stuttgarter Kickers war mit Walter Kelsch ein talentierter Stürmer hinzugekommen, ansonsten spielte die komplette Aufstiegself. Ohlicher war jetzt zwar an die Seite der großen Hoffnung Hansi Müller in das Mittelfeld gewechselt, aber auch da kam er immer noch auf 11 Tore. Das Jahr darauf, die Runde 1978/79, hätte beinahe die Sensation schlechthin gebracht. Nur mit einem Punkt Vorsprung holte der Hamburger SV 1979 die Meisterschaft an die Alster. Die "Sundermänner" wurden mit 48:20 Punkten Vizemeister. Es war für den VfB eine tolle Runde. Die Mannschaft begeisterte durch ihr Spiel, die Fans strömten in Scharen in das Stadion. Doch der "Wundermann" hörte auf und von Darmstadt 98 kam der ruhige Analytiker Lothar Buchmann an den Neckar. Trotz eines ausgezeichneten dritten Ranges trennte man sich nach nur einer Runde und der "Heilsbringer" Sundermann trat wieder beim VfB an. Jetzt konnte er aber nichts mehr aufbauen, keine Talente mehr fördern, jetzt sollte er mit etablierten Bundesliga-Stars den Titel holen. Fast wie zu befürchten, nach zwei Runden war die Zusammenarbeit zu Ende, von der Meisterschaft konnte nicht die Rede sein. Wiederum in der Schweiz wurde der Präsident Mayer-Vorfelder bei der Verpflichtung des neuen Trainers fündig. Er holte den Ex-Herner Helmut Benthaus, den mehrfachen Meistertrainer des FC Basel nach Stuttgart. In seiner zweiten Saison gelang tatsächlich der Gewinn der Meisterschaft, der VfB Stuttgart wurde in der Runde 1983/84 Deutscher Fußballmeister. Das Gerüst mit Asgeir Sigurvinsson, Karl Allgöwer, Guido Buchwald und den Förster-Brüdern Karlheinz und Bernd und war eine Bank, Hermann Ohlicher war der unermüdlich weite Wege gehende Kapitän der Mannschaft. Europacup In der Saison 1978/79 hatte Stuttgart mit Trainer Sundermann in der tollen Vizerunde ein besonderes Erlebnis im UEFA-Cup. In der 3. Runde hatte man die Gäste von Dukla Prag am 22. November 1978 mit 4:1 Toren klar besiegt, Hermann Ohlicher war der Torschütze zum vierten Treffer, dem Rückspiel in Prag sah man gelassen entgegen. Nach der nicht vermuteten 0:4 Schlappe war man um eine Erfahrung reicher. 1979/80 zog man über AC Turin, Dynamo Dresden, Grasshoppers Zürich und Lokomotive Sofia bis in das Halbfinale im UEFA-Cup ein. Dann scheiterte man in zwei Spielen gegen Borussia Mönchengladbach am Einzug in das Finale. Lothar Matthäus und Winfried Schäfer schossen im Rückspiel den entscheidenden 2:0 Sieg heraus. Im Europacup der Meister in der Runde 1984/85 war bereits nach den zwei Unentschieden in der ersten Runde gegen Levski-Spartak Sofia mit 1:1 und 2:2 das Aus eingetreten. Im Sommer 1985 beendete Hermann Ohlicher seine erfolgreiche Laufbahn beim VfB Stuttgart. Obwohl er nicht zu A-Nationalmannschaftsehren gekommen war, gilt er mit seinen 318 Bundesliga-Spielen und 96 Toren und den 72 Spielen in der 2. Bundesliga mit 30 Toren als einer der Großen des VfB Stuttgart.
EHRLICHER ARBEITER VON REINER SCHOLZ 1992 In letzter Zeit hat er sich rar gemacht im Neckarstadion. "Eine vorübergehende Erscheinung", vermutet Hermann Ohlicher. Neulich war er mit den Stuttgarter Prominenten-Kickern in Rio. Er schwärmt vom Skifahren, von Fahrradausflügen mit Frau Erika und den Töchtern Andrea und Daniela, vom Wochenende am Tegernsee. "Zwanzig Jahre lang war jedes Wochenende verplant", sagt er, "ich habe einen mächtigen Nachholbedarf".
Hermann Ohlicher, ein Stück VfB. Ein verdammt gutes Stück. Selbst als er fußballerisch schon in die Jahre gekommen war, lief er mehr als die Jungen. Und die Zuschauer merkten: Da liefert einer ehrliche Arbeit Außerdem hatte er ein Gespür wichtige Tore. So wie im Frühsommer '84. In Bremen waren 83 Minuten gespielt. Ohlicher machte den 2 ten Siegtreffer. Der VfB war Deutscher Meister. Nach 32 Jahren. Ohlicher war 34, aber er hängte trotzdem noch mal eine Saison dran, die ging für den VfB daneben. Aber "der Erfolg war für mich nie das Maß der Dinge". Der Kapitän ging hocherhobenen Hauptes nach 318 Bundesligaspielen und 96 Toren. Zwölf Jahre VfB, UEFA-Pokal-Halbfinale, Abstieg, Aufstieg, Meisterschaft. Es gab nichts zu bereuen. Er hatte es sich lange überlegt, damals im Frühjahr '73. Er kickte beim FV Ravensburg, war schon 23 Jahre alt und hatte als Ingenieur einen Vertrag für einen "Superjob" in der Tasche. Dann kam der VfB. Er nahm die Herausforderung an. Im ersten Bundesliga-Spiel gegen Schalke 04 schoss er alle drei Tore zum 3:0 Sieg. Abends saß er im ZDF-Sportstudio". Er gehörte gleich dazu, spielte einmal in der B-Nationalmannschaft, bis zu Helmut Schön aber drang er nicht vor. Der Abstieg kam dazwischen, und Ohlicher hing mehr am VfB als an dem Geld, das Schalke geboten hatte. "Es war", sagt er heute, "die richtige Entscheidung." Als er im September '85 in eigener Regie und auf eigenes Risiko sein Abschiedsspiel durchführte, feierten die Fans mit. Später war er noch Mitglied des VfB-Präsidiums. Heute, mit Anfang 40, ist er in Esslingen CDU-Stadtrat und sitzt im Sport- und Schulausschuss. Beruflich hat er alle Lotto- und Toto-Tipper des Kreises Esslingen unter sich. Der Übergang ins normale Leben ist geglückt. Einmal in der Woche will er mindestens noch Fußball spielen. Bei Toto-Lotto kickt er zusammen mit Karl Allgöwer oder den Förster-Brüdern. "Der Kontakt zu den ehemaligen Kollegen ist noch da", sagt Ohlicher, "und auch wenn ich Präsident Gerhard Mayer-Vorfelder sehe, ist es wie früher." Trotzdem geht er kaum ins Stadion. Aber bald geht er auf die Malediven. Ohlicher: "Ich will die Welt sehen."
Was macht eigentlich ....? (Stadion Aktuell 28. März 2004) Der Meister-Torschütze von 1984 Es war am 19.5.1984, der VfB spielte im Weserstadion gegen den SV Werder Bremen. Nach 80 Minuten stand es nach Treffern von Asgeir Sigurvinsson und Benno Möhlmann unentschieden 1:1. Dann, in der 82. Minute um 17.07 Uhr, schnappte sich Hermann Ohlicher den Ball und versenkte ihn vorbei an Werder-Schlussmann Dieter Burdenski zum spielentscheidenden 2:1 im Netz. Das war nicht irgendein Tor, sondern das Tor, das dem VfB seine dritte Meisterschaft nach 1952 und 1954 einbrachte. „Das Gefühl kann man jetzt im nachhinein gar nicht mehr beschreiben. Es war sicherlich die impulsivste Art von Freude, die man als Fußballer erleben kann”, so der Schütze des goldenen Tores heute. Für Ohlicher bedeutete der Gewinn der Meisterschaft die Krönung seiner Karriere, die er von 1973 bis 1985 ausschließlich beim VfB verbrachte. 1973 heuerte er als 23-Jähriger direkt vom SV Mochenwangen bei den Roten an und der Sprung in die Stammelf gelang ihm prompt. „Die Situation damals war ähnlich wie die des VfB vor eineinhalb Jahren. Einige ältere Spieler haben den VfB verlassen und wir Jungen wie Heinz Stickel und ich wurden ins kalte Wasser Bundesliga geworfen und mussten spielen”, so Ohlicher. Doch damals klappte es nicht ganz so gut und so konnte auch er 1975 den bitteren Abstieg aus der Eliteklasse nicht verhindern. Nach zwei Jahren in der 2. Liga hatte er, inzwischen 27-jährig, mit seinen Führungsqualitäten und seinen Toren maßgeblichen Anteil daran, dass man schon 1977 die Schmach von 75 vergessen machen konnte und die Roten wieder erstklassig wurden. Dabei füllte er in der Aufstiegsmannschaft die Rolle des Leitwolfes aus, die heute Zvonimir Soldo beim VfB zuteil wird. Denn 1977 hatte der VfB, obwohl sie nie „die `Jungen Wilden” genannt wurde, eine sehr junge Mannschaft mit vielen Eigengewächsen wie Karlheinz Förster und Hansi Müller, die mit ihrer Mischung aus Euphorie und Erfahrung ganz Fußball- Deutschland verzückte. 1985, nach 14 Jahren VfB und 12 Jahren Bundesliga, verabschiedete sich Ohlicher vom bezahlten Fußball. Seither lebt er mit seiner Frau Erika, seinem Sohn Andreas und seiner Tochter Daniela in Esslingen, wo er als Bezirksdirektor der Neckar-Alb GmbH für 340 Toto-Lotto Annahmestellen zuständig ist. Insgesamt absolvierte die VfB-Ikone 318 Spiele für die Stuttgarter, in denen er 96 Tore erzielte. Überhaupt war das 84er Mittelfeld unglaublich torgefährlich. So gelangen den Strategen Asgeir Sigurvinsson, Karl Allgöwer und Hermann Ohlicher in der Meistersaison stolze 32 Treffer, davon träumt heute so mancher Angriff in der Bundesliga. Heute trifft Ohlicher nur noch auf dem Golfplatz, denn ein Knorpelschaden im Knie macht es ihm unmöglich, in der Traditionsmannschaft des VfB zu spielen. Aber da inzwischen viele Fußballer golfen, hält der heute 54-Jährige über seinen neuen Lieblingssport Kontakt zum VfB. „Ex-Präsident Manfred Haas und Krassimir Balakov spielen im gleichen Klub wie ich, und Hansi Müller kommt auch öfter mal vorbei”, so Ohlicher. Doch so gut wie Ohlicher puttet keiner der Kicker. Mit seinem sehr starken Handicap 2.9 beweist er einmal mehr, dass er von seiner alten Treffsicherheit nichts verloren hat.
Hermann Ohlicher - Das Laufwunder vom VfB Stuttgart von Helmut Heimann Auf dem Fußballplatz war ihm kein Weg zu weit. Selbst als er schon etwas in die Jahre gekommen war, hatte er ein größeres Laufpensum als so mancher Jungspund. Das wussten die Fans zu schätzen. Sie merkten, dass da einer ehrliche Arbeit ablieferte und ihnen für ihr Geld Klasseleistungen bot. Trotzdem hob er nicht ab. Er war stets ein ruhiger und bescheidener Arbeiter. Kein Wunder, dass die schwäbischen Fußball-Liebhaber auch heute noch mit der Zunge schnalzen, wenn sie seinen Namen hören: Laufwunder Hermann Ohlicher vom Bundesliga-Traditionsklub VfB Stuttgart. Dessen weißes Trikot mit dem roten Brustring trug er zwölf Jahre. Einige der größten Erfolge des renommierten Stuttgarter Vereines sind mit seinem Namen ganz eng verbunden - genauso wie mit denen von Hansi Müller und Fritz Walter. Mit ihnen hat er aber noch etwas gemeinsam - die donauschwäbische Herkunft. Ohlichers Eltern stammen nämlich aus der Batschka. Dort lebten sie friedlich mit den anderen Nationen, bis der unsägliche Zweite Weltkrieg ausbrach und viel Not und Leid für die Donauschwaben aus dem ehemaligen Jugoslawien brachte. So auch für Ohlichers Eltern. Sie mussten Ende 1944 aus Sekitsch flüchten. Der ehemalige VfB-Star spricht nicht gerne über diese Zeit. Denn sie war mit großem Leid für seine Familie verbunden. Bruder Jakob wurde während der Flucht geboren, zwei Schwestern dagegen mußten ihr Leben lassen. Ohlicher erzählt: "Aus der Batschka flüchtete meine Familie über Wien nach Deutschland. Dort ließ sie sich für kurze Zeit in Bruggen nieder." Hier erblickte Hermann Ohlicher am 2. November 1949 das Licht der Welt. Kurze Zeit danach zog die Familie ins nahe Mochenwangen in Oberschwaben. Später wurde sie noch durch die Geburt von Sigmund vergrößert. Hermann Ohlicher hatte stets eine enge Bindung zu seinen Eltern. Die hielt bis zu deren Tod an. Vater Jakob starb 1992, Mutter Katharina (geb. Jung) ein Jahr später. Der ehemalige Bundesligaspieler steht zu seiner donauschwäbischen Abstammung - obwohl er den Dialekt nicht spricht und auch nie die Herkunftsgebiete seiner Eltern besuchte. An etwas kann er sich aber doch noch erinnern: Es sind die Treffen der Heimatortsgemeinschaft Sekitsch in Geislingen, an denen seine Eltern regelmäßig teilnahmen. Wie die meisten Fussballer fing auch Ohlicher auf der Straße mit dem Kicken an. Das Talent hatte er vom Vater in die Wiege gelegt bekommen. Der schoß viele Tore für den SV Mochenwangen. Und dort begann auch die Karriere von Hermann Ohlicher im Alter von sechs Jahren. Er blieb zwölf Jahre bei seinem Stammverein, mit dem er A-Jugend-Staffelmeister wurde. Im Alter von 18 Jahren wechselte er zum FV Ravensburg, schaffte mit diesem 1972 den ersten Platz in der Amateurliga. Schon damals hatte er die Traumvision vom Profidasein im Kopf. Doch aus diesem aus Sicht der Bundesligavereine abgelegenen Teil der Republik war es laut Ohlicher "schwierig, im bezahlten Fußball unterzukommen". Der Vize-Präsident des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) Gerhard Mayer-Vorfelder scherzte mal: "Mochenwangen ist eine Gegend, in der auf der Landkarte normalerweise nur Büsche eingezeichnet sind". Ohlicher versuchte also durch Einsätze in verschiedenen württembergischen Landesauswahlen auf sich aufmerksam zu machen. Was ihm letztendlich auch gelang. Trainer Egon. Cordes vom Bundesligaklub VfB Stuttgart empfahl ihn seinem Chef Hermann Eppenhoff. Der beobachtete Ohlicher mehrmals, war aber nicht auf Anhieb von ihm überzeugt. Geklappt hat's dann aber doch noch, sozusagen im zweiten Anlauf. Da hatte Ohlicher nach halbjähriger Arbeitssuche bereits eine Anstellung bei einem Elektrokonzern in Heilbronn gefunden, begann dort am 1. April 1973 mit der Arbeit als Ingenieur. Sein Bildungsweg war nämlich genauso erfolgreich verlaufen, wie es später seine Fußball-Karriere tun sollte. Von April 1956 bis April 1964 besuchte er die Volksschule in Mochenwangen, anschließend absolvierte er eine dreijährige Maschinenschlosser-Lehre, ging ebenfalls für drei Jahre auf die Gewerbliche Berufsschule Ravensburg, machte auf dem zweiten Bildungsweg seine mittlere Reife, arbeitete dann ein Jahr als Maschinenschlosser und studierte vom 10. September 1969 bis zum 30. Juli 1972 an der Fachhochschule in Ravensburg, wo er sein Diplom als Ingenieur der physikalischen Technik machte. Doch zu seinem Wechsel zum VfB. Als er in Heilbronn arbeitete, kam endlich der langersehnte Anruf aus Stuttgart - und sein Wunschtraum ging in Erfüllung. Deshalb war der materielle Aspekt überhaupt nicht wichtig für ihn. Als Ingenieur hätte er in etwa dasselbe verdient. Doch für ihn war von viel größerer Bedeutung, dass er endlich bei einem Profiverein untergekommen war. Für einen Spieler mit 23 Jahren fast schon zu spät. Andere Fußballer hatten in diesem Alter schon ein paar Bundesligajahre auf dem Buckel. 
"Das war ein unwahrscheinlich hohes Risiko", meint Ohlicher heute. Er riskierte - und gewann! "Für einen Vertrag bei einem Regionalligaklub hätte ich mein Studium nie aufgegeben." Doch für seinen Traumverein VfB hing er den Beruf an den Nagel. Diesen Schritt hat er nie bereut. Und auch Hermann Eppenhoff nicht, der dann doch noch über seinen Schatten sprang und sein Ja-Wort zum Wechsel von Ohlicher gab. Der Trainer begründete sein anfängliches Zaudern so: "Als wir in der Saison 1972/73 auf Hermann Ohlicher aufmerksam wurden, habe ich ihn mehrfach beobachtet, in Ravensburg und in der WFV-Auswahl. Doch er war seinerzeit überfordert, spielte sehr oft, war auch verletzt. Wir brauchten etwas Bedenkzeit, ehe feststand: Den Mann können wir doch noch gebrauchen." Und wie sie das konnten. Eppenhoff weiter: "Wir behielten recht. Ohlicher war nach seinem Wechsel zum VfB im Sommer 1973 sofort integriert, war von Anfang an in der Mannschaft. Man sah von der ersten Trainingsminute an, daß er sich als wertvolle Verstärkung erwies, und er bestätigte dies in den Spielen. Rückblickend kann ich ihn ohne Übertreibung als kameradschaftlichen, intelligenten und hervorragenden Mannschaftsspieler bezeichnen. Er spielte nicht nur für sich, sondern hatte einen Blick für seine Mitspieler. Seine Technik war brillant, was er anpackte im Spiel hatte Hand und Fuß, daher sein Ankommen beim Publikum und der sofortige Durchbruch." Der war sensationell! Denn gleich in seinem ersten Bundesligaspiel schoß er gegen Schalke 04 alle drei Tore und wurde ins ZDF-Sportstudio eingeladen. In seiner ersten Saison 1973/74 beim VfB gelangen ihm 17 Treffer und damit wurde er zum internen Torschützenkönig der Schwabenelf Nie hat er mehr Tore in einer Spielzeit geschossen. Sein Aufstieg war nicht mehr aufzuhalten. Maßgeblichen Anteil daran hatte Trainer Eppenhoff. Dessen Satz aus dem allerersten Trainingslager ("Der spielt so wie ich früher") hat Ohlicher heute noch im Gedächtnis. Er spürte: Der Trainer baute auf ihn. Das gab ihm mächtig Auftrieb - und er blühte richtig auf. Bald hatte er einen Stammplatz, war in den folgenden Jahren aus der VfB-Elf einfach nicht mehr wegzudenken. Hermann Ohlicher wurde Kapitän, machte Höhen und Tiefen des Vereins mit. Als die Stuttgarter 1975 abstiegen, wäre er fast bei Schalke gelandet. Doch ein bodenständiger Typ wie er wechselt nicht so schnell in fremde Gefilde. Er blieb beim VfB und bereute es nicht: "Vielleicht hat mich das damals eine internationale Laufbahn gekostet. Ich war gut in Schuss, stand auf dem Sprung zur Nationalelf, aber in der zweiten Liga war ich schnell weg vom Fenster." Trotzdem sagt er auch noch heute: "Es war die richtige Entscheidung." Durch den Aufstieg 1977 unter dem bekannten Trainer Jürgen Sundermann wurde er für vieles entschädigt. Es folgte eine tolle Saison in der ersten Liga, mit dem seither nicht mehr erreichten Zuschauerschnitt von 54.000 im Neckarstadion. "Das war das größte und hinterließ einen bleibenden Eindruck", schwärmt Ohlicher noch heute. Unvergessen ist auch sein Tor in der Hölle von Turin im Europapokal, das in allerletzter Sekunde ein Weiterkommen des VfB sicherte. Doch der absolute Höhepunkt in seiner Laufbahn war die Deutsche Meisterschaft 1984 unter Trainer Helmut Benthaus. "Mein ganz persönlicher Höhepunkt als Fußballer", beschreibt Ohlicher den Titelgewinn. An dem er maßgeblich Anteil hatte. Im Weserstadion waren 83 Minuten gespielt. Ohlicher machte den 2:l-Siegtreffer. Der VfB war wieder Deutscher Meister. Nach 32 Jahren. Was hat er damals im ersten Augenblick nach seinem goldenen Tor gefühlt? "Unbeschreiblich. Man kann nur den Moment genießen. So einer kommt nie wieder", schwelgt Ohlicher in nostalgischen Erinnerungen. Doch fast hätte er seinen Triumph gar nicht genießen können. Denn sein Stern war am Verblassen. Das zehnte Jahr beim VfB schien für ihn das letzte zu sein. Als er etwa ein Jahr vor seinem Siegtor in Bremen die Post aus seinem Briefkasten nahm, wunderte er sich, dass auch ein Brief vom VfB darunter war. Als er ihn geöffnet hatte, wunderte er sich. noch mehr - über die Formulierung "Sehr geehrter Herr Ohlicher! Lieber Hermann!" Doch am meisten wundern sollte er sich über den Inhalt des Schreibens. Darin teilte ihm, der immerhin sieben Jahre Spielführer der Schwaben war, VfB-Präsident Gerhard Mayer-Vorfelder mit, dass der Verein ihm für die neue Saison kein gleichwertiges neues Angebot machen kann und deshalb gleich ganz auf seine Dienste verzichtet. Im Zeichen der Sparwelle wollte der Klub bei Ohlicher wegen seines vorgerückten Alters den Rotstift ansetzen, zumal es bei ihm in der vorhergegangenen Spielzeit nicht nach Wunsch gelaufen war. Ohlicher traute seinen Augen nicht und war furchtbar enttäuscht "über die Art und Weise der Entscheidung des Vereins". Vor allem weil er schon damals ein sehr gutes Verhältnis zu MV (wie Stuttgarts Präsident Mayer-Vorfelder genannt wird) hatte. Ohlicher galt als Intimus des VfB-Bosses. "Deshalb hat es mich auch besonders getroffen, dass er ausgerechnet mich so behandelte." Doch in dieser schwierigen Situation half ihm sein rationales Denken weiter, das er sich als Ingenieur angeeignet hatte. Und ganz wichtig für ihn war, dass die Presse geschlossen hinter dem früheren Mittelstürmer und späteren Mittelfeldspieler stand. So schrieb Klaus Schlütter in der Bild-Zeitung einen Kommentar mit der Überschrift "Herr Präsident, warum sind Sie denn so feige?" und weiter: "Es gibt Fußball-Profis, die - wenn sie gerade in Form sind - um jede Mark Gehalt pokern. Ohlicher gehört nicht dazu. Sein Name steht nicht für Super-Star und Extra-Könner, aber für Zuverlässigkeit, ehrliche Arbeit, Treue zum Arbeitgeber. Daß ihm der VfB Stuttgart jetzt keinen neuen Vertrag gab, ist verständlich - Ohlicher wird in diesem Jahr 34. Aber sein Präsident mochte ihm das nicht in; Gesicht sagen, versteckte sich hinter einem unpersönlich nüchternen Brief. Wer so feige ist, arbeitet nicht profihaft. Nur stümperhaft und ungezogen.' Die Medienschelte wirkte. Ohlicher durfte bleiben, doch er musste finanzielle Einbußen hinnehmen Statt 1500 Mark pro Punkt gab's nur noch 1000, Was er schließlich zähneknirschend akzeptierte Ohlicher im Rückblick: "Ich war zwar bereit, als Spieler mitzuhelfen, um die schwierige finanzielle Situation des Vereins zu bereinigen. Doch mir stank es, daß die Klubs die Situation ausnützten, um uns Spieler unter Druck zu setzen". Abgefedert wurden seine finanziellen Verluste durch sein hohes Grundgehalt. Damals war es bereits zehnmal höher als in seiner Debütsaison beim VfB. Sportlich ging's wieder aufwärts. Unter dem neuen Trainer Benthaus fand Ohlicher wieder zu alter Stärke . "Ei konnte sich aus der Rolle des fleissigen Lieschens. das eifrig im Mittelfeld die Lücken stopft, befreien. Die neue Freiheit nützt er, und plötzlich sieht man in Stuttgart wieder einen Ohlicher, der spielt wie in besten Zeiten, spritzig und dynamisch", lobte ihn Matthias Erne in der Fachzeitschrift "Kicker Sportmagazin." Klar, dass Ohlicher auch wieder ins Schwarze traf. So erzielte er im letzten Heimspiel der Saison gegen Eintracht Frankfurt zwei Tore. Sein Erfolgsrezept schilderte er wie folgt: "Mit 33 sind die Erholungsphasen länger geworden und ich muss mich mehr auf den Beruf konzentrieren." Das bedeutete: Wenn am Mittwoch ein Spiel stattfand, fiel der Kneipenbummel am Wochenende aus. Selbst die heißgeliebte Tennispartie musste verschoben werden. Damals führte Ohlicher die Tennis-Rangliste beim VfB ganz klar vor Erwin Hadewicz an. Doch er wurde für all' seine Entbehrungen belohnt. Mit dem Meistertitel in der darauffolgenden Saison. Hermann Ohlicher war damals fast 35. Ein Oldie auf dem Fußball-Olymp! Es war die Krönung einer beispiellosen Karriere! ! Seine Bilanz: 318 Bundesligaspiele (Rang 4 beim VfB nach Karl Allgöwer, Günther Schäfer und Guido Buchwald), 96 Tore (Rang 3 nach Allgöwer und Fritz Walter) und ein B-Länderspiel. Sieben Jahre lang trug er die Kapitänsbinde, bestritt außerdem noch 74 Zweitligaspiele, 35 Europapokalbegegnungen (in denen er 13 Tore machte), war Deutscher Meister 1984, Deutscher Vize 1979, stand 1974 und 1980 im Halbfinale um den UEFA-Pokal und war Deutscher Heeresmeister 1974. Insgesamt absolvierte Hermann Ohlicher 750 Spiele für den VfB Stuttgart. Schwäbisches Fußballherz, was willst du eigentlich noch mehr? Nach dem absoluten Höhepunkt seiner Laufbahn hängte Ohlicher noch eine Spielzeit dran. Die lief schlecht für den VfB. Soeben noch oben, jetzt unten - Ohlicher nahm's locker. "Fußball ist eben nicht logisch", sagt der Diplom-Ingenieur. "Und das ist schön so." Deshalb war für Ohlicher der "Erfolg nie das Maß der Dinge". Und auf den Mund gefallen war er schon längst nicht. "Früher war ich ungemein hitzig", charakterisierte er sich mal. Ein Beispiel gefällig? Im März 1985 lief in München die 82. Minute des Bundesliga-Südschlagers Bayern gegen VfB Stuttgart (3:2). Schiedsrichter Karl-Heinz Tritschler gibt Freistoß für Bayern, Ohlicher sagt: "Du bist das größte Schwein." Tritschler: "Haben Sie mich gemeint?" Ohlicher: "Ja." Tritschler zeigt ihm die Rote Karte. Das hat den Schwaben lange gewurmt: "Der Schiri hat uns dreimal benachteiligt in jenem Spiel. In meinem Privatleben lasse ich mich schließlich auch nicht unwidersprochen ungerecht behandeln." Doch mit den Jahren wurde er ruhiger, bescheinigte sich selbst eine "positive Ausstrahlung." Gesundheitlich angeschlagen war er in seiner langen Karriere nur selten. Seine gravierendste Verletzung in all den Jahren: ein Muskelriss. Aber letztendlich musste er dem Alter doch noch Tribut zollen. Verschleißerscheinungen im Knie, Probleme mit den Bandscheiben und der Wirbelsäule bestärkten ihn in seinem Entschluss aufzuhören. Er hing die Fußballschuhe an den berühmten Nagel und wurde gebührend geehrt. Am 10. September 1985 stieg sein im Neckarstadion in Eigenregie und auf eigenes Risiko veranstaltetes Abschiedsspiel. Es war ein tolles Fest. Fallschirmspringer und das Heeresmusikkorps neun heizten den fast 19.000 Zuschauern mächtig ein. Und Stars aus zwölf Jahren Fußballgeschichte beim VfB Stuttgart gaben sich die Ehre. Ohlicher rief, und fast alle kamen: Trainer Jürgen Sundermann jettete aus der Türkei herbei, seine Kollegen Helmut Benthaus, Ottmar Hitzfeld und Albert Sing reisten aus der Schweiz an, Roland Hattenberger und Hansi Müller aus Österreich, Didier Six und Walter Kelsch aus Frankreich. Und sie zauberten, was das Zeug hielt. Stimmungskanone Buffy Ettmayer spielte mit Hansi Müller den "Tiroler-Doppelpaß", Gerhard Heinze flog wie in früheren Zeiten ' durch den Kasten. Georg Volker dribbelte wie einst und die Supertechniker Asgeir Sigurvinsson sowie Didier Six wirbelten die Gegner durcheinander. Der Spaß kam nicht zu kurz: Da spielte Volker beim Eckball FIFA - Referee Walter Eschweiler an und bekam prompt das Leder vom Schiedsrichter-Original . Und Ettmayer zückte für Linienrichter Heinz Aldinger nach einer umstrittenen Abseitsentscheidung kurzerhand die Gelbe Karte. "Es hat unheimlich Spaß gemacht", sprach Hansi Müller stellvertretend für alle anderen. Dass der Heißluftballon, der vorm Anpfiff vom Rasen abhob, später zufällig auf der Anlage des Lokalrivalen Stuttgarter Kickers landete, passte ins Bild. Ohlicher trat um 21.16 Uhr von der Bühne ab. "Hermann, wir danken dir", sangen die Fans. Zuvor hatte er noch zwei Tore erzielt, je eines für die Mannschaft von 1973/74 und für die Meisterelf von 1984. Die siegte mit 6 : 4. Höhepunkt und Abschluss des Rahmenprogramms war eine Laser-Show mit Trompetensolo. Das gab's bis dahin noch nie bei einem Fußballspiel in Deutschland. "Ich wollte den Zuschauern etwas bieten", meinte Ohlicher. Dies war seine Maxime in der gesamten Laufbahn. Was er mit den Nettoeinnahmen von 50.000 Mark gemacht hat, wollte er nicht an die große Glocke hängen. "Ich habe es nicht nötig, mich in der Öffentlichkeit als großer Wohltäter hinzustellen", erklärte er bescheiden. Doch wer ihn kannte, wusste: Das Geld kam in die richtigen Hände. Nach seinem Karriereende legte Hermann Ohlicher eine zweijährige Fußballpause ein.
"Man stumpft geistig unheimlich ab, wenn man nur kickt", nennt er den Grund. Er stoppte diesen Abnutzungsprozess, indem er als selbständiger Ingenieur arbeitete und ein EDV-Programm entwickelte. Wenn auch Fußball für Ohlicher immer "erste Priorität" hatte, so war es "nie schlecht, ein zweites Standbein zu haben." So wurde er 1985 Teilhaber einer Stuttgarter Werbeagentur. Doch alte Liebe rostet nicht. Er kam einfach nicht los vom Fußball. 1986 kehrte er für vier Jahre zum VfB Stuttgart - als Lizensspieler-Obmann im Präsidium des schwäbischen Traditionsvereines. Ohlicher erinnert sich: "Ich war eine Art sportlicher Berater und als solcher nicht nur Ansprechpartner der Spieler, sondern auch der Presse." Doch es lief nicht so, wie er sich das vorstellte. Es tauchten Reibungspunkte mit Geschäftsführer Ulrich Schäfer auf. Der kam von der Verwaltungsseite, Ohlicher von der sportlichen. Aber alle wichtigen Sachen erledigte Schäfer im Alleingang. Die Aufgaben von Ohlicher beschränkten sich daher zum Beispiel auf das Bestellen von Hotelzimmern. Sein Einfluss war gering. Deshalb hörte er 1990 auch auf. Der Übergang ins normale Leben glückte ihm nahtlos. Seither arbeitet er als Direktor bei der Toto-Lotto-Bezirksdirektion Esslingen, Geislingen und Göppingen. Seine Popularität verhalf ihm auch zu einer kurzen politischen Karriere. Trug er früher beim VfB Stuttgart das Trikot mit der Nummer acht, ging er bei den baden-württembergischen Kommunalwahlen 1989 als Nummer fünf auf der CDU-Liste ins Rennen und wurde mit dem zweitbesten Ergebnis (15.601 Stimmen) der Esslinger CDU in den Gemeinderat der 96.000-Einwohner-Stadt gewählt. Dort saß er im Sport- und Schulausschuss. Er galt als junger Hoffnungsträger. Doch die Fraktionssitzungen fanden meist freitags statt. Zeitlich war dies mit seinem Beruf bei Toto-Lotto nur schwer unter einen Hut zu bringen.. Deshalb kandidierte er bei den nächsten Wahlen 1994 nicht mehr. So blieb ihm auch mehr Zeit für seine Familie und die Hobbys. Waren es früher Tennis, Angeln und Skifahren, so ist jetzt Golf seine große Leidenschaft. Mit der ihm eigenen Zähigkeit und unbändigem Willen hat er es, bis zu Handicap fünf gebracht. Ein tolles Niveau für einen Amateurspieler! Mit seinem Golffieber hat er fast die gesamte Familie angesteckt. Seine Ehefrau Erika (47) hat Handicap 28, Sohn Andreas (18) bringt es bereits auf zwölf Ohlichers Stammverein ist der Golfklub Hetzenhof bei Lorch in der Nähe von Göppingen. Oft spielt er gegen alte Bekannte aus früheren Fußballzeiten wie Ettmayer, Karl Allgöwer oder Kaiser Franz Beckenbauer. Gerne unternimmt er auch Fahrradausflüge mit der ganzen Familie, zu der noch Tochter Daniela (23) gehört. "Zwanzig Jahre lang war jedes Wochenende verplant", sagt er. "Ich habe einen mächtigen Nachholbedarf." Seine Gattin Erika (geb. Scherle) ist übrigens auch volksdeuscher Herkunft. Die Eltern der gelernten Einzelhandelskauffrau Eva und Rudolf stammen aus dem Buchenland (Bukowina) in Rumänien. Die Eheleute Ohlicher kennen sich von klein auf. "Es war eine Kindergartenliebe", verrät der Ex-VfB-Star. Nächstes Jahr feiern sie Silberhochzeit. "Ich genieße das Zusammensein mit der Familie und das Golfspielen", schwärmt Ohlicher. Aber auch das Reisen. So war er vor einiger Zeit auf Mauritius und Irland, jetzt geht's bald für drei Wochen nach Südafrika. "Ich will die Welt sehen", meint Ohlicher. Bleibt da auch noch Zeit für den VfB? "Dem bin ich freundschaftlich verbunden. Ich besitze zwar keine Dauerkarte, aber in Zeiten des Erfolges werde ich natürlich ständig auf den Verein angesprochen. Der Kontakt zu den ehemaligen Kollegen ist noch immer da. Und auch wenn ich Präsident Mayer-Vorfelder sehe, ist es wie früher", antwortet Ohlicher. Trotzdem geht er nur noch "ab und zu" ins Stadion. Obwohl der Weg für ihn nicht weit ist. Denn Hermann Ohlicher wohnt und arbeitet in Esslingen. Doch ganz los lässt ihn der Fußball immer noch nicht. Etwa viermal im Jahr spielt er mit den Stuttgarter Prominentenkickern im Loto-TottoTeam. Sogar in Rio war er schon mit ihnen. Dabei trifft er auf ehemalige Mitspieler, Gegner und Freunde wie die Förster-Brüder, Sigurvinsson, Bekkenbauer, Hans Tilkowski, Helmut Haller, Horst Köppel, Klaus-Dieter Sieloff, Guido Buchwald oder Ex-Kunstturn-Weltmeister Eberhard Gienger. Seit dem ersten Auftritt im Sommer 1985 in Besigheim waren 96 Spieler im Einsatz. 90.000 Zuschauer sahen ihre Auftritte, in denen 500 Tore fielen. Dreimal dürfen Sie raten, wer die meisten schoss. Ohlicher natürlich und zwar 67. In den 13 Jahren wurden eine Million Mark für gemeinnützige Organisationen und soziale Einrichtungen in Baden-Württemberg eingespielt. Ein Teil der Erlöse floss auch in die Jugendarbeit verschiedener Vereine. Ohlichers Sohn Andreas kickt ebenfalls. Doch in die Fußstapfen des Vaters ist er nicht getreten. "Er spielt nur in seiner Freizeit", sagt Ohlicher senior. Seine Mitspieler und Trainer aus früheren Zeit haben Hermann Ohlicher angenehm in Erinnerung .1 Wie sein ehemaliger Trainer Helmut Benthaus, mit dem er 1984 Deutscher Meister wurde. Der Ex-Nationalspieler über Ohlicher: "Er war ein Gewinnertyp, der mit Sicherheit alle Kräfte mobilisiert hat, um nicht zu verlieren. Er ging bis an die Grenze seiner Leistungsfähigkeit, um der Mannschaft zu dienen. Es freut mich, dass wir den sportlichen Höhepunkt mit der Deutschen Meisterschaft gemeinsam erreicht haben. Er war nie auf den Applaus des Publikums aus, sondern hat sein persönliches Interesse hinter das der Mannschaft gestellt." Mit Willi Entenmann ist auch ein anderer ehemaliger VfB-Coach voll des Lobes über Ohlicher: "Ich habe Hermann als Mitspieler und Co-Trainer erlebt. Grundlage seines Erfolges ist für mich die Kontinuität, mit der er seine Leistungen gebracht und seine Ziele angesteuert hat. So ist er zu einer herausragenden Spielerpersönlichkeit in der gesamten Bundesliga geworden." Aber auch ehemalige Mitspieler schätzen den früheren Kapitän. Wie der Ex-Torhüter Helmut Roleder: "Die Willenskraft und das Durchsetzungsvermögen, mit denen er seine persönlichen und sportlichen Ziele verfolgte, haben Hermann ausgezeichnet. Dass er sich dabei stets voll in den Dienst der Mannschaft stellte, hat ihn zu einer festen Größe im deutschen Fußball. gemacht." Abschließend hat der österreichische Ex-Nationalspieler Buffy Ettmayer das Wort. "Ich war schon zwei Jahre beim VfB, als der Hermann zu uns kam", erinnert sich der einstige Ballrastelli. "Er war ein junger Spund, der gleich beim ersten Spiel gewirbelt hat und drei Treffer markierte. Das Sportstudio holte ihn, es ist sofort rundgegangen mit ihm. Ein 500%er Profi, ein 'gscheiter' Profi, ganz anders als ich selbst. Ich war ein Schmähführer, der mit seiner Meinung nicht hinterm Berg hielt und dafür auch aneckte. Anders der Hermann. Er war anpassungsfähig im Profigeschäft. Streit mit Trainern und Präsidenten hat er clever vermieden. Sachlich und im Hinblick auf den Sport verbissen, hat er seinen Beruf sehr ernst genommen und ist dadurch weiter gekommen als viele andere. Im Fußball und auch im privaten Leben." Dem ist eigentlich nichts mehr hinzuzufügen. |