Jürgen
"Diver" KlinsmannD - * 30.07.1964
Erfolge als Spieler beim VfB Stuttgart
|
Weltmeisterschaft: |
1x Sieger |
1990 mit Deutschland |
|
Europameisterschaft: |
1x Sieger |
1996 mit Deutschland |
|
Europameisterschaft: |
1x 2. Platz |
1992 mit Deutschland |
|
UEFA-Cup: |
1x 2. Platz |
1988/1989 mit VfB Stuttgart |
|
DFB-Pokal: |
1x 2. Platz |
1985/1986 mit VfB Stuttgart |
Länderspiele während der Zeit beim VfB Stuttgart
|
Jahr |
Land |
Position |
Spiele |
Tore |
Karten |
|
1987 |
Deutschland |
|
2 |
0 |
— |
|
1988 |
Deutschland |
|
8 |
2 |
— |
|
1989 |
Deutschland |
|
4 |
1 |
— |
|
1990 |
Deutschland |
|
15 |
6 |
— |
|
1991 |
Deutschland |
|
4 |
0 |
— |
|
1992 |
Deutschland |
|
13 |
2 |
|
|
1993 |
Deutschland |
|
10 |
6 |
— |
|
1994 |
Deutschland |
|
14 |
11 |
|
|
1995 |
Deutschland |
|
9 |
6 |
|
|
1996 |
Deutschland |
|
14 |
7 |
|
|
1997 |
Deutschland |
|
7 |
2 |
— |
|
1998 |
Deutschland |
|
8 |
4 |
|
|
Summe |
|
|
108 |
47 |
|
Vereinskarriere beim VfB Stuttgart:
|
Liga |
Saison |
Verein |
Position |
Spiele |
Tore |
Karten |
|
Bundesliga |
1984/1985 |
VfB Stuttgart |
Angriff |
32 |
15 |
— |
|
Bundesliga |
1985/1986 |
VfB Stuttgart |
Angriff |
33 |
16 |
— |
|
Bundesliga |
1986/1987 |
VfB Stuttgart |
Angriff |
32 |
16 |
— |
|
Bundesliga |
1987/1988 |
VfB Stuttgart |
Angriff |
34 |
19 |
— |
|
Bundesliga |
1988/1989 |
VfB Stuttgart |
Angriff |
25 |
13 |
— |
Anmerkung: Gelbe Karten werden erst ab der Saison 2000/2001
angegeben.
DICKKOPF AUS BOTNANG
VON REINER SCHLOZ
Vor ein paar Jahren keimte im Neckarstadion neue
Hoffnung. Auf den Spruchbänder der Anhängerschaft stand: Jürgen, komm
nach Hause!" Der Versuch ist gescheitert. Er fühle sich sehr geehrt,
ließ Jürgen Klinsmann alle VfB-Fans wissen, aber er werde nicht nach
Stuttgart kehren.
Vielleicht
ist es besser so. Es hilft nichts, sich im Fußball an die Vergangenheit
zu klammern. Jürgen Klinsmann sucht immer das Neue, das Unbekannte, die
Herausforderung. Er hat alles gefunden. Inter Mailand - da konnte der
VfB im Sommer 1989 nicht mehr mithalten. Das fing beim Geld an und
endete mit Klinsmanns Eigenarten, die ihn 1988 zum "Fußballer des
Jahres" machten. 70 Prozent der kicker-Leser hatten für ihn gestimmt,
ein einmaliger Liebesbeweis. Gerhard Mayer-Vorfelder wusste, welchen
Sympathieträger er da im Team hatte. Der VfB-Präsident kämpfte wie ein
Löwe. Aber mit Jürgen Klinsmann war nicht mehr zu reden, schon gar nicht
über Geld. "Der Jürgen erzählt dauernd von der neuen Sprache, der neuen
Mentalität und dem neuen Land", mußte Mayer-Vorfelder einsehen, "den
kannst du nicht halten."
Schuld war im Grunde ein wunderschönes Tor. 70.000
Zuschauer saßen im November' 87 im Neckarstadion, als die Münchner
Bayern kamen. Und Jürgen Klinsmann hob ab. Er lag quer in der Luft, mit
dem Rücken zum Tor. Gegenspieler Hansi Pflügler konnte nur noch den Kopf
einziehen. Der Ball landete genau im Winkel. Tor des Jahres. Der
Treffer ging per Video um die Welt - und Klinsmann startete durch. Wie
ein Hasardeur stürmte er fortan in den Strafraum, in die Herzen der Fans
und wurde zum einzigen deutschen EM-Sieger 1988.
Im Mai desselben Jahres saß Signor Paolo Giuliani auf
der Haupttribüne des Münchner Olympiastadions. Bayern gegen den VfB,
Endstand 3:3. Der damalige Manager von Inter Mailand stand einen Tag
später vor der Haustür von Jürgen Klinsmann in Geislingen. Das war der
Anfang des italienischen Traumes, der im Jahr 1990 mit dem Gewinn der
Weltmeisterschaft in Rom seinen Höhepunkt erreichte.
Was für eine Karriere! Aber auch Jürgen Klinsmann hat
klein angefangen. Im Sommer '84 kam ein netter Junge von den Kickers auf
den Wasen. Ein Rohdiamant, der oft nicht wusste, wohin mit seiner Kraft,
unbeständig, unberechenbar. Er schoss mal fünf Tore gegen Düsseldorf und
dann wieder sieben Wochen keines. Er kam aus der Versenkung, um Kölns
Idol Toni Schumacher drei Dinger ins Netz zu setzen.
Aber der junge hatte was: dieses Lächeln, gesunden
Menschenverstand und einen Dickkopf. Wegen ein paar Toren wollte er sich
nicht ändern. Die Freunde in Geislingen blieben seine Bezugspersonen und
natürlich Karl Allgöwer. Klinsmann war der positive Typ, der im Urlaub
auch mal durch die USA trampte. Einer, der sich diebisch freuen konnte,
wenn er sein altes Käfer Cabrio durch den TÜV gemogelt hatte. Einer, der
mit 25 eben noch nicht, wie branchenüblich, Familienvater war. Er hatte
ein Herz für die Fans. So schlitterte er in die Rolle des Strahlemanns.
Klinsmann, Inbegriff eines sorgenfreien und erfolgreichen Lebens. Ein
netter junge, der Schwarm aller Schwiegermütter. Und keiner jubelte so
schön wie er.
Es
wurde ihm unheimlich. Verdammt noch mal, so chemisch rein war er doch
gar nicht. Er wollte Fehler machen dürfen. Sein Privatleben ging niemand
etwas an. Er wurde sauer, wenn seine Eltern in der Bäckerei in Botnang
mit hineingezogen wurden in die Geschichten, die über ihn geschrieben
wurden. Noch heute führt er aufrecht einen Kampf gegen die
Boulevardpresse. Er hat nichts gegen harte Arbeit, aber er braucht auch
Leben. Fußball ist nicht alles. Aber er ist ein Vollprofi, weil er die
Möglichkeiten nutzen will, die ihm der Fußball bietet." Solche Typen wie
den Jürgen", sagt Mayer-Vorfelder immer wehmütig, "gibt es viel zu
wenig." Der feine Unterschied? "Wenn zu mir ein Fußballer sagt", so der
VfB-Präsident, "er gehe auch wegen der Sprache nach Italien, empfehle
ich ihm einen Kurs an der Volkshochschule. Aber dem Jürgen, dem glaube
ich das."
Entsprechend war der Abschied am 10. Juni '89: Nach 155
Bundesligaspielen, 79 Toren und einem 2:1 -Sieg gegen Mönchengladbach
sagten die Fans schweren Herzens Servus. "Viel Glück, Jürgen" und "Viel
Spaß bei Inter" stand auf den Plakaten. jeder gönnte es ihm. Jürgen
winkte tapfer.
Mehr als drei Jahre sind vergangen. Klinsmann hat die Wohnung in
Geislingen noch, das alte Käfer-Cabrio, die alten Freunde und ein
Sportgeschäft dazu. In Cernobbio am Comer See hat er sich ein Haus mit
einem Türmchen gekauft. Es hat ihn nicht sesshaft gemacht. Inter ist
Vergangenheit. Nach einer schweren Saison und zähem Ringen zog Klinsmann
weiter Richtung Frankreich. Das alte Lied: eine neue Herausforderung,
eine neue Sprache. AS Monaco, an der Cote d´Azur. Auch ein schöner Fleck
zum Leben. Dann kam noch München und England!
Und der VfB? Jürgen wird nie vergessen, dass er hier groß geworden ist.
"Ich komme gern immer wieder zum VfB - auf einen Kaffee", sagt Jürgen
Klinsmann, "es ist ein verdammt gutes Gefühl, zu wissen, dass sich die
Leute freuen, wenn ich komme." Ein bisschen Sentimentalität gehört dazu.
Aber man soll es nicht übertreiben.
Hall of Fame: Jürgen Klinsmann (Stadion
Aktuell 07.05.2006)
Wacker
hat er eine riesige Last von Erwartungen auf sich genommen und die
Nationalmannschaft übernommen. Weltmeisterschaft in Deutschland und
„unser“ Jürgen ganz vorne in der Pflicht. Wie passt das zum Strahlemann
aus einstigen VfB-Tagen? Wer seine Laufbahn verfolgt hat, der weiß, dass
hinter dem charmanten Lächeln des sympathischen Fußballers aus dem Land
schon immer mehr steckte als locker-flockige Oberfläche. Und der weiß:
Jürgen Klinsmann hat sich immer durchgesetzt. Mit Leistung – und dafür
hat er auch mehr gegeben als andere. Er hatte, nach Geislingen und den
Stuttgarter Kickers die Höhen der Bundesliga beim VfB Stuttgart schon
erreicht und dennoch hat er zusätzlich mit einem Leichtathletiktrainer
an sich gefeilt, um seine Laufarbeit zu optimieren. Da war ein starker
Wille leitend, und der Wille war auch richtungsweisend, wenn die
Karriere stagnierte, wie 1985. Es ging danach weiter, weiter hinauf.
Nach 156 Bundesligaspielen und 79 Toren ging er nach fünf Jahren VfB
1989 nach Mailand, 1990 wurde er in Italien Weltmeister. Danach Monaco,
München, London, Genua. Und dazu noch Europameister in England 1996.
Erfolg auf höchster Ebene, dauerhafter Erfolg – das ist nur machbar,
wenn man der Mensch dazu ist: Keine Angst vor großen Herausforderungen,
kein Weg zu weit, keine Mühsal zu groß, keine Anstrengung zu viel und:
sich zu Hause fühlen auch in der Fremde - das sind stillschweigende
Voraussetzungen, die erfüllt sein müssen. Dann wird man vielleicht auch
mit Momenten belohnt, in denen das Menschsein durch Außergewöhnliches
bereichert wird. Wie damals am 14. November 1987. Gegen Bayern München.
Als 70.000 Zuschauer erleben durften, wie in solch einem mythischen
Moment Jürgen Klinsmann zum Star wurde. Gefühlvolle Maßarbeit von
Günther Schäfer kündigte das Ereignis an, als Ouvertüre senkte sich
seine Flanke zielsicher in den Strafraum, Jürgen Klinsmann nahm den Ball
aus der Luft, Fallrückzieher, und es stand 1:0. Die Bayern Pflügler und
Pfaff, ganz nah am Mann, konsterniert. Den Augenblick schildert das Buch
„Mythos VfB“ so: „Schwerelos war er, für die Kürze eines Moments, der
ihn auf unsichtbaren Schwingen zum Ruhm trug. Als trügen ihn die Stare,
die darauf, ihre Zeit bis zum letzten ausdehnend, gewartet hatten. An
diesem Novembertag. Um 15.48 Uhr. Noch am Tag, angestrahlt von der
Leuchtkraft künstlichen Lichts. Als die Sonne den Bäumen, den schütteren
Bäumen noch eine Frist gab, Frühlingsleuchten im November, den Bäumen,
die tausendfache federleichte Last ertrugen. Sonne und Scheinwerfer
hielten die Waage, ein doppeltes Licht, Natur und Kunst im Einklang, als
einer abhob und zum Star wurde...“ Die folgenden Wochen: Tor des Monats,
Tor des Jahres und Jürgen Klinsmann mit der Nationalmannschaft auf
großer Reise nach Südamerika. Jürgen Klinsmann hob ab, aber verlor nicht
den Boden unter den Füßen. Er ging zu den Fans, besuchte Menschen im
Gefängnis und Menschen in psychiatrischen Heilanstalten. Sicher, er war
interessant für die Werbung, aber er warb mit seinem Ansehen auch für
soziale Grenzgänger und Schwache. Sein Engagement für Kinder ist
beispielhaft. Und nun die Last der Erwartungen von ganz
Fußballdeutschland auf den Schultern. Statt ruhigen Lebens in
Kalifornien, Bundestrainer bei einer WM im eigenen Land. Ein Dasein in
totaler Öffentlichkeit. Wenn es einer schafft, dann Jürgen. |