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Magazin für Tradition, Mythos und Kultur
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  unabhängige Vereinspage über die Profimannschaft des VfB Stuttgart 1893 e.V.       11. Jahrgang

 
 
 


 
    
  Erfolge als Spieler beim VfB Stuttgart
 
Bundesliga 2x 6. Platz  1972/1973 mit VfB Stuttgart 
     
  Länderspiele während der Zeit beim VfB Stuttgart
   
     
  Vereinskarriere beim VfB Stuttgart:
 
 Liga   Saison   Verein   Position   Spiele   Tore   Karten 
 Bundesliga   1971/1972   VfB Stuttgart   Mittelfeld   24   8   — 
 Bundesliga   1972/1973   VfB Stuttgart   Mittelfeld   25   11   — 
 Bundesliga   1973/1974   VfB Stuttgart   Mittelfeld   33   12   — 
 Bundesliga   1974/1975   VfB Stuttgart   Mittelfeld   15   3   — 
     



Geschichte / Sonstiges

noch keine ....

DAS WIENER ORIGINAL

VON MARTIN HÄGELE

Wenn er sich heute vor Prominenten-Spielen umzieht, passiert es immer wieder, dass sich der Anpfiff verzögert. Denn Buffy Ettmayer braucht schon beim Umziehen Geselligkeit, das heißt Buffy muss erzählen. Und Buffy braucht Zeit. Denn meistens hängt beim ersten Versuch die Shorts zum modisch gestylten Trikot irgendwo zwischen Knie und Oberschenkel fest. Buffy flucht auch dann mal wieder auf die Sportkonfektion und zieht eine alte Adidas Hose aus seiner Sporttasche. Größe zehn, schätzungsweise Sonderanfertigung, so was gibt's heute in keinem Laden mehr.

Bevor er dann raus auf den Platz geht. schnappt er sich den Ball, den er mitgebracht hat. Da ist er eigen. Schließlich versteht er Fußball als Kunst - oder dirigierte etwa der- große Karajan mit einem Taktstock 70 aus Chromargahn?

Die Diva Ettmayer. Der Ball, besser der gehobene Umgang mit dem Ball, das Flair eines vollen Stadions und die Sprüche hinterher - das war seine Aura. Und als Maß aller fußballerischen Dinge für den Virtuosen erst mal Johannes Ettmayer aus Wien. Den weitaus größeren und für ihn und seine Anschauung bedrohlichen Rest der Fußballwelt siedelte der dreißigmalige österreichische Nationalspieler im Bereich der Kraftmeier, Leichtathleten und Zehnkämpfer an. Sein ganzes Leben lang hat er sich mit diesen Typen angelegt. Oft gewann er, genauso oft wurde er fertiggemacht. Auch Buffys Zeit beim VfB war Auf und Ab. Das Halbfinale im UEFA-Cup gehörte ebenso dazu wie der Bundesliga-Abstieg.

Über Buffy ließ sich glänzend streiten. Mal beschimpften sie den kleinen dicken Österreicher als Fettmayer, dann hätten sie ihm am liebsten ein Denkmal vors Neckarstadion gesetzt. Wie an jenem 23. Oktober 1974, Hermann Eppenhoffs Geburtstag und einem 6:1 über den Deutschen Meister Borussia Mönchengladbach.

Buffy weiß es noch wie heute: "Beim 5: 1 hab' ich erst dem Berti Vogts durch die Schnürsenkel gespielt, dann hab' ich noch drei Gladbacher vernascht und zum Schluss noch den Kleff. Beim sechsten Tor hab' ich die Kugel so volley getroffen, da hat sogar der Kleff applaudiert."

Solche Sternstunden entschädigten Buffy Ettmayer für all das, was ihm durch die Lappen gegangen ist. Hätte er wie ein normaler, ernährungsbewusster, stromlinienförmiger moderner Profi gelebt, Buffy stünde auf einer Stufe kurz hinter Pelé

Doch Buffy stand zu seinem Stil. Dem ist er bis heute treu geblieben. Das Original Ettmayer, die erste gelungene Kreuzung aus Wiener Schmäh und schwäbischem Bruddler.


Nachtrag von glmuc aus dem VfB-Forum:

Albert sing fand den Buffmeyer zu dick und sagte zu ihm:
"Sie habe ich auch schon schlanker gesehen."
Darauf Buffy: "Dös muaß an Schmalfüim gwesn sein."
Die Höhe der Strafe weiß man nicht mehr mehr; man kann ja mal den Buffy fragen.

(glmuc aus dem vfb-forum)


Buffy oder der Bauch ist rund

Johann Ettmayer war die größte VfB-Show - und ist es noch immer (06/97)

Als Buffv Ettmayer das letzte mal zuverlässig gewogen wurde, hat der Zeiger jenseits der Zweizentnermarke heftig zu vibrieren begonnen. "Schauns -, sagt der füllige Wiener und bringt uns sein Problem schonend bei, "i bin an Schlecker - in jeder Eisdiele hau ich mir 20 Kugeln rein."

Kirchheim/Teck am Fuß der Schwäbischen Alb. Wir kommen am Eiscafé vor dem Rathaus nur vorbei, weil Buffy sich ausnahmsweise zum Fasten zwingt. Angeblich hat neulich an seiner Waage erstmals die rote Warnlampe aufgeleuchtet: "Nicht in Gruppen betreten!"

"Man wird ned jünger", stöhnt Big Buffy und schüttelt den Kopf, "man wird ned schlanker." Trotzdem, schwören Zeugen, sei diesem strammen Mannsbild vor kurzem auf vielfachen Wunsch noch folgender Trick geglückt: Buffy kickte eine Münze hoch, schlenzte das Geldstück vorbei an seinem stattlichen Bauch - und es fiel ihm von oben in die Hemdtasche. Hexerei-

Johann Ettmaver, kurz: Buffy, konnte schon immer Dinge, die kein anderer kann, und deshalb ist er auch mit 50 noch voll beschäftigt: Während seine Susanna den Schreibwarenladen mit der Toto-Lotto-Annahmestelle führt, kurvt Buffy im SL quer durchs Ländle und zeigt seine Kunststückchen in Promi-Mannschaften. "Bloß geht die Kickerei mittlerweile halt a bissel aufs Knie", klagt der Neu-Schwabe - er hat zwar im "Zirkus Krohn" einst auch für den HSV den Rastelli gemacht, doch sein Klub ist der VfB. In Stuttgart kickt er montags immer mit Altstar Rolf Geiger und den Jungs vom Motorsportklub, dienstags mit den Prominentenkickern, er trainiert in Jugendcamps, aber vor allem macht er seine Benefizspiele mit der Toto-Lotto-Truppe, mit Tilkowski und Haller, Grabowski und Overath, auch Kaiser Franz war mal dabei. Doch die größte Show ist Buffy.

"Sepp Maier, Ente Lippens und ich - wir sind Viecher. Und die Leute wollen beim Fußball halt auch was zu lachen haben."

Buffy, der alte (Schla-)Wiener mit seinem Schmäh: Er kann geradezu angeschnitten plaudern und zaubern - so einer findet überall seine Manege. Im Winter bei den Hallenturnieren muss er als Jongleur und tricksender Entertainer von den anderen ablenken, die sich beim Grätschen Verbrennungen holen. Als er in der Schleyerhalle beim letzten Mal fehlte, litt die "Stuttgarter Zeitung" geradezu körperlich: "Keine Show, kein Buffy, wir sind entsetzt. Ist er womöglich verhindert, auf Schrotkur in Oberstaufen, oder geschwächt von seiner letzten Diät-"

50 Jahre, 100 Kilo, an Buffy ist neuerdings alles rund, und seine Trikots lässt er sich mittlerweile angeblich aus Fallschirmen schneidern. Abkochen- Abtrainieren- Rennen- "I bin ka Läächtathlet, i bin Fußboller", hat er schon in den siebziger Jahren gesagt, als ihn der VfB aus Wien holte. Und von nix kommt nun mal nix - vor allem nicht diese Gewaltschüsse, mit denen er uns nach wie vor von den Stühlen reißt. "Buffyyy!", rufen alle, wenn es Freistoß gibt. Gemessenen Schrittes nähert sich der Wiener dann dem Schiedsrichter und zeigt ihm den Waffenschein. Er schüttelt kurz das linke Bein aus, das im nächsten Moment die Form einer Abschussrampe annimmt, und anschließend gibt der Lautsprecher den neuen Spielstand bekannt.

So war's immer. Der VfB hat mal beim FC Bayern gespielt, und an der Mittellinie legte sich Buffy den Ball hin. "Mauer!", rief Bulle Roth. "Seid's deppert-", lachte Sepp Maier im Tor, "das sind 50 Meter." Buffv schoß. Pfosten. Darauf Roth zu Maier: "Und jetzt, du Blinder-"

Auf besonderen Wunsch schießt Buffv auch mal einen Eckball mit der Hacke vors Tor - sogar noch mit Bauch. Er ist ein Star mit Gewicht, und er staunt oft über sich selbst, weil die Österreicher den Rucksack normalerweise nicht vorne tragen - dafür kann er, was die meisten Schlanken nie lernen: Sich den Ball mit dem linken gegen den rechten Fuß schießen, dass er als Querschläger unter die Latte fliegt.

Akrobat schööön. Ballgefühl ist halt alles. Mit seiner Toto-LottoTruppe, die wie die Harlem Globetrotters durchs Land tourt, hat Buffy in 55 Benefizspielen für gute Zwecke schon 850000 Mark zusammengekickt - die Altstars sind eine Attraktion, von Sigurvinsson bis Hansi Müller. Ettmayer: "In den siebziger Jahren ist der beste Fußball gespielt worden. Pele, Rivera, Eusebio - das gibt's nicht mehr." Ihre Nostalgiespiele bestreiten sie standesgemäß im gelben Trikot der Brasilianer. Und Buffy geht mit Vorliebe in die Knie und stoppt die Kugel mit dem Popo - oder er steht plötzlich auf dem Ball und salutiert, daß vor Lachen das Publikum platzt und anschließend das Ventil. Zwei Zentner. Dabei schwört er, daß er sich jeden Morgen nur eine Butterbrezel zum Kaffee gönnt.

Was ist dann schuld - außer den 20 Eiskugeln- "Ich randaliere halt zu oft am Kühlschrank", sagt Buffy. Aber er wird selbst dann noch ein Ballzauberer sein, wenn man ihn vollends auf den Platz rollen muss.


Für Albert Sing war Buffy Ettmayer ein Dorn im Auge. „Du elender Siach", hat er ihn einmal beschimpft. „Dabei habe ich immer nur nach dem Sinn seiner seltsamen Trainingsmethoden gefragt, was andere einfach hingenommen haben", wehrt sich Buffy noch heute.

Der VfB war im Trainingslager Besenfeld im Schwarzwald. Sing nach dem Frühstück: „Jetzt gange mr' schbachtla." Schbachtla? Buffy dachte ans Essen: „Es kann doch nicht sein, dass wir schon wieder essen gehen." Aber die Trainingseinheit „Schbachtla" war anders: Sing öffnete den Kofferraum seines weißen Mercedes 200 und holte 20 Taschenmesser heraus. Jeder musste sich im Wald ein Hölzchen suchen und zuspitzen. Die einen warfen es dann so, dass es im Boden stecken blieb. Die anderen mussten mit ihrem Wurf versuchen, es wieder rauszuhauen.

Schlitzohrige Frage von Kapitän Ettmayer: „Aber Trainer, es ist schon so, dass wir am Samstag Fußball spielen?" Sing gesäuert: „Du musch immer opponiere." Am nächsten Tag goss es in Strömen. Sing vermaß ein Volleyballfeld und es wurde über eine Schnur gepritscht, gebaggert und geschmettert. Buffy demonstrierte verstärktes Desinteresse.

Sing: „Wenn du koi Luscht hasch, gasch nei." Buffy ging und erinnert sich: „Dann hat er MV angerufen und sich beschwert, ich würde das Training boykottieren."


Der Dicke und die Schmalfilmkamera

Vor dem Bundesligaspiel 1974 gegen den HSV logierte der VfB im Esso-Motor-Hotel in Sindelfingen. Wie immer am Vorabend schrieb Albert Sing die Aufstellung an die Tafel. Ettmayer war nicht dabei.

Buffy: „Trainer, warum spiele ich nicht?"
Sing: „I han di im Fernsehen g'seha. Du bisch zu dick."
Buffy: „Die müssen mich mit einer Schmalfilmkamera aufgenommen haben."

Dafür gab's 1000 Mark Strafe. Begründung: „Der Spieler Ettmayer hat die Autorität des Trainers untergraben." Der VfB verlor ohne Ettmayer 1:2 und im A-Block sangen sie: Wir wollen unsern Buffy wieder haben'. Und Buffy dirigierte dazu von der Haupttribüne aus.

Zwei Wochen später war er wieder dabei. Stuttgart gewann 2:0 gegen Köln, beide Tore Ettmayer. Schon nach dem ersten rannte er zur Bank und rief: Trainer, zählt das Tor?'
Sing: „Ja, natürlich, warum net?"
Ettmayer: „Weil ich's geschossen habe, der Dicke."

Als er nach dem zweiten Tor wieder in Richtung Trainer loslaufen wollte, hielten ihn die Mitspieler .






 



     
   
     
   
     
   
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