Arthur Boka hat den Rhythmus im Blut Stadion Aktuell 06/2006 Als beim letzten Heimspiel im Gottlieb-Daimler- Stadion gegen Schalke 04 der Schlusspfiff erfolgte und sich die VfB-Spieler bei den Fans für die tolle Unterstützung bedankten, fiel ein Spieler besonders auf: Arthur Boka. Die Nummer 15 des VfB hüpfte und tanzte, als ob die Deutsche Meisterschaft bereits unter Dach und Fach sei. „Es war einfach unglaublich“, schwärmt Arthur noch heute, „wir haben so gefeiert, wie wir das nach Siegen bei unserer Nationalmannschaft auch immer machen und deswegen war ich überglücklich“. Dass der 23-Jährige nach nur zwei Monaten in Stuttgart bereits voll angekommen ist bestätigt er: „Ich habe das Gefühl, als ob ich hier schon seit langem lebe und fühle mich richtig heimisch.“ Auch von den momentan winterlichen Temperaturen lässt sich der Ivorer nicht mehr abschrecken, denn durch seine Gastspiele in Frankreich und Belgien hat er sich an die Kälte gewöhnt.  „Leider sind hier im Winter die Straßen ab dem frühen Abend fast menschenleer. In Afrika hingegen fängt zu dieser Zeit der Tag erst richtig an“, erzählt Arthur ein wenig sehnsüchtig. Überhaupt erkennt man beim Linksfuß das Leuchten in den Augen wenn er von seiner Heimat, der Elfenbeinküste, berichtet. In der über 3,5 Mio. großen Stadt Abidjan, am Golf von Guinea gelegen, leben heute noch seine Eltern sowie einige seiner sieben Geschwister. In den dortigen Straßen lernte Arthur die ersten fußballerischen Tricks und verrät, dass er sehr lange nicht als Abwehrspieler, sondern als Stürmer seine Stärken hatte. „Ich war technisch sehr gut und immer der Schnellste, das hat für die meisten Gegner gereicht“, lächelt Arthur. Trotz aller fußballerischer Klasse war es seinem Vater wichtig, dass er auch in der Schule Leistung bringt. Doch nachdem der Ivorer 1995 in eine Art Fußballschule in Abidjan kam und sich mit 500 anderen Nachwuchskickern in Konkurrenz befand, sah auch sein Vater ein, dass der Fußball Priorität haben musste. Woche für Woche, Monat für Monat zerplatzten in dieser Fußballschule die Träume von Nachwuchskickern, bis schließlich noch acht Spieler übrig blieben, unter Ihnen Arthur, der mit eisernem Willen das Ziel verfolgte, Profifußballer zu werden. „Nachdem ich immer wieder großartige Fußballspiele im Fernsehen gesehen habe wusste ich, dass es genau das war, was ich auch erreichen wollte, und dass ich es auch schaffen könnte“, erinnert sich der 1,66 m kleine Abwehspieler. Über internationale Turniere mit seiner damaligen Fußballschule, wo er mehrmals als bester Spieler ausgezeichnet wurde, weckte er die Aufmerksamkeit europäischer Spielbeobachter und im Alter von 19 Jahren ging es von Afrika nach Europa, genauer gesagt zum belgischen Verein KSK Beveren. „Ich habe mich riesig gefreut nach Europa zu wechseln, doch als ich dann im Flieger saß kam schon ein wenig Wehmut auf, denn zum ersten mal weg von der Familie und die Ungewissheit, was einen dort in einem fremden Land erwarten würde, das war nicht einfach für mich“. Der größte Unterschied für den 26-fachen Auswahlspieler der Elfenbeinküste lag vor allem in bürokratischen Dingen und dem gemeinschaftlichen Leben. „In meiner Heimatstadt kennt fast jeder jeden und die Familien halten dementsprechend zusammen. In Belgien kannte ich damals nicht einmal meinen Nachbarn“, blickt Arthur . In dieser Zeit gaben ihm vor allem seine Eltern, die ihn immer unterstützen, jedoch leider wegen Flugangst selten eines der Spiele ihres Sohnes außerhalb Afrikas sehen, Kraft. „Sie verfolgen auch heute noch wenn möglich alle meine Spiele im Fernsehen und natürlich sind sie stolz auf ihren kleinen Arthur!“ Wenn es die Zeit zulässt, dann besucht Arthur seine Familie in der Heimat und dann „tanzen wir bis es wieder hell wird, denn wir Afrikaner haben Rhythmus im Blut“, freut sich Arthur schon wieder auf den nächsten Urlaub. Doch der Hobbykoch hat noch weitere Pläne für die Zeit in Abidjan. Einer davon ist die Errichtung eines Zentrums für hilfsbedürftige Kinder, welches sein Vater für ihn stellvertretend leiten wird. Warum Arthur das macht? „Ich weiß wo ich herkomme und was diese Kinder brauchen, das unterstütze ich gerne“, sagt er. Wenn es um Ziele für die kommenden Wochen geht gibt sich der privat eher schüchterne und ruhige Ivorer bescheiden: „Ganz einfach, ich möchte sobald wie möglich Spätzle und Maultaschen probieren“, und vielleicht freut sich Arthur danach dann genauso, wie er es nach den VfB-Siegen macht. |