Stürmer Bökle macht das Tor zum Endspiel auf 1935: Halbfinale VfB – VfL Benrath in Leipzig. 15.000 Zuschauer schenken mit zunehmender Spieldauer dem VfB ihre Sympathien. Wechselnde Spielstände. 0:1 Lenzki (Benrath), 1:1 Rutz, 2:1 Lehmann, 3:1 Bökle, 3:2 Rasselnberg (Benrath, Elfmeter), 4:2 Bökle. Die Vorentscheidung, das 3:2 durch Bökle: Bökle erhält den Ball im Mittelfeld, tritt unwiderstehlich an, lässt mehrere Gegenspieler stehen, dringt mit großer Wucht in den Strafraum der Rheinländer ein, legt sich, noch immer nicht zu stoppen, den Ball in schnellem Lauf vor und haut das Leder, der Torhüter ist völlig chancenlos, ins linke Toreck. Eine tolle Einzelleistung, wie sie Bökle in den Gruppenspielen zur Deutschen Meisterschaft, zum richtigen Zeitpunkt in Topform gekommen, wiederholt zeigte. 
Otto Bökle – Legende der Ära des Aufstiegs aus Stadion Aktuell 2010/11 14 Als er zum VfB kam, da war sein Heimatstädtchen gerade ein Stuttgarter Stadtteil geworden, so dass er eigentlich innerhalb der Stadt wechselte, der Zuffenhäusener Otto Bökle. Beim VfB schätzte man sich glücklich, den 20-jährigen Angreifer für sich gewonnen zu haben. Er war den Spähern des VfB in den Ligaspielen aufgefallen, und da Zuffenhausen 1931/32 aus der Bezirksliga Württemberg absteigen musste, bot sich Bökle in Cannstatt eine Perspektive. Otto Bökle, 1932 einziger Zugang von außen, reihte sich problemlos ein in die VfB-Elf, eine schon traditionelle Mischung aus eigenem Nachwuchs und erfahrenen Akteuren, ganz wie es die Politik des Vereins vorsah. Man erreichte den dritten Platz, eine gute Einstimmung auf das Jahr des 40-jährigen Vereinsjubiläums. Bökle zeigte sich durchsetzungsfähig und torgefährlich. Abseits der politischen Einschnitte des Jahres 1933 zog der Fußball große Aufmerksamkeit auf sich. Der VfB erwies sich in diesem Spieljahr nicht nur in der Liga, sondern vor allem im Pokal als starker Konkurrent. Von Januar bis Mitte April absolvierte die von Willy Rutz trainierte Elf zwölf Pokalspiele und besiegte im Endspiel um den Süddeutschen Pokal den FC Schweinfurt mit 2:1. Für den VfB der erste überregionale Erfolg! Otto Bökle mittendrin, als Halbstürmer brachte er über links Ideen ins Spiel und auch an Toren ließ er es nicht fehlen. Zwei Jahre später hatte Bökle großen Anteil an der Württembergischen Meisterschaft des VfB: mit den meisten Spieleinsätzen belegte er hinter Willy Rutz zusätzlich Platz zwei in der internen Torschützenliste. Auch in den anschließenden Gruppenspielen zur Deutschen Meisterschaft zeigte sich Bökle hellwach und traf wiederholt in das gegnerische Tor. Der VfB-Mannschaft schien 1935 keine Aufgabe zu groß. Man wuchs von Spiel zu Spiel, begutachtet und gelobt von der großen Fußballwelt – schließlich standen die Männer mit dem roten Brustring im Endspiel gegen den großen FC Schalke 04. Man weiß, die „Viktoria“ ging nach Schalke, nach einem 4:6, Bökle aber hatte seinem Spitznamen „Dr Gfährlich“ alle Ehre gemacht und den Ball zweimal ins Gehäuse von Meisterkeeper Mellage gesetzt. Drei Jahre war es mit dem Jungen aus Zuffenhausen immer aufwärts gegangen. Obwohl erst 23, war er einer der erfahrenen im Dress des VfB. Zum mannschaftlichen Höhepunkt kam noch der persönliche: Reichtrainer Otto Nerz stellte Bökle in sein Team gegen Lettland (3:0), es war allerdings der einzige Einsatz in der Nationalmannschaft. Es folgten Spielzeiten mit anhaltendem Erfolg für den VfB: Dritter der Deutschen Meisterschaft 1937 und Württembergischer Meister 1937 und 1938. Otto Bökle war immer dabei. Die Spielergeneration der 1930er Jahre etablierte den VfB auf nationaler Ebene. Doch es kam der Krieg und bremste die Entwicklung. Immerhin, auch in diesen Jahren rollte beim VfB der Ball, es gab bei aller äußerer Bedrängnis und innerer Not Gelegenheit zu einem bescheide- nen Spielverkehr mit bemerkenswerten Siegen, wie beispielsweise das 6:2 über die Kickers in der Meisterschaftsrunde im März 1943. So war Otto Bökle auch einer der Spieler, die dem VfB in schlimmer Zeit sportliche Kontinuität ermöglichten. Der Jahrgang 1912 gehörte nicht zu denen, die als erste an die Front mussten. Er überstand den Krieg und war auch beim Start der Süddeutschen Oberliga, die im November 1945 den Spielbetrieb aufnahm, mit von der Partie. Und der VfB setzte sogleich ein Ausrufezeichen: Süddeutscher Meister 1945/46. Eine Deutsche Meisterschaft durfte noch nicht wieder ausgetragen werden. Otto Bökle spielte bis zum Ende der Saison 1948/49. Der ganz große Triumph von 1950 blieb ihm so verwehrt. 17 Jahre war er für den Verein ununterbrochen erstklassig am Ball und blieb ihm auch danach treu. |