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Magazin für Tradition, Mythos und Kultur
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  unabhängige Vereinspage über die Profimannschaft des VfB Stuttgart 1893 e.V.      11. Jahrgang

 
 
 


 
 
 
 
  
 Erfolge als Spieler beim VfB Stuttgart
 
UEFA-Cup: 1x 2. Platz 1988/1989 mit VfB Stuttgart
DFB-Pokal: 1x 2. Platz 1985/1986 mit VfB Stuttgart
Bundesliga1x Meister 1983/1984 mit VfB Stuttgart
Bundesliga2x 3. Platz 1980/1981 und 1982/1983 mit VfB Stuttgart
   
 Länderspiele während der Zeit beim VfB Stuttgart
 
 Jahr  Land  Position  Spiele  Tore  Karten 
 1980  Deutschland  Mittelfeld  1  0  — 
 1981  Deutschland  Mittelfeld  4  0  — 
 1982  Deutschland  Mittelfeld  1  0  — 
 1985  Deutschland  Mittelfeld  2  0  — 
 1986  Deutschland  Mittelfeld  2  0  — 
 Summe      10  0  — 
   
 Vereinskarriere beim VfB Stuttgart:
 
 Liga  Saison  Verein  Position  Spiele  Tore  Karten 
 Bundesliga  1980/1981  VfB Stuttgart  Angriff  32  10  — 
 Bundesliga  1981/1982  VfB Stuttgart  Mittelfeld  31  3  — 
 Bundesliga  1982/1983  VfB Stuttgart  Mittelfeld  33  21  — 
 Bundesliga  1983/1984  VfB Stuttgart  Mittelfeld  29  12  — 
 Bundesliga  1984/1985  VfB Stuttgart  Mittelfeld  32  19  — 
 Bundesliga  1985/1986  VfB Stuttgart  Mittelfeld  33  21  — 
 Bundesliga  1986/1987  VfB Stuttgart  Mittelfeld  21  10  — 
 Bundesliga  1987/1988  VfB Stuttgart  Mittelfeld  31  9  — 
 Bundesliga  1988/1989  VfB Stuttgart  Abwehr  32  12  — 
 Bundesliga  1989/1990  VfB Stuttgart  Abwehr  32  4  — 
 Bundesliga  1990/1991  VfB Stuttgart  Abwehr  32  8  — 
 Summe        338  129  — 
   



Geschichte / Sonstiges

KARL, DER KANTIGE
VON OSCAR BECK

Karl Allgöwer ist ein hundsmiserabler Hellseher. Als er im Sommer 1991 seine Schussstiefel an den berühmt-berüchtigten Nagel an der Wand hängte, verband er seinen Abgang mit dem Satz: "Wenn der VfB Erfolg hat, bin ich schnell vergessen."

Der VfB hatte Erfolg - er wurde danach Deutscher Meister. Trotzdem: Auf dem Cannstatter Wasen wissen nach wie vor alle, wer Allgöwer war. D´r Wasa-Karle.

Damals, als er aufgehört hat, war das eine kleine Beerdigung. Abschiednehmen ist immer auch ein Stück Tod. Oje VfB, stöhnten viele: Künftig, ohne den Karle, würden die Freistöße garantiert nicht mehr als Scharfschüsse aufs gegnerische Tor fliegen, sondern als schlappe Flanken, denen man eine Heiße Rote mit Senf mitgeben muss, damit sie unterwegs nicht verhungern.

"Kaaaarle!"

So hat sich der VfB-Anhang einjahrzehnt lang zu Wort gemeldet, wenn´s irgendwo im vorderen Mittelfeld Freistoß gab. Gemessenen Schrittes näherte sich der Gewünschte sogleich aus der Tiefe des Raumes dem Ort des Geschehens und zeigte dem Schiedsrichter seinen Waffenschein. Dann schüttelte er kurz mal das rechte Bein aus, das im nächsten Moment, in gestrecktem Zustand, die Form einer Panzerfaust annahm. Anschließend gab der Stadionsprecher den neuen Spielstand bekannt, mit einem Hinweis für Außenstehende und Augenkranke: "Das war Knallgöwer."

"Sag mal", hat ihn mal Gaudino bei einem Spiel gegen Gladbach 35 Meter vor dem Kasten entgeistert gefragt, "willst du etwa aufs Tor schießen?" Allgöwers Antwort: Er knallt dem Torwart Kamps die Kugel mal rasch durch die Beine.

Elf Jahre Allgöwer. "Vergoldet diesem Mann die Beine!", hat die Bild Zeitung einst verlangt. Keine üble Idee, denn der Gelobte hat für den VfB auf der großen Ballbühne in tragenden Rollen Triumphe gefeiert, als Wildschütz und Ballermann. 333 Bundesliga-Einsätze, 127 Tore. Er war Nationalspieler, deutscher Meister, nur eines wollte er niemals sein: everybody's darling.

Auf Deutsch: jedermanns Dackel. Einfach war er nie. Als Karl der Kantige hatte er das Brandmal des Aufsässigen in der Stirn.

"Allgöwer denkt negativ", schimpfte schon Jürgen Sundermann, sein erster Trainer beim VfB.

"Ein Querulant brummte später Coach Coordes.

"Bruddelmäßig könnte er Walter Schultheiß junior sein", ergänzte ein Lokalblatt.

Allgöwer, der Rebell. Der Eigenbrötler. Der widerborstige Querschädel. Das war sein eckiges Etikett. Vielleicht hat er es deshalb nur auf zehn Länderspiele gebracht - weil er auch vor Jupp Derwall und Kaiser Franz die Hand nicht rund um die Uhr an die Hosennaht legte. Schon in jungen Jahren war er aus der Kirche ausgetreten, weil er den Missbrauch der Kirchensteuer nicht mitfinanzieren wollte. Und was er dachte, das sagte er immer direkt. Dass er zum Beispiel gegen die CDU sei, oder gegen Pershings, Apartheid und Umweltzerstörung - damit ihm das jeder glaubte, ließ er sich sogar auf einer Müllkippe ablichten.

Karl der Kritische.

In Fachkreisen kursiert eine hübsche Geschichte. Bei der WM '86 in Mexiko war Allgöwer mal mit Karl-Heinz Förster im Auto unterwegs. Plötzlich kam ihnen, zu Fuß, ihr scharfer Kritiker, Paul Breitner, entgegen - und Chauffeur Förster hätte den einsamen Tramper wohl einsteigen lassen. „Fahr weiter", sagte Allgöwer, und Pechvogel Paul sah nur noch die Rücklichter. Mit finsterer Miene stand er im mexikanischen Staub der Landstraße.

Ja, der Profi Allgöwer war immer ein streitbarer Geist, und er hat sich das Leben dadurch nicht leichter gemacht. Den Torwart Illgner brachte er für ein Foul vor den Kadi. Seinem Ex-Trainer Coordes legte er mal therapeutisch nahe: "Es bringt nichts, wenn Sie lügen." Auch Arie Haan weiß Bescheid: Er holte sich, als er aus erzieherischen Gründen das Alb-Duo Allgöwer/Klinsmann im VfB-Quartier trennen wollte ("der Jürgen muss seine Persönlichkeit unbeeinflusst entfalten"), an der Wand eine Beule. "Mit mir", ist Karl der Grantige mal ins Grundsätzliche gegangen, "macht keiner den Bären." Don Carlos. Oft genug hat Gerhard Mayer-Vorfelder in der Tasche die konservative Faust geballt und mit Schiller ins Kissen geweint: Der Knabe Karl fängt an, mir fürchterlich

zu werden. In der Not hat der Präsident seinen unbequemen Kicker mal als einen um jede Mark feilschenden

"Salon-Sozialisten" analysiert und in die Journalisten-Ecke gefragt: "Warum nimmt den Karl mit seinen granatenmäßigen Widersprüchen denn keiner auseinander?" Tröstlich für den VfB-Boß: Sein Linksdenker blieb wenigstens bis zum Ende ein Rechtsfüßler auf dieser Basis sind sie sogar fast noch Freunde fürs Leben geworden. Karl der Große. Weil die Stelle des

VfB-Managers bei seinem Abgang schon besetzt war, ist er Verkaufsleiter eines Textil-Unternehmens geworden. Nebenher weist er als Vorstandsmitglied der "Vereinigung der Vertragsspieler" junge Bundesliga-Kicker auf ihre Rechte hin - so ist er dem Fußball doch noch erhalten geblieben. Gut so. Denn die Typen sterben aus.


Karl Allgöwer entführt
Do 13 Jul, 11:01 Uhr

München - "Bring mich hier raus. Ich habe jemanden ermordet. Die Polizei sucht mich."

Drei kurze Sätze, die klingen wie aus einem schlechten Film.

Für Karl Allgöwer, den ehemaligen Nationalspieler des VfB Stuttgart, waren sie in der Nacht zum vergangenen Donnerstag allerdings die blanke Realität.

Gegen 21 Uhr stieg der 49-Jährige in einer Stuttgarter Tiefgarage in seinen Mercedes E-Klasse, um nach Hause ins benachbarte Göppingen zu fahren - wenige Sekunden später hörte er jene drei Sätze.

Pistole im Rückspiegel

"Ich saß gerade am Steuer, da stieg hinten rechts ein Mann ein. Im Rückspiegel sah ich eine Pistole", berichtete der noch immer geschockte Allgöwer der "Bild".

Der Kidnapper hatte vermutlich hinter einer Säule in der Tiefgarage auf ein beliebiges Opfer gewartet - und in dem Ex-Bundesliga-Profi gefunden: "Er war an Fußball überhaupt nicht interessiert", erinnert sich der Vize-Weltmeister von 1986.

"Ich hatte wahnsinnige Angst"

Mit vorgehaltener Waffe fordert der Täter seine Geisel auf, ihn aus der Stadt zu fahren. Allgöwer leistete keinen Widerstand: "Ich hatte wahnsinnige Angst, dass er mich erschießt".

Nach einer mehrstündigen Irrfahrt rund um Stuttgart zwingt ihn sein Entführer schließlich, auf einem Parkplatz anzuhalten.

Er nimmt sich 150 Euro in bar und die EC-Karte aus Allgöwers Brieftasche und fesselt ihn mit Kabelbindern an den Handgelenken.

"Habe versucht, ihn auf meine Seite zu ziehen"

"Ich habe versucht, den Täter auf meine Seite zu ziehen, habe mit ihm gesprochen, ihm gesagt, dass ich einen Arzt brauche", beschreibt "Knallgöwer" die folgenden Minuten.

Gegen Mitternacht hat er damit Erfolg: Der Kidnapper bindet ihn los und lässt ihn in die Stadt fahren. Allgöwer alarmiert anschließend sofort die Polizei und beschreibt den Täter.

Kidnapper bereits in U-Haft

Nur wenig später wird der auch tatsächlich gefasst: Ein 19-jähriger Deutscher pakistanischer Abstammung - dessen Motiv bislang noch im Dunklen liegt. Er sitzt inzwischen in Untersuchungs-Haft.

Karl Allgöwer ist letztlich mit dem Schrecken davon gekommen - der Schock allerdings sitzt tief: "Ich bin total am Ende, muss das alles erst mal verarbeiten."


«Wasen-Karle» Allgöwer wird 50
Fr 05 Jan, 09:37 Uhr

Stuttgart  - Es war gut für den deutschen Fußball und besonders den VfB Stuttgart, dass Karl Allgöwer vor 32 Jahren nicht auf seinen Arzt gehört hat. Sonst könnte er an seinem 50. Geburtstag am 5. Januar nicht auf eine großartige Karriere blicken.

Karl AllgöwerDer hoch veranlagte «Wasen-Karle» mit dem strammen Schuss ist der Rekordspieler des VfB: Für die Schwaben, mit denen er 1984 deutscher Meister wurde, kam er in elf Jahren auf 338 Bundesliga-Einsätze und schoss dabei 129 Tore - so viel wie kein anderer im Trikot mit dem roten Brustring.

Es tut ihm allerdings weh, dass der Verein seinen langjährigen Kapitän nach dem Karriereende 1991 nie mit in die Verantwortung eingebunden hat. «Der VfB hat bis jetzt großzügig einen Bogen um mich gemacht. Das stimmt mich traurig», sagt Allgöwer. «Doch ich bin heute noch mit dem Herzen dabei.»

Dabei hatte sein Orthopäde, als Allgöwer 18 Jahre alt war, eine angeborene Fehlstellung der rechten Hüfte festgestellt und dem Talent vom Hochleistungssport abgeraten. Doch Allgöwer schlug den Hinweis in den Wind und spielte weiter. Über den SC Geislingen und den damaligen Zweitligisten Stuttgarter Kickers landete er 1980 auf dem Cannstatter Wasen beim VfB und blieb dort bis zum Abschluss seiner Laufbahn.

Als Spieler der «Roten» war er ein Universal-Genie. Er konnte ein Spiel lesen und fand als offensiver Mittelfeldspieler immer einen Weg, sich der Manndeckung des Gegners zu entziehen. Er war schnell und hatte eine ausgefeilte Schusstechnik. Doch zwei Eigenschaften zeichneten «Karl den Kantigen» besonders aus: sein Dickkopf und seine Gewaltschüsse, die ihm in der Boulevardpresse den Spitznamen «Knallgöwer» einbrachten. Zu seiner Zeit galt der Freistoß-Spezialist als härtester Schütze in der Bundesliga.

Doch Allgöwer war auch ein streitbarer Geist und hat sich das Leben damit nicht immer leicht gemacht. «Mit mir macht keiner den Bären», war seine Devise. Mit dem früheren VfB-Präsidenten Gerhard Mayer-Vorfelder lag er wegen unterschiedlicher parteipolitischer Gesinnungen und ungleicher personalpolitischer Auffassungen wiederholt im Clinch, weshalb sich der gereizte MV einmal zu der Aussage hinreißen ließ: «Könnten wir ihn ins Ausland verkaufen, würde ich ihn höchstpersönlich mit der Schubkarre zur Grenze fahren.» Dabei habe er «nur darum gekämpft, dass der VfB immer international spielt», versichert Allgöwer.

Seinen Lebensunterhalt verdient der Vater eines 22-jährigen Sohnes heute als selbstständiger Kaufmann. Für Unternehmen betreut er Kunden bei Ereignissen wie der Fußball-Weltmeisterschaft. Außerdem ist er Handelsvertreter für eine Heilsalbe. Die ehemaligen Fußball-Kollegen trifft der Ehemann einer Lehrerin bei den Heimspielen des VfB im Stuttgarter Daimlerstadion oder beim gemeinsamen Hobby: Golf spielen.

Vorerst muss «Karl der Große» aber noch eine Ruhepause einlegen. Denn am Ende hat sein Arzt Recht behalten: Die Hüfte war der Dauerbelastung in der Bundesliga nicht gewachsen und musste kürzlich operativ erneuert werden. «Ich war noch mal Profi», sagte Allgöwer über das stressige Zehn-Stunden-Programm bei der Reha in Bad Wiessee.


ALLGÖWER VS. MAYER-VORFELDER 1985
Kalter Krieg in Stuttgart
Der mündige Profi war beim VfB Stuttgart Mitte der Achtziger nicht gefragt. Präsident Gerhard Mayer-Vorfelder maßregelte Karl Allgöwer, weil der sich für die Friedensbewegung einsetzte. Im Magazin "11 FREUNDE" erinnert sich Allgöwer an den Disput mit seinem Boss.

Es waren bewegte Zeiten, diese Achtziger. Auch wir Fußballer konnten uns den politischen Ereignissen der Zeit nur schwer entziehen. Wie auch? Aufrüstung, Kernkraft, Kalter Krieg - das waren Probleme, mit denen wir auch in Mitteleuropa unmittelbar konfrontiert wurden.

Als ich gefragt wurde, ob ich bereit sei, mich für die Initiative "Sportler für den Frieden" zu engagieren, musste ich nicht lange überlegen. Was ist schließlich wichtiger als ein friedliches Zusammenleben der Menschen? Zumal in meiner unmittelbaren Nachbarschaft, im 30 Kilometer von Geislingen entfernten Mutlangen, ab August 1983 Pershing-II-Raketen stationiert wurden.

Ich nahm fortan also von Zeit zu Zeit an regionalen Protestaktionen gegen Nachrüstung teil: Und hätten wir am 22. Oktober 1983 mit dem VfB Stuttgart nicht im Neckarstadion gegen den FC Bayern spielen müssen - ich hätte mich bestimmt in die über 200.000 Demonstranten eingereiht, die zwischen Stuttgart und Neu-Ulm eine Menschenkette bildeten. Nicht zuletzt deshalb, weil die Auftaktkundgebung zu dieser Aktion zufällig in meiner Heimatstadt Geislingen stattfand.

Während zuhause also die Massen für den Frieden demonstrierten, gewann ich mit dem VfB 1:0 gegen die Bayern. Na klar, ich war Profi und das Spiel gegen die Bayern naturgemäß eines der wichtigsten in der Saison. Als ich jedoch erwähnte, dass ich - wäre die Demo auf einen anderen Tag gefallen - ganz sicher in der Menschenkette gestanden hätte, legten einige Reporter es so aus, als wäre mir Protest wichtiger als Fußball.

Der Präsident des VfB, Gerhard Mayer-Vorfelder, war davon natürlich nicht begeistert. Aber was ich in meiner Freizeit machte, ging niemanden etwas an. Das änderte sich jedoch an einem Tag im April 1985. Als "Sportler für den Frieden" machten wir uns gerade gegen das SDI-Programm stark, den von US-Präsident Ronald Reagan angeordneten Aufbau eines Abwehrschirms gegen Interkontinentalraketen ("Strategic Defense Initiative").

Kanzler Helmut Kohl hatte die Zustimmung der Bundesregierung zu dem US-Programm bekanntgegeben und damit die Stationierung von Waffensystemen im Weltall gebilligt. Unseren Hoffnungen auf Abrüstung wurde damit ein erneuter Schlag versetzt. Also riefen wir zu einer Unterschriftenaktion auf.

Eines Tages hängte ich auch in der VfB-Kabine am schwarzen Brett eine Liste auf, falls sich Mitspieler an dem Protest beteiligen wollten. Ich habe mir nichts dabei gedacht, habe auch keinen Kollegen beeinflusst oder großartig für die Angelegenheit geworben. Ich wollte nur die Chance nicht ungenutzt lassen. Die Resonanz war eher schwach. Viele haben es gar nicht zur Kenntnis genommen, einige hatten keine Lust, ihren Namen dafür herzugeben.

Am Ende haben außer mir nur Jürgen Klinsmann und Reiner Zietsch unterschrieben. Na und? Besser drei Unterschriften für den Frieden als gar keine. Als aber der Präsident von der Aktion Wind bekam, muss er ziemlich sauer gewesen sein.

Mein Engagement für den Frieden habe ich danach völlig auf die Freizeit begrenzt - und es gab bis zum Ende meiner Karriere auch keine Klagen mehr. Die Ironie der Geschichte: Ein Jahr nach meinem Abschied warb im Vorfeld der Landtagswahl in Baden-Württemberg 1992 plötzlich ein Teil der VfB-Mannschaft - Spieler wie Matthias Sammer oder Eike Immel - für die CDU. Also für die Regierungspartei, deren Finanzminister zufällig Gerhard Mayer-Vorfelder hieß.

Aha, keine Politik in der Kabine, dachte ich. Wäre ich da noch aktiv gewesen, hätte ich da garantiert nicht mit gemacht. Auch wenn der Kalte Krieg schon längst zu Ende war.

Protokoll: Tim Jürgens



Karl Allgöwer: Kunst und Kraft
aus Stadion Aktuell 2010/11 6


Nimmt man die äußeren Daten, dann kann man daran den Verlauf der Karriere eines Spielers ablesen. Bei Karl Allgöwer scheint die Laufbahn viele Jahre nur bergan gegangen zu sein. Von den Anfängen in Altenstadt, über Geislingen nach Degerloch, und von da hinunter auf den Wasen. Das „Hinunter“ war aber nur topografisch zu sehen, denn in Cannstatt erst kam das Talent des Karl Allgöwer zur vollen Blüte. Und dort blieb er auch am längsten: nach den zwei Jahren beim SC Geislingen, den dreien bei den „Blauen“, folgten ab 1980 elf im weiß-roten Dress. Er führte damit zeitlich die Trias der berühmten Wechsel von den Kickers zum VfB in den achtziger Jahren an. Ihm folgten später Guido Buchwald und Jürgen Klinsmann. Über ein Jahrzehnt gab Karl Allgöwer der VfB-Mannschaft ein besonderes Profil. Dabei brachte er es auf 338 Bundesligaspiele und schoss 129 Tore, wurde Deutscher Meister 1984, Vizeweltmeister 1986, UEFA-Pokalfinalist 1989. 1986 stand er im DFB-Pokalfinale in Berlin. Zehn Länderspiele hat er für Deutschland absolviert. Warum nicht mehr, könnte man fragen – und hier scheint der Punkt zu sein, an dem die äußeren Daten mit ihrem Latein am Ende sind, weil sie nichts erklären – der Punkt, an dem zu den Daten die Hintergründe treten müssen, um die Karriere eines Fußballers wirklich zu erfassen. Hintergründe, wie sie beispielsweise die Presse anbietet. So konnte man einst viel über den Zwist zwischen dem Präsidenten und seinem Meisterspieler lesen. Auch das Wort von der Schubkarre, mit der „MV“ ihn zur Grenze brächte, wenn er ins Ausland ginge. Die Schubkarre wurde nie gebraucht. Oder: wie schwierig sich die Vertragsverhandlungen mit dem Spieler gestalteten. Wie eigenwillig er sei. Wie stur. Und wie politisch: für die Umwelt, gegen die Hoch-Rüstung, und dann auch noch aktiv als Interessenvertreter der Bundesligaprofis. Vielleicht war er für den DFB nicht angepasst genug, um seiner Länderspielbilanz größere Zahlen zu bescheren. Das sind nicht wenige Geschichten, die von Karl Allgöwer handeln. Und das sind noch lange nicht alle. Zahlreich die Geschichten „auf dem Platz“, die davon erzählen, wie er mit sagenhaften Toren Spiele herumriss und Spiele entschied.

Davon, wie kämpferisch er auf dem Feld signalisierte, dem Publikum, der eigenen Mannschaft um ihn herum und vor allem dem Gegner, wie hoch die Trauben im Neckarstadion hängen. Darüber wurde er zum „Knallgöwer“, und das nicht nur deshalb, weil sich der Name dafür so gut eignet. Man muss die heutige Generation dafür bedauern, dass sie diese Tore, diese Distanzschüsse, diese Einschläge nach „ruhenden“ Bällen nicht miterlebt hat. Das war Kunst und Kraft im produktiven Einklang. Es gibt nur wenige Spieler, die den „Mythos VfB“ mit ihren Geschichten so angereichert haben, wie Karl Allgöwer. Und sie belegen, dass auch in ausgebufften professionellen Verhältnissen und nicht nur in sagenumwobenen dunklen Anfängen der Mythos lebt. Mit einem Übernamen für den Publikumsliebling gaben sich die VfB-Anhänger nicht zufrieden, und man sollte dem gesunden Gespür der Menschen für treffende Ausdrücke Respekt zollen. Wenn sie ihr sportliches Idol zum „Wasenkarle“ machten, dann mag vieles mitschwingen, auf alle Fälle aber auch die innere Nähe zum Verein, ohne die man nicht elf Jahre bleiben kann. Karl Allgöwer steht hier in einer Reihe mit Robert Schlienz, Rolf Blessing und Erich Retter, die ihn gewiss aufgenommen hätten in ihre glorreiche Mannschaft. Damals, als man noch auf Vereinstreue setzte. Wahrscheinlich versteht man diesen „Querkopf“ von der Alb erst dann wirklich, wenn man sich an die Vorstellungen hält, die über unseren Menschenschlag kursieren. Der Schwabe ist nun einmal nicht einfach gestrickt, musste immer sparsam wirtschaften und viel erfinden, um sich zu behaupten in seiner kargen Welt – und um Großes zu leisten. Dass dann hie und da Querdenker heranwachsen, ist doch nicht zu bemängeln, eher schon typisch. Typisch von hier.











   
  
   
   
  
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