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Erfolge als Spieler beim
VfB Stuttgart |
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UEFA-Cup: |
1x 2. Platz |
1988/1989 mit VfB Stuttgart |
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DFB-Pokal: |
1x 2. Platz |
1985/1986 mit VfB Stuttgart |
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Bundesliga: |
1x Meister |
1983/1984 mit VfB Stuttgart |
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Bundesliga: |
2x 3. Platz |
1980/1981 und 1982/1983 mit VfB Stuttgart |
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Länderspiele während der Zeit beim VfB Stuttgart |
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Jahr |
Land |
Position |
Spiele |
Tore |
Karten |
|
1980 |
Deutschland |
Mittelfeld |
1 |
0 |
— |
|
1981 |
Deutschland |
Mittelfeld |
4 |
0 |
— |
|
1982 |
Deutschland |
Mittelfeld |
1 |
0 |
— |
|
1985 |
Deutschland |
Mittelfeld |
2 |
0 |
— |
|
1986 |
Deutschland |
Mittelfeld |
2 |
0 |
— |
|
Summe |
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10 |
0 |
— |
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Vereinskarriere beim VfB
Stuttgart: |
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Liga |
Saison |
Verein |
Position |
Spiele |
Tore |
Karten |
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Bundesliga |
1980/1981 |
VfB Stuttgart |
Angriff |
32 |
10 |
— |
|
Bundesliga |
1981/1982 |
VfB Stuttgart |
Mittelfeld |
31 |
3 |
— |
|
Bundesliga |
1982/1983 |
VfB Stuttgart |
Mittelfeld |
33 |
21 |
— |
|
Bundesliga |
1983/1984 |
VfB Stuttgart |
Mittelfeld |
29 |
12 |
— |
|
Bundesliga |
1984/1985 |
VfB Stuttgart |
Mittelfeld |
32 |
19 |
— |
|
Bundesliga |
1985/1986 |
VfB Stuttgart |
Mittelfeld |
33 |
21 |
— |
|
Bundesliga |
1986/1987 |
VfB Stuttgart |
Mittelfeld |
21 |
10 |
— |
|
Bundesliga |
1987/1988 |
VfB Stuttgart |
Mittelfeld |
31 |
9 |
— |
|
Bundesliga |
1988/1989 |
VfB Stuttgart |
Abwehr |
32 |
12 |
— |
|
Bundesliga |
1989/1990 |
VfB Stuttgart |
Abwehr |
32 |
4 |
— |
|
Bundesliga |
1990/1991 |
VfB Stuttgart |
Abwehr |
32 |
8 |
— |
|
Summe |
|
|
|
338 |
129 |
— |
|
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Geschichte / Sonstiges
KARL, DER KANTIGE
VON OSCAR BECK
Karl
Allgöwer ist ein hundsmiserabler Hellseher. Als er im Sommer 1991 seine
Schussstiefel an den berühmt-berüchtigten Nagel an der Wand hängte,
verband er seinen Abgang mit dem Satz: "Wenn der VfB Erfolg hat, bin ich
schnell vergessen."
Der VfB hatte Erfolg - er wurde danach Deutscher
Meister. Trotzdem: Auf dem Cannstatter Wasen wissen nach wie vor alle,
wer Allgöwer war. D´r Wasa-Karle.
Damals, als er aufgehört hat, war das eine kleine
Beerdigung. Abschiednehmen ist immer auch ein Stück Tod. Oje VfB,
stöhnten viele: Künftig, ohne den Karle, würden die Freistöße garantiert
nicht mehr als Scharfschüsse aufs gegnerische Tor fliegen, sondern als
schlappe Flanken, denen man eine Heiße Rote mit Senf mitgeben muss,
damit sie unterwegs nicht verhungern.
"Kaaaarle!"
So hat sich der VfB-Anhang einjahrzehnt lang zu Wort
gemeldet, wenn´s irgendwo im vorderen Mittelfeld Freistoß gab.
Gemessenen Schrittes näherte sich der Gewünschte sogleich aus der Tiefe
des Raumes dem Ort des Geschehens und zeigte dem Schiedsrichter seinen
Waffenschein. Dann schüttelte er kurz mal das rechte Bein aus, das im
nächsten Moment, in gestrecktem Zustand, die Form einer Panzerfaust
annahm. Anschließend gab der Stadionsprecher den neuen Spielstand
bekannt, mit einem Hinweis für Außenstehende und Augenkranke: "Das war
Knallgöwer."
"Sag mal", hat ihn mal Gaudino bei einem Spiel gegen
Gladbach 35 Meter vor dem Kasten entgeistert gefragt, "willst du etwa
aufs Tor schießen?" Allgöwers Antwort: Er knallt dem Torwart Kamps die
Kugel mal rasch durch die Beine.
Elf Jahre Allgöwer. "Vergoldet diesem Mann die
Beine!", hat die Bild Zeitung einst verlangt. Keine üble Idee, denn der
Gelobte hat für den VfB auf der großen Ballbühne in tragenden Rollen
Triumphe gefeiert, als Wildschütz und Ballermann. 333
Bundesliga-Einsätze, 127 Tore. Er war Nationalspieler, deutscher
Meister, nur eines wollte er niemals sein: everybody's darling.
Auf Deutsch: jedermanns Dackel. Einfach war er nie.
Als Karl der Kantige hatte er das Brandmal des Aufsässigen in der Stirn.
"Allgöwer
denkt negativ", schimpfte schon Jürgen Sundermann, sein erster Trainer
beim VfB.
"Ein Querulant brummte später Coach Coordes.
"Bruddelmäßig könnte er Walter Schultheiß junior
sein", ergänzte ein Lokalblatt.
Allgöwer, der Rebell. Der Eigenbrötler. Der
widerborstige Querschädel. Das war sein eckiges Etikett. Vielleicht hat
er es deshalb nur auf zehn Länderspiele gebracht - weil er auch vor Jupp
Derwall und Kaiser Franz die Hand nicht rund um die Uhr an die Hosennaht
legte. Schon in jungen Jahren war er aus der Kirche ausgetreten, weil er
den Missbrauch der Kirchensteuer nicht mitfinanzieren wollte. Und was er
dachte, das sagte er immer direkt. Dass er zum Beispiel gegen die CDU
sei, oder gegen Pershings, Apartheid und Umweltzerstörung - damit ihm
das jeder glaubte, ließ er sich sogar auf einer Müllkippe ablichten.
Karl der Kritische.
In Fachkreisen kursiert eine hübsche
Geschichte. Bei der WM '86 in Mexiko war Allgöwer mal mit Karl-Heinz Förster im
Auto unterwegs. Plötzlich kam ihnen, zu Fuß, ihr scharfer Kritiker, Paul
Breitner, entgegen - und Chauffeur Förster hätte den einsamen Tramper wohl
einsteigen lassen. „Fahr weiter", sagte Allgöwer, und Pechvogel Paul sah nur
noch die Rücklichter. Mit finsterer Miene stand er im mexikanischen Staub der
Landstraße.
Ja,
der Profi Allgöwer war immer ein streitbarer Geist, und er hat sich das
Leben dadurch nicht leichter gemacht. Den Torwart Illgner brachte er für
ein Foul vor den Kadi. Seinem Ex-Trainer Coordes legte er mal
therapeutisch nahe: "Es bringt nichts, wenn Sie lügen." Auch Arie Haan
weiß Bescheid: Er holte sich, als er aus erzieherischen Gründen das
Alb-Duo Allgöwer/Klinsmann im VfB-Quartier trennen wollte ("der Jürgen
muss seine Persönlichkeit unbeeinflusst entfalten"), an der Wand eine
Beule. "Mit mir", ist Karl der Grantige mal ins Grundsätzliche gegangen,
"macht keiner den Bären." Don Carlos. Oft genug hat Gerhard
Mayer-Vorfelder in der Tasche die konservative Faust geballt und mit
Schiller ins Kissen geweint: Der Knabe Karl fängt an, mir fürchterlich
zu werden. In der Not hat der Präsident seinen
unbequemen Kicker mal als einen um jede Mark feilschenden
"Salon-Sozialisten"
analysiert und in die Journalisten-Ecke gefragt: "Warum nimmt den Karl mit
seinen granatenmäßigen Widersprüchen denn keiner auseinander?" Tröstlich für den
VfB-Boß: Sein Linksdenker blieb wenigstens bis zum Ende ein Rechtsfüßler auf
dieser Basis sind sie sogar fast noch Freunde fürs Leben geworden. Karl der
Große. Weil die Stelle des
VfB-Managers bei seinem Abgang schon besetzt war, ist er Verkaufsleiter
eines Textil-Unternehmens geworden. Nebenher weist er als
Vorstandsmitglied der "Vereinigung der Vertragsspieler" junge
Bundesliga-Kicker auf ihre Rechte hin - so ist er dem Fußball doch noch
erhalten geblieben. Gut so. Denn die Typen sterben aus.
Karl Allgöwer entführt
Do 13 Jul, 11:01 Uhr
München - "Bring mich hier raus. Ich habe jemanden ermordet. Die Polizei
sucht mich."
Drei kurze Sätze, die klingen wie aus einem schlechten Film.
Für Karl Allgöwer, den ehemaligen Nationalspieler des VfB Stuttgart,
waren sie in der Nacht zum vergangenen Donnerstag allerdings die blanke
Realität.
Gegen 21 Uhr stieg der 49-Jährige in einer Stuttgarter Tiefgarage in
seinen Mercedes E-Klasse, um nach Hause ins benachbarte Göppingen zu fahren -
wenige Sekunden später hörte er jene drei Sätze.
Pistole im Rückspiegel
"Ich saß gerade am Steuer, da stieg hinten rechts ein Mann ein. Im
Rückspiegel sah ich eine Pistole", berichtete der noch immer geschockte Allgöwer
der "Bild".
Der Kidnapper hatte vermutlich hinter einer Säule in der Tiefgarage auf
ein beliebiges Opfer gewartet - und in dem Ex-Bundesliga-Profi gefunden: "Er war
an Fußball überhaupt nicht interessiert", erinnert sich der Vize-Weltmeister von
1986.
"Ich hatte wahnsinnige Angst"
Mit vorgehaltener Waffe fordert der Täter seine Geisel auf, ihn aus der
Stadt zu fahren. Allgöwer leistete keinen Widerstand: "Ich hatte wahnsinnige
Angst, dass er mich erschießt".
Nach einer mehrstündigen Irrfahrt rund um Stuttgart zwingt ihn sein
Entführer schließlich, auf einem Parkplatz anzuhalten.
Er nimmt sich 150 Euro in bar und die EC-Karte aus Allgöwers Brieftasche
und fesselt ihn mit Kabelbindern an den Handgelenken.
"Habe versucht, ihn auf meine Seite zu ziehen"
"Ich habe versucht, den Täter auf meine Seite zu ziehen, habe mit ihm
gesprochen, ihm gesagt, dass ich einen Arzt brauche", beschreibt "Knallgöwer"
die folgenden Minuten.
Gegen Mitternacht hat er damit Erfolg: Der Kidnapper bindet ihn los und
lässt ihn in die Stadt fahren. Allgöwer alarmiert anschließend sofort die
Polizei und beschreibt den Täter.
Kidnapper bereits in U-Haft
Nur wenig später wird der auch tatsächlich gefasst: Ein 19-jähriger
Deutscher pakistanischer Abstammung - dessen Motiv bislang noch im Dunklen
liegt. Er sitzt inzwischen in Untersuchungs-Haft.
Karl Allgöwer ist letztlich mit dem Schrecken davon gekommen - der
Schock allerdings sitzt tief: "Ich bin total am Ende, muss das alles erst mal
verarbeiten."
«Wasen-Karle» Allgöwer wird 50
Fr 05 Jan, 09:37 Uhr
Stuttgart - Es war gut für den deutschen Fußball und besonders den VfB
Stuttgart, dass Karl Allgöwer vor 32 Jahren nicht auf seinen Arzt gehört hat.
Sonst könnte er an seinem 50. Geburtstag am 5. Januar nicht auf eine großartige
Karriere blicken.
Der
hoch veranlagte «Wasen-Karle» mit dem strammen Schuss ist der Rekordspieler des
VfB: Für die Schwaben, mit denen er 1984 deutscher Meister wurde, kam er in elf
Jahren auf 338 Bundesliga-Einsätze und schoss dabei 129 Tore - so viel wie kein
anderer im Trikot mit dem roten Brustring.
Es tut ihm allerdings weh, dass der Verein seinen langjährigen Kapitän nach dem
Karriereende 1991 nie mit in die Verantwortung eingebunden hat. «Der VfB hat bis
jetzt großzügig einen Bogen um mich gemacht. Das stimmt mich traurig», sagt
Allgöwer. «Doch ich bin heute noch mit dem Herzen dabei.»
Dabei hatte sein Orthopäde, als Allgöwer 18 Jahre alt war, eine angeborene
Fehlstellung der rechten Hüfte festgestellt und dem Talent vom
Hochleistungssport abgeraten. Doch Allgöwer schlug den Hinweis in den Wind und
spielte weiter. Über den SC Geislingen und den damaligen Zweitligisten
Stuttgarter Kickers landete er 1980 auf dem Cannstatter Wasen beim VfB und blieb
dort bis zum Abschluss seiner Laufbahn.
Als Spieler der «Roten» war er ein Universal-Genie. Er konnte ein Spiel lesen
und fand als offensiver Mittelfeldspieler immer einen Weg, sich der Manndeckung
des Gegners zu entziehen. Er war schnell und hatte eine ausgefeilte
Schusstechnik. Doch zwei Eigenschaften zeichneten «Karl den Kantigen» besonders
aus: sein Dickkopf und seine Gewaltschüsse, die ihm in der Boulevardpresse den
Spitznamen «Knallgöwer» einbrachten. Zu seiner Zeit galt der Freistoß-Spezialist
als härtester Schütze in der Bundesliga.
Doch Allgöwer war auch ein streitbarer Geist und hat sich das Leben damit nicht
immer leicht gemacht. «Mit mir macht keiner den Bären», war seine Devise. Mit
dem früheren VfB-Präsidenten Gerhard Mayer-Vorfelder lag er wegen
unterschiedlicher parteipolitischer Gesinnungen und ungleicher
personalpolitischer Auffassungen wiederholt im Clinch, weshalb sich der gereizte
MV einmal zu der Aussage hinreißen ließ: «Könnten wir ihn ins Ausland verkaufen,
würde ich ihn höchstpersönlich mit der Schubkarre zur Grenze fahren.» Dabei habe
er «nur darum gekämpft, dass der VfB immer international spielt», versichert
Allgöwer.
Seinen Lebensunterhalt verdient der Vater eines 22-jährigen Sohnes heute als
selbstständiger Kaufmann. Für Unternehmen betreut er Kunden bei Ereignissen wie
der Fußball-Weltmeisterschaft. Außerdem ist er Handelsvertreter für eine
Heilsalbe. Die ehemaligen Fußball-Kollegen trifft der Ehemann einer Lehrerin bei
den Heimspielen des VfB im Stuttgarter Daimlerstadion oder beim gemeinsamen
Hobby: Golf spielen.
Vorerst muss «Karl der Große» aber noch eine Ruhepause einlegen. Denn am Ende
hat sein Arzt Recht behalten: Die Hüfte war der Dauerbelastung in der Bundesliga
nicht gewachsen und musste kürzlich operativ erneuert werden. «Ich war noch mal
Profi», sagte Allgöwer über das stressige Zehn-Stunden-Programm bei der Reha in
Bad Wiessee.
ALLGÖWER VS. MAYER-VORFELDER 1985
Kalter Krieg in Stuttgart
Der mündige Profi war beim VfB Stuttgart Mitte
der Achtziger nicht gefragt. Präsident Gerhard
Mayer-Vorfelder maßregelte Karl Allgöwer, weil
der sich für die Friedensbewegung einsetzte. Im
Magazin "11 FREUNDE" erinnert sich Allgöwer an
den Disput mit seinem Boss.
Es waren bewegte Zeiten, diese Achtziger.
Auch wir Fußballer konnten uns den politischen
Ereignissen der Zeit nur schwer entziehen. Wie
auch? Aufrüstung, Kernkraft, Kalter Krieg - das
waren Probleme, mit denen wir auch in
Mitteleuropa unmittelbar konfrontiert wurden.
Als ich gefragt wurde, ob ich bereit sei,
mich für die Initiative "Sportler für den
Frieden" zu engagieren, musste ich nicht lange
überlegen. Was ist schließlich wichtiger als ein
friedliches Zusammenleben der Menschen? Zumal in
meiner unmittelbaren Nachbarschaft, im 30
Kilometer von Geislingen entfernten Mutlangen,
ab August 1983 Pershing-II-Raketen stationiert
wurden.
Ich nahm fortan also von Zeit zu Zeit an
regionalen Protestaktionen gegen Nachrüstung
teil: Und hätten wir am 22. Oktober 1983 mit dem
VfB Stuttgart nicht im Neckarstadion gegen den
FC Bayern spielen müssen - ich hätte mich
bestimmt in die über 200.000 Demonstranten
eingereiht, die zwischen Stuttgart und Neu-Ulm
eine Menschenkette bildeten. Nicht zuletzt
deshalb, weil die Auftaktkundgebung zu dieser
Aktion zufällig in meiner Heimatstadt Geislingen
stattfand.
Während zuhause also die Massen für den
Frieden demonstrierten, gewann ich mit dem VfB
1:0 gegen die Bayern. Na klar, ich war Profi und
das Spiel gegen die Bayern naturgemäß eines der
wichtigsten in der Saison. Als ich jedoch
erwähnte, dass ich - wäre die Demo auf einen
anderen Tag gefallen - ganz sicher in der
Menschenkette gestanden hätte, legten einige
Reporter es so aus, als wäre mir Protest
wichtiger als Fußball.
Der Präsident des VfB, Gerhard
Mayer-Vorfelder, war davon natürlich nicht
begeistert. Aber was ich in meiner Freizeit
machte, ging niemanden etwas an. Das änderte
sich jedoch an einem Tag im April 1985. Als
"Sportler für den Frieden" machten wir uns
gerade gegen das SDI-Programm stark, den von
US-Präsident Ronald Reagan angeordneten Aufbau
eines Abwehrschirms gegen
Interkontinentalraketen ("Strategic Defense
Initiative").
Kanzler Helmut Kohl hatte die Zustimmung der
Bundesregierung zu dem US-Programm
bekanntgegeben und damit die Stationierung von
Waffensystemen im Weltall gebilligt. Unseren
Hoffnungen auf Abrüstung wurde damit ein
erneuter Schlag versetzt. Also riefen wir zu
einer Unterschriftenaktion auf.
Eines Tages hängte ich auch in der VfB-Kabine am
schwarzen Brett eine Liste auf, falls sich
Mitspieler an dem Protest beteiligen wollten.
Ich habe mir nichts dabei gedacht, habe auch
keinen Kollegen beeinflusst oder großartig für
die Angelegenheit geworben. Ich wollte nur die
Chance nicht ungenutzt lassen. Die Resonanz war
eher schwach. Viele haben es gar nicht zur
Kenntnis genommen, einige hatten keine Lust,
ihren Namen dafür herzugeben.
Am Ende haben außer mir nur Jürgen Klinsmann
und Reiner Zietsch unterschrieben. Na und?
Besser drei Unterschriften für den Frieden als
gar keine. Als aber der Präsident von der Aktion
Wind bekam, muss er ziemlich sauer gewesen sein.
Mein Engagement für den Frieden habe ich
danach völlig auf die Freizeit begrenzt - und es
gab bis zum Ende meiner Karriere auch keine
Klagen mehr. Die Ironie der Geschichte: Ein Jahr
nach meinem Abschied warb im Vorfeld der
Landtagswahl in Baden-Württemberg 1992 plötzlich
ein Teil der VfB-Mannschaft - Spieler wie
Matthias Sammer oder Eike Immel - für die CDU.
Also für die Regierungspartei, deren
Finanzminister zufällig Gerhard Mayer-Vorfelder
hieß.
Aha, keine Politik in der Kabine, dachte ich.
Wäre ich da noch aktiv gewesen, hätte ich da
garantiert nicht mit gemacht. Auch wenn der
Kalte Krieg schon längst zu Ende war.
Protokoll: Tim Jürgens
Karl Allgöwer: Kunst und Kraft
aus Stadion Aktuell 2010/11 6
Nimmt man die äußeren Daten, dann kann man daran
den Verlauf der Karriere eines Spielers ablesen.
Bei Karl Allgöwer scheint die Laufbahn viele
Jahre nur bergan gegangen zu sein. Von den
Anfängen in Altenstadt, über Geislingen nach
Degerloch, und von da hinunter auf den Wasen.
Das „Hinunter“ war aber nur topografisch zu
sehen, denn in Cannstatt erst kam das Talent des
Karl Allgöwer zur vollen Blüte. Und dort blieb
er auch am längsten: nach den zwei Jahren beim
SC Geislingen, den dreien bei den „Blauen“,
folgten ab 1980 elf im weiß-roten Dress. Er
führte damit zeitlich die Trias der berühmten
Wechsel von den Kickers zum VfB in den achtziger
Jahren an. Ihm
folgten
später Guido Buchwald und Jürgen Klinsmann. Über
ein Jahrzehnt gab Karl Allgöwer der
VfB-Mannschaft ein besonderes Profil. Dabei
brachte er es auf 338 Bundesligaspiele und
schoss 129 Tore, wurde Deutscher Meister 1984,
Vizeweltmeister 1986, UEFA-Pokalfinalist 1989.
1986 stand er im DFB-Pokalfinale in Berlin. Zehn
Länderspiele hat er für Deutschland absolviert.
Warum nicht mehr, könnte man fragen – und hier
scheint der Punkt zu sein, an dem die äußeren
Daten mit ihrem Latein am Ende sind, weil sie
nichts erklären – der Punkt, an dem zu den Daten
die Hintergründe treten müssen, um die Karriere
eines Fußballers wirklich zu erfassen.
Hintergründe, wie sie beispielsweise die Presse
anbietet. So konnte man einst viel über den
Zwist zwischen dem Präsidenten und seinem
Meisterspieler lesen. Auch das Wort von der
Schubkarre, mit der „MV“ ihn zur Grenze brächte,
wenn er ins Ausland ginge. Die Schubkarre wurde
nie gebraucht. Oder: wie schwierig sich die
Vertragsverhandlungen mit dem Spieler
gestalteten. Wie eigenwillig er sei. Wie stur.
Und wie politisch: für die Umwelt, gegen die
Hoch-Rüstung, und dann auch noch aktiv als
Interessenvertreter der Bundesligaprofis.
Vielleicht war er für den DFB nicht angepasst
genug, um seiner Länderspielbilanz größere
Zahlen zu bescheren. Das sind nicht wenige
Geschichten, die von Karl Allgöwer handeln. Und
das sind noch lange nicht alle. Zahlreich die
Geschichten „auf dem Platz“, die davon erzählen,
wie er mit sagenhaften Toren Spiele herumriss
und Spiele entschied.
Davon, wie kämpferisch er auf dem Feld
signalisierte, dem Publikum, der eigenen
Mannschaft um ihn herum und vor allem dem
Gegner, wie hoch die Trauben im Neckarstadion
hängen. Darüber wurde er zum „Knallgöwer“, und
das nicht nur deshalb, weil sich der Name dafür
so gut eignet. Man muss die heutige Generation
dafür bedauern, dass sie diese Tore, diese
Distanzschüsse, diese Einschläge nach „ruhenden“
Bällen nicht miterlebt hat. Das war Kunst und
Kraft im produktiven Einklang. Es gibt nur
wenige Spieler, die den „Mythos VfB“ mit ihren
Geschichten so angereichert haben, wie Karl
Allgöwer. Und sie belegen, dass auch in
ausgebufften professionellen Verhältnissen und
nicht nur in sagenumwobenen dunklen Anfängen der
Mythos lebt. Mit einem Übernamen für den
Publikumsliebling gaben sich die VfB-Anhänger
nicht zufrieden, und man sollte dem gesunden
Gespür der Menschen für treffende Ausdrücke
Respekt zollen. Wenn sie ihr sportliches Idol
zum „Wasenkarle“ machten, dann mag vieles
mitschwingen, auf alle Fälle aber auch die
innere Nähe zum Verein, ohne die man nicht elf
Jahre bleiben kann. Karl Allgöwer steht hier in
einer Reihe mit Robert Schlienz, Rolf Blessing
und Erich Retter, die ihn gewiss aufgenommen
hätten in ihre glorreiche Mannschaft. Damals,
als man noch auf Vereinstreue setzte.
Wahrscheinlich versteht man diesen „Querkopf“
von der Alb erst dann wirklich, wenn man sich an
die Vorstellungen hält, die über unseren
Menschenschlag kursieren. Der Schwabe ist nun
einmal nicht einfach gestrickt, musste immer
sparsam wirtschaften und viel erfinden, um sich
zu behaupten in seiner kargen Welt – und um
Großes zu leisten. Dass dann hie und da
Querdenker heranwachsen, ist doch nicht zu
bemängeln, eher schon typisch. Typisch von hier.
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