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Magazin für Tradition, Mythos und Kultur
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  unabhängige Vereinspage über die Profimannschaft des VfB Stuttgart 1893 e.V.       11. Jahrgang

 
 
 


 
    

Die Sünder (Buch 100 Jahre VfB Stuttgart, zu bestellen im VfB Sport-Shop )
Wie drei VfB-Profis am dunkelsten Kapitel der Bundesliga mitschrieben, schildert Klaus Schlütter

Bis dahin war der Kronenberg-Prozeß sein größter Fall. In 111 Sitzungstagen war der Stuttgarter Landgerichtsdirektor Hans Kindermann - er ist inzwischen pensioniert - im größten Wirtschaftsprozeß der deutschen Gerichtsgeschichte den gerissenen Millionenbetrügern auf die Schliche gekommen.

Bis dahin - bis 1972. Da rückte Hans Kindermann auch in den Blickpunkt der sportlich interessierten Öffentlichkeit. Als Vorsitzender des DFB-Kontrollausschusses brachte er Licht in das dunkelste Kapitel des Bundesliga-Fußballs. Er klärte als »Herr Saubermann« des DFB mit beispielhaftem Eifer und enormem Zeitaufwand die Bestechungsaffäre auf.
Auf der Anklagebank saßen rund drei Dutzend Profis, darunter drei vom VfB: die Abwehrspieler Hans Arnold und Hans Eisele sowie Mittelstürmer Hartmut Weiß.

»Wenn ich die Sache rückblickend betrachte, muss ich sagen: Ich habe reichlich unüberlegt gehandelt. Aber alles ging ruck-zuck.« So erinnert sich Arnold an seinen damaligen Kurzschluss. Für ihn sprach, dass er, im Gegensatz zu allen anderen Beschuldigten, sofort alles zugegeben hat. Sogar Kindermann räumte dem VfB-Abwehrspieler mildernde Umstände ein: »Endlich mal einer, der trotz allem noch soviel Sportsgeist hat und versucht, gleich reinen Tisch zu machen. Das hat mich echt gefreut bei all den Ungereimtheiten, die ich sonst gehört habe.« Damals, in der Saison 1970/71, war die Bundesliga noch eine große Attraktion. Die Zuschauer strömten, das Geld saß lockerer. Die Versuchung, eine schnelle Mark zu machen, war um so größer.

Zu jener Zeit zogen ein paar feine Herren mit schwarzen Geldkoffern durch die Lande in der Absicht, Spieler zu finden, die für ein paar »Braune« bereit waren, im entscheidenden Moment den Fuß zurückzuziehen oder dem Ball eine andere Richtung zu geben. So geschah es, dass abstiegsbedrohte Mannschaften auf wunderbare Weise immer wieder zu Siegen kamen, mit denen keiner gerechnet hatte.

Einer davon war das 1 : 0 von Arminia Bielefeld über den VfB. Was die 20000 Zuschauer, die den Sieg auf der Alm überschwänglich feierten, nicht wissen konnten: Drei Stuttgarter waren gekauft. Und das gleich zweimal!
An einer Tankstelle an der Autobahn zwischen Heilbronn und Mannheim hatte der Bielefelder Spieler und Geldbote Jürgen Neumann 45 000 Mark übergeben, die unter den drei Komplizen Arnold, Eisele und Weiß aufgeteilt wurden. Aus einer zweiten Quelle kassierte jeder dieser drei Spieler noch einmal 3000 Mark. Dieses Geld wurde bis nach dem Spiel in einem Stuttgarter Postkasten hinterlegt.

Als der Obsthändler Horst Gregorio Canellas, der bei den Offenbacher Kickers das Sagen hatte, bei einer Gartenparty die Bombe platzen ließ und den Skandal aufdeckte, packte Hans Arnold als ersten die Reue: Er legte ein volles Geständnis ab, wurde vom DFB gesperrt und vom VfB suspendiert. Tags darauf erklärte der damalige Stuttgarter Präsident Hans Weitpert in einer kurzfristig einberufenen Pressekonferenz mit aschfahlem Gesicht: »Die Ereignisse haben uns buchstäblich überrollt. Für uns war es ein harter Schlag, so dass wir vor der Frage standen, ob wir weitermachen sollten oder nicht.« Sämtliche VfB-Spieler außer den Sündern unterschrieben auf Verlangen des Vereins eine Erklärung, in der sie ehrenwörtlich versicherten, keine Bestechungsgelder angenommen zu haben. Nach Arnolds Geständnis sagte auch Torjäger Hartmut Weiß, Spitzname: »Filder-Gento«, aus. Und zwar schriftlich. Kuriosum am Rande: Der DFB hatte diese Aussage schwarz auf weiß, denn der Anwalt von Weiß hieß Schwarz. Damit war auch die Profikarriere des langen Torjägers beendet. Spät, als Amateur, ging Weiß dann wieder bei seinem Stammverein TSV Bernhausen auf Torjagd. Arnold machte sich im Lauf der folgenden Jahre beim VfB als Jugendtrainer verdient.

Beim Abwehrrecken Hans Eisele bissen die Gegenspieler auf Granit - Hans Kindermann auch. Eisele war zu keinem Geständnis zu bewegen. Er entzog sich dem langen Arm des Chefanklägers durch einen Wechsel zu Alpine Donawitz nach Österreich. Seit seiner Rückkehr arbeitet Eisele bei einer großen Automobilfirma und trainiert nebenbei kleinere Klubs im Großraum Stuttgart.

     
   
     
   
     
   
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