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Magazin für Tradition, Mythos und Kultur
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  unabhängige Vereinspage über die Profimannschaft des VfB Stuttgart 1893 e.V.       11. Jahrgang

 
 
 


 
    

Früher war nicht alles besser, aber alles anders (Buch 100 Jahre VfB Stuttgart, zu bestellen im VfB Sport-Shop )

Gerhard Wörn war zwanzig Jahre Profi: heute ist er Physiotherapeut und erinnert sich (06/97)

Gerhard Wörn kennt noch die schlimmsten Zeiten. Er war 18, gerade Deutscher Meister mit der A-Jugend geworden und musste zum Einstand als Profi gleich mit Egon Coordes, Hanjo Weller und Co. Spießrutenlaufen in der Zweiten Liga. Das ging an Herz und Nieren, "schließlich", so Wörn, "kam die Mehrzahl der Spieler aus unserer Gegend und für viele von uns besaß der VfB einfach einen ganz anderen Stellenwert als heute".

Wenn der Physiotherapeut Gerhard Wörn jetzt über seine Patienten hinwegschaut, so entdeckt er eine große Anzahl internationaler Stars. Dieser Trend vom früher eher landsmannschaftlich orientierten Fußballverein zur internationalen Sport- und Unterhaltungsfirma und die damit verbundene "Explosion der Gehälter" machen für Gerhard Wörn den Hauptunterschied im Geschäftsgang der letzten 20 Jahre aus.

Damals sei es ein Highlight gewesen, erzählt Wörn, "als der Willi Entenmann mit einem VW-K70 vorm Klubheim vorgefahren kam". Heute würde auf dem Parkplatz des VfB, auf dem Daimlers und Porsches dominieren, nicht einmal ein Ferrari auffallen. Oder die Geschichte mit dem Fliegen. In der Zweiten Liga war es noch die absolute Sensation, wenn die beiden Gymnasiasten Hansi Müller und Harald Beck der Mannschaft mit einer Propellermaschine am Spieltag hintergeflogen sind. Inzwischen reist die Equipe vom Wasen vorwiegend per Learjet und versucht, "nach den Spielen möglichst viel Zeit für die Regeneration herauszuholen" (Wörn).

Zu seinen Profizeiten habe man sich noch nicht ausgelaufen, sagt Wörn, ab und zu sei mal der Masseur Klaus Kuhn vorbeigekommen.

Trainer Sundermann brachte dann seinen Freund Francois Caneri mit. Der spritzte zwar wie ein Doktor, aber die Behandlungen und Massagen fanden zum größten Teil noch in der Praxis des Physiotherapeuten statt. Wörn: "Das Bewusstsein, dass auch eine medizinische Abteilung und vor allem Regeneration gebraucht werden, hat sich erst im Laufe der Zeit entwickelt." Der Bedarf habe sich erstens durch die immer größere Anzahl von Spielen, zweitens durch die mit dem Spieltempo gestiegene Belastung ergeben.

Außer Ex-Profi Wörn sind schon länger zwei weitere Physio Kräfte im "Roten Haus" angestellt und tagtäglich im Einsatz, nach Flutlichtspielen auch in Sonderschichten. Manchmal fällt es auch Wörn noch ein, wie es gewesen ist, als sie vor dem Spiel oder während der Halbzeit in der Kabine auf ihre Liegen mussten. "Eine psychologische Masche, ein Tick von Sundermann." Wenn sich die VfB-Spieler heute im Umkleideraum hinlegen, tun sie das nach dem Spiel. Die Doktoren führen ihnen mittels Infusionen Elektrolyte, Kohlehydrate und Vitamine zu. Auf die Gesundheit und Fitness der Profis sind diese, aber auch der Verein, heute weit mehr als früher angewiesen.

     
   
     
   
     
   
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