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Früher war nicht alles besser, aber alles anders
(Buch 100 Jahre VfB Stuttgart, zu bestellen im VfB Sport-Shop
)
Gerhard Wörn war zwanzig Jahre Profi: heute ist er
Physiotherapeut und erinnert sich (06/97)
Gerhard Wörn kennt noch die schlimmsten Zeiten. Er
war 18, gerade Deutscher Meister mit der A-Jugend geworden und musste
zum Einstand als Profi gleich mit Egon Coordes, Hanjo Weller und Co.
Spießrutenlaufen in der Zweiten Liga. Das ging an Herz und Nieren,
"schließlich", so Wörn, "kam die Mehrzahl der Spieler aus unserer Gegend
und für viele von uns besaß der VfB einfach einen ganz anderen
Stellenwert als heute".
Wenn
der Physiotherapeut Gerhard Wörn jetzt über seine Patienten
hinwegschaut, so entdeckt er eine große Anzahl internationaler Stars.
Dieser Trend vom früher eher landsmannschaftlich orientierten
Fußballverein zur internationalen Sport- und Unterhaltungsfirma und die
damit verbundene "Explosion der Gehälter" machen für Gerhard Wörn den
Hauptunterschied im Geschäftsgang der letzten 20 Jahre aus.
Damals sei es ein Highlight gewesen, erzählt Wörn,
"als der Willi Entenmann mit einem VW-K70 vorm Klubheim vorgefahren
kam". Heute würde auf dem Parkplatz des VfB, auf dem Daimlers und
Porsches dominieren, nicht einmal ein Ferrari auffallen. Oder die
Geschichte mit dem Fliegen. In der Zweiten Liga war es noch die absolute
Sensation, wenn die beiden Gymnasiasten Hansi Müller und Harald Beck der
Mannschaft mit einer Propellermaschine am Spieltag hintergeflogen sind.
Inzwischen reist die Equipe vom Wasen vorwiegend per Learjet und
versucht, "nach den Spielen möglichst viel Zeit für die Regeneration
herauszuholen" (Wörn).
Zu seinen Profizeiten habe man sich noch nicht
ausgelaufen, sagt Wörn, ab und zu sei mal der Masseur Klaus Kuhn
vorbeigekommen.
Trainer Sundermann brachte dann seinen Freund
Francois Caneri mit. Der spritzte zwar wie ein Doktor, aber die
Behandlungen und Massagen fanden zum größten Teil noch in der Praxis des
Physiotherapeuten statt. Wörn: "Das Bewusstsein, dass auch eine
medizinische Abteilung und vor allem Regeneration gebraucht werden, hat
sich erst im Laufe der Zeit entwickelt." Der Bedarf habe sich erstens
durch die immer größere Anzahl von Spielen, zweitens durch die mit dem
Spieltempo gestiegene Belastung ergeben.
Außer Ex-Profi Wörn sind schon länger zwei weitere
Physio Kräfte im "Roten Haus" angestellt und tagtäglich im Einsatz, nach
Flutlichtspielen auch in Sonderschichten. Manchmal fällt es auch Wörn
noch ein, wie es gewesen ist, als sie vor dem Spiel oder während der
Halbzeit in der Kabine auf ihre Liegen mussten. "Eine psychologische
Masche, ein Tick von Sundermann." Wenn sich die VfB-Spieler heute im
Umkleideraum hinlegen, tun sie das nach dem Spiel. Die Doktoren führen
ihnen mittels Infusionen Elektrolyte, Kohlehydrate und Vitamine zu. Auf
die Gesundheit und Fitness der Profis sind diese, aber auch der Verein,
heute weit mehr als früher angewiesen.
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