Seite [zurück]
Magazin für Tradition, Mythos und Kultur
  Seite [vor]
     
   
 
  unabhängige Vereinspage über die Profimannschaft des VfB Stuttgart 1893 e.V.       11. Jahrgang

 
 
 


 
    

"Dem springt kein Ball vom Fuß" (Buch 100 Jahre VfB Stuttgart, zu bestellen im VfB Sport-Shop)

Neapel, 3.Mai 1989: Als Jürgen Hartmann im UEFA-Cup-Finale die Hand Gottes schüttelte (06/97)

Sie saßen in der Trattoria di soundso, zur letzten Stärkung vor dem großen Spiel, und der Wirt, der wahrscheinlich Luigi hieß, war ein ausgesucht höflicher Mensch. Erst nach dem Essen konfrontierte er uns mit der schrecklichen Wahrheit: Er streckte drei Finger in die Höhe. Dreinull also.

Benno fand, dass dieser Tipp doch entschieden zu weit ging. Benno, der Kollege von Radio Luxemburg, immer locker, immer lustig, und ein guter Deutscher ihm ein Licht aufgegangen- "nix da", sagte er wild entschlossen und schüttelte heftig den Kopf.

"Maradonnnna!", donnerte darauf Luigi, er sang uns den Namen geradezu vor und blieb dabei: drei Finger für Napoli, null Finger für Stoccarda. Was tun- Benno nahm seinen ganzen Mut und Optimismus zusammen, blickte dem anderen tief ins süditalienische Auge und konterte: "Hartmannnn!"

Luigi schaute uns an. Hilflos, ratlos, wie einer, der nur Bahnhof versteht. Hartmannnn- Er zuckte mit den Schultern, holte seinen Block und den Bleistift und machte die Rechnung fertig.
Später, im Spiel, hat es dann zweifellos geschnackelt bei ihm. Da hat er begriffen, was Benno gemeint hat. alle einig, daß ein Zweikampf auf dem Platz auch mal zwei Sieger haben darf. In diesem Fall: Diego Armando Maradona, SSC Neapel, Weltklasse - und Jürgen Hartmann, VfB Stuttgart, Mittelfeld.

Es war der 3. Mai 1989, und es war das erste Finale um den UEFA-Pokal. Hinterher lehnte Hartmann im Kabinengang des Stadions San Paolo und wurde los, was ihm zu seinem berühmten Gegenspieler spontan durch den Kopf ging.

"Dem springt kein Ball vom Fuß."

"Man weiß nie, was dieser Mann im nächsten Moment macht - man kann es nur erahnen."

"Du merkst im Spiel schon, dass Maradona nicht so viel Luft wie die anderen hat. Aber das heißt nicht, dass man sich nur gemütlich hinter ihn stellen muss. Du musst immer auf der Hut sein, in jeder Sekunde der 90 Minuten - sonst ist es passiert."

Hartmann wusste, wovon er da sprach. Denn zweimal war es passiert. Zwanzig Minuten vor Schluss verwandelte Maradona einen umstrittenen Elfmeter (der Schiedsrichter hatte ihm zuvor ehrfürchtig und unbegreiflicherweise ein Handspiel durchgehen lassen) kurz und flach zum 1:1-Ausgleich, und drei Minuten vor Schluss ging es zackzack: Maradona zu Careca - 2:1. Hartmann war hinterher stolz und traurig, er hatte erfahren müssen, wie knapp die Distanz ist vom Glück zum Pech. Er hatte dieses Duell fast gewonnen. Fast. Denn am Ende entschied Maradona halt doch noch das Spiel.
"Mit der Hand Gottes", lachte Hartmann.

Drei Tage vor dem Spiel hatte er es vom Trainer erfahren: Sein Auftrag hieß Maradona. Nichts anderes würde er zu tun haben: Er musste dem Hexer das Handwerk legen, nicht mehr, aber halt auch nicht weniger. Hartmann blieb cool. Er lasse sich nicht verrückt machen, sagte er jeden Tag hundertmal, denn hundertmal fragten ihn alle zu Maradona.

Hartmanns Rezept vor dem Duell mit dem Zauberer: "Der Kopf muss klar bleiben. Mit dem Drumherum vor einem großen Spiel habe ich schon mal schlechte Erfahrungen gemacht - das war damals bei unserem Pokalendspiel gegen die Bayern in Berlin. Der Wirbel hat uns damals nur abgelenkt." Die Strafe war deutlich - 2:5.

"Nein", sagte Hartmann zu jedem, "wegen Maradona mache ich mir keine schlaflosen Nächte."

Er hat ihn sich dann angeschaut auf Video, des Maestros Finten, des Künstlers Feinheiten, und die Ruhe auch bei der Zeitlupe nicht verloren. Und dann auch nicht beim Spiel, im Stadion San Paolo, diesem Dampfkessel der Leidenschaften. Der Wachhund Hartmann erfüllte seinen Job, er tat es ohne Hast, zwar wie ein Terrier - aber ohne zu bellen und zu beißen. Er störte den Star einfach beim Zaubern und passte auf, dass er dabei nicht die zweite gelbe Karte kassierte wie Guido Buchwald, der damit das Rückspiel einbüßte.

Hartmann: "In Situationen, die nicht gar zu brenzlig waren, habe ich mich zurückgehalten."

Dieser Deutsche, staunte Maradona später, habe es ohne Fouls versucht. Das war ihm selten zuvor passiert. Er versprach dem VfB-Mann spontan sein Trikot, vergaß dann aber im Siegesrausch doch die Übergabe. "Macht nix", sagte Hartmann in den Katakomben des Stadions San Paolo so ruhig wie der Indianer auf der Jagd nach dem Skalp, "dann hole ich mir das Ding halt in zwei Wochen." Zwei Wochen später, beim Rückspiel (3:3) im Stuttgarter Neckarstadion, waren dann beide glücklich und froh, der Weltstar und sein Bewacher. Beide gewannen - der eine den UEFA-Cup, der andere dieses Trikot.

Jürgen Hartmann hat die Hand Gottes geschüttelt.

     
   
     
   
     
   
     Unterstützt wird HefleswetzKick von:  
     
 
     
 
 
   
 
 
Aktuelles ........................................... [weiter]   Statistik ...................................... [weiter]
Nachrichten Ergebnisse, Tabellen, ..     Zahlen, Daten Fakten, ...  
Teams ............................................... [weiter]   Stadion ....................................... [weiter]
Fotos, Berichte, Geschichte, ...     Geschichte, Ereignisse, ...  
Personen .......................................... [weiter]   Fanzone ...................................... [weiter]
Datenbanken, Fotos, Geschichten, ...     alles für den VfB Stuttgart Fan  
Chronik ............................................. [weiter]   Download ................................... [weiter]
Zeitgeschichte, Dokumente, ...     für zu Hause  
 
 
  HefleswetzKick | Michael Holzschuh | Weilbachweg 9 | 82541 Münsing | Telefon: 08177-997267 | E-Mail | Internet |
Inhaltlicher Verantwortlicher gemäß § 55 Abs. 2 RStV: Michael Holzschuh (Anschrift wie nebenstehend)