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Magazin für Tradition, Mythos und Kultur
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  unabhängige Vereinspage über die Profimannschaft des VfB Stuttgart 1893 e.V.       11. Jahrgang

 
 
 


 
    

Tore, Titel und Triumphe (VfB Stuttgart Buch, zu bestellen im VfB Sport-Shop)

Zwei Pokalsiege, ein Silberlorbeer und die erste VfB-Glatze (06/97)

Es soll bloß keiner glauben, dass Fredi Bobic und seine Spät-Neunziger die VfB-Glatze erfunden haben. Schon in den 50er Jahren litt in Stuttgart vor lauter Fußballverrücktheit manche Frisur. Vor dem DFB-Cupfinale'58, gegen Fortuna Düsseldorf, versprach der VfB-Fan Günter Detlaff auf der Schwäbischen Alb seinen Kumpeln: "Wenn wir gewinnen, dürft ihr mir den Kopf scheren."

Hinterher haben sie sich in einer Geislinger Wirtschaft getroffen, ihn kahlrasiert und mit Lippenstift seine drei Lieblingsbuchstaben auf die Glatze gemalt: "V-f-B."

Wilde, verrückte Jahre. Den Anfang machte die Meisterschaft '50, das 2:1 gegen Kickers Offenbach in Berlin. Vor 86 000 Zuschauern schossen Bühler und Läpple die Tore, und in Stuttgart empfingen 300 000 die Sieger. Verteidiger Richard Steimle: "Ab Esslingen ging die Begeisterung los, ab Cannstatt war die Lok "fremdbesetzt" - bei der Einfahrt im Hauptbahnhof setzte die Hölle ein. Und dann das Hupkonzert! In offenen Wagen fuhren wir durch die Stadt." Später gab's 1000 Mark Prämie und den Silbernen Lorbeer.

Aber sie haben sich auf demselben nicht ausgeruht.

Ludwigshafen, 1952. Wurzers Truppe machte es erneut. 3:2 gegen Saarbrücken. Erst traf Kapitän Schlienz, dann zweimal Baitinger. Im Tor stand statt "Gummi"-Schmid jetzt Karl Bögelein, und der weiß noch: "Wir hatten hart gearbeitet. Viermal in der Woche Training, von der Arbeit direkt zum Fußball. Und 320 Mark im Monat als Höchstverdienst. Doch der schönste Lohn war eh der Titel."
Im folgenden Jahr war Fritz Walter mit seinen Lauterern im Berliner Endspiel (1:4) dann eindeutig besser, doch die Stuttgarter fanden durchaus noch genug Grund zum jubeln in jenem tollen Jahrzehnt - im DFB-Pokal.

Der erste Coup im Cup gelang 1954 in Ludwigshafen, gegen den 1. FC Köln. Nach 90 Minuten stand es vor 50 000 Zuschauern noch null null. Sepp Herberger, der Bundestrainer, der ein paar Wochen später im Berner Wankdorfstadion zum Volkshelden aufsteigen sollte, runzelte seine Denkerstirn und klagte: "Die sin' so defensiv. S'is kee guts Spiel." Umso besser war VfB-Verteidiger Erich Retter gegen seinen Nationalmannschafts-Kameraden Hans Schäfer, die Glanznummer im Kölner Sturm. Und gut war auch Kalli Barufka, der nach einer Knieoperation lange pausiert hatte. Dann, in der 95. Minute, schlug Schlienz die Kugel zum jungen Waldner, der besorgte den Rest 1:0. Die FC-Zauberer hatten zwar etwas eleganter gespielt, der VfB dafür moderner. Den Unterschied hat keiner schöner erzählt als Richard Kirn im "Sportbericht": "Der Kölner Stil erinnerte mich an eines jener Häuser, wie sie in der Gründerzeit gebaut wurden und wie sie in den Bahnhofsvierteln von Frankfurt und Heidelberg heute noch, rauchgeschwärzt, zu sehen sind: mit Gesimsen, Erkerchen, mit becherschwingenden Faunen, mit Fratzen, Nixen, Karyatiden. Die Stuttgarter spielten glatte, blanke, kalte Fassade, Bauhaus 1928."

Vier Jahre später, im Cupfinale '58 gegen Düsseldorf, war der VfB nicht unbedingt Favorit. Wurzers Mannschaft befand sich im Umbruch. Die Stuttgarter trafen nach sechs Stunden Bahnfahrt erst spät am Vortag in Kassel ein und übernachteten im Hotel Reiss beim Bahnhof - aber im Spiel waren sie hellwach. Dieter Praxl, Rolf Geiger und Erwin Waldner schossen die Tore bis zum 3:3.

Verlängerung wie 1954. Und der VfB machte es wieder. Die Entscheidung fiel in der 112. Minute durch Lothar Weise. "Es war zum Schluss so dämmrig geworden", schrieb tags darauf der Chronist Hans Körfer, "dass das Rätselraten um den Torschützen erst in der Kabine des VfB gelöst wurde, wo man zwar auch den Namen Blessing nannte, sich dann aber auf Weise einigte."

Manche behaupten freilich noch heute, es sei Praxl gewesen.

     
   
     
   
     
   
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