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Magazin für Tradition, Mythos und Kultur
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  unabhängige Vereinspage über die Profimannschaft des VfB Stuttgart 1893 e.V.       11. Jahrgang

 
 
 


 
    

Der erste große Bahnhof (Buch 100 Jahre VfB Stuttgart, zu bestellen im VfB Sport-Shop )

1935: Bei der Heimkehr vom Finale nimmt der deutsche Vizemeister sein Bad in der Menge (06/97)

Mit der Machtübernahme der Nationalsozialisten im Jahre 1933 begann auch für den deutschen Sport eine neue Zeitrechnung. Der deutsche Fußball-Bund (DFB) wurde zerschlagen und ins sogenannte "Fachamt Fußball" überführt. Widerstand dagegen gab es kaum. Auch beim VfB hielten es die Funktionäre für geraten, sich mit den neuen Machthabern zu arrangieren. Schon Anfang der Dreißiger hatte der Verein seinen Platz in vorauseilendem Gehorsam für einen Aufmarsch der aufstrebenden NSDAP zur Verfügung gestellt. Ein Entgegenkommen, das von der Kommunalbehörde ziemlich unwirsch quittiert wurde - sie kündigte dem Verein empört die Spielanlage.

Nach der Wahl Hitlers ließ der VfB keinen Zweifel, dass er ideologisch im Gleichschritt mit der NSDAP marschierte. Dafür gab's die entsprechende Belohnung, der Platz ging zurück an den Besitzer, die Entwicklung des VfB zeigte weiterhin nach oben. Den Spielern ging es auch beruflich gut, die meisten waren ordentlich bei der Firma Bosch beschäftigt. 1935 erreichten sie erstmals die Endrunde um die Deutsche Meisterschaft, doch der Start war miserabel. Nach einem schrecklichen 0:3 gegen Hanau 93 nämlich mussten sie gegen die Mannschaft aus Jena antreten, was nicht weiter arg gewesen wäre, hätte die Partie nicht ausgerechnet in Ulm stattgefunden. Dort aber hatte kurz zuvor das entscheidende Spiel um die württembergische Meisterschaft einen höchst unerfreulichen Verlauf genommen, darin gipfelnd, dass der örtliche Polizeipräsident in SA-Uniform aufs Spielfeld stürmte, um dem Schiedsrichter unmissverständlich zu verdeutlichen, für wen er hier zu pfeifen hätte. Tat der aber nicht, so dass am Ende der VfB mit zwei Punkten Vorsprung auf den SSV Ulm den Titel eroberte.

jedenfalls sah sich der VfB nicht nur elf Jenaern gegenüber, sondern vor allem erbitterter Feindseligkeit der Ulmer Zuschauer. Der schrillgiftigen Atmosphäre waren die Buben mit dem roten Brustring nicht gewachsen, kläglich verloren sie mit 1:2. Alles aus, dachte man beim , denn nun ging's gegen die SpVgg Fürth. Doch siehe da, unter der glänzenden Regie von Willy "Knölle" Rutz und mit der Treffsicherheit von Mittelstürmer Erwin Haaga führten die Stuttgarter den hohen Favoriten regelrecht vor. Vermutlich ist das 4:1 gegen die berühmten "Kleeblättler", den dreimaligen Deutschen Meister, der bis dahin größte Erfolg der Vereinsgeschichte gewesen.

Doch damit hatten die VfBler ihr Pulver noch lange nichts verschossen, nun bekamen sie, wie man heute sagen würde, ihren Lauf. 2:1 in Hanau, 3:2 gegen die SpVgg Jena, Punktgleichheit mit Fürth. Das entscheidende Gruppenspiel gegen die Franken brachte vor 20 000 Zuschauern ein 3:2 für die von Trainer Fritz Teufel eingestellte Mannschaft. Nun muss aber irgendwann Schluss mit diesen schwäbischen Emporkömmlingen sein, dachte das überraschte Fußball-Deutschland. Weit gefehlt, durch ein 4:2 über das seinerzeit hochangesehene Team des Vfl Benrath spielte sich der VfB ins Endspiel.

Das Finale am 23. Juni 1935 fand in Köln statt, und die jungen Stuttgarter hatten es mit Schalke 04 zu tun, dem Bayern München der dreißiger Jahre. "Mit unserem Kreisel", murmelte der bedächtige Vorkriegs-Beckenbauer Fritz Szepan, "kombinieren wir die Gegner müde. Wir verwirren sie. Wir hetzen sie. Dann schlagen wir zu." Der VfB schien bei flirrender Hitze schon vom Anpfiff an völlig ermattet zu sein, nach 53 Minuten meldete der Stadionsprecher ein deprimierendes 0:4, und es roch nach dem ersten zweistelligen Resultat eines Endspiels. Zu einseitig war die Partie, zu überlegen demonstrierten die Ruhrpottler ihre fliegenden Kombinationen. Doch so kampflos wollten sich die ehrgeizigen VfBler nicht in ihr Schicksal ergeben, da musste doch noch was zu machen sein. Und tatsächlich - nach dem ersten VfB-Treffer durch Otto Bökle, der am Wasen nur der "G'fährlich" hieß, spielte sich in der letzten halben Stunde ein grandioses Spektakel ab. Am Ende hieß es 4:6 gegen die Stuttgarter, die zwar die "Viktoria", die Meisterschale, ihrem Gegner überlassen mussten, diesem aber immerhin die Rekordzahl von vier Gegentreffern beigebracht hatten.

Der Empfang daheim übertraf alles bislang da gewesene, schon in Bietigheim standen die Anhänger am Gleis, um die Heimkehrer im Sonderzug gebührend zu feiern. Am Stuttgarter Bahnhof wartete eine Unüberschaubare Menge auf die erfolgreichen Verlierer, die anschließend in blumengeschmückten Autos durch die Straßen kutschiert wurden. Der VfB hatte die Kickers als Nummer eins in der Stadt überholt.

     
   
     
   
     
   
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