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"Winni, schlag die Sauschwaben!"
(Buch 100 Jahre VfB Stuttgart, zu bestellen im VfB Sport-Shop
)
Für den KSC-Fan und ihren wilden Schäfer ist der
VfB ein rotes Tuch (06/97)
Karlasruhe . Wildparkstadion. Samstags, kurz vor halb
vier. In der KSC-Kabine machen sie den Kreis wie Herbergers Helden
weiland vor dem Wunder von Bern: Die Spieler, der Trainer, der Doktor,
der Zeugwart - sie halten Händchen.
Ein Urschrei - und raus geht's.
Roland
Schmider, der Präsident, legt derweil den Kopf in den Nacken und lässt
sich die Pillen in den Mund fallen wie Baldriantropfen.
"Magnesium-Tabletten, fürs Herz", sagt er und tigert aus der Kabine auf
die Tribüne. Puls 180. So ist das bei jedem Heimspiel des KSC.
Vor allem, wenn der VfB kommt.
Winnie Schäfer ist vor dem baden-württembergischen
Derby immer besonders heiß. Stuttgart- Da zündet der KSC-Trainer, der
nach Augenzeugenberichten schon als roter Feuerkopf auf die Welt kam,
vollends seine letzten Raketen. Wenn's gegen den VfB geht, kriegt er
manchmal sogar einen ganz dicken Hals, Kragenweite 50 und mehr - vor
allem im Gottlieb-Daimler-Stadion, wo er mit seinen tapferen Karlsruhern
unvermeidlicherweise meistens verliert, muss ihn der Schiedsrichter
vorsichtshalber immer mal wieder auf die Tribüne schicken, hinter den
Zaun. Das ist wie mit den Löwen und Tigern in der Wilhelma.
Winnie kann sich zauberhaft aufregen, manchmal hat
man den Eindruck, daß der VfB auf ihn wirkt wie ein weißrotes Tuch mit
Brustring. Vor allem über Christoph Daum hat er sich mal herzhaft
geärgert. Das war anno '93, als Daum mit dem VfB Deutscher Meister war
und sich im eigenen Stolz um einen zur gleichen Zeit ablaufenden kleinen
Boom des KSC nicht sonderlich scherte - jedenfalls hat er weder
beeindruckt die Hände an die Hosennaht gelegt noch den Hut gezogen, wie
Schäfer das wohl erwartet hätte. Der VfB-Kollege, regte sich Winnie
sogar auf, mache sich über den Karlsruher Aufwärtstrend lustig.
Schäfer: "Der Daum tönt aus Stuttgart, wir seien wie
der Hund, der halt zwischendurch mal mit dem Schwanz wedelt. Warum hat
er uns dann nicht als Blindenhund mit nach Leeds genommen-" Sie wissen
schon: Nach England - zu jenem denkwürdigen Spiel, bei dem Daum den VfB
durch schwaches Kopfrechnen unglücklicherweise aus dem Europacup
auswechselte.
Winnie lachte sich wund.
Unter dem Strich hat der KSC gegen den VfB allerdings
eher wenig zu lachen, die einen singen ihr Badenerlied, die anderen
siegen, das war schon anno Tobak mit den badischen Ballzauberern Thermat
und Ruppenstein so und ist heute nicht anders, obwohl der Schäfer sich
alle Mühe gibt beim Heißmachen seiner Herde. Aus Film, Funk und
Fernsehen ist er bekannt als Motivationskünstler. In jeder
Mannschaftsbesprechung geht's bei ihm tüchtig zur Sache -er will seinen
KSC keck machen, und keß. Frech sollen die Burschen sein, respektlos,
wenn's gegen die Bayern geht, die Dortmunder - und erst recht halt gegen
den VfB. Da können auch die gemeinsamen alemannischen Vorfahren nichts
mehr retten.
Sauschwaben!,
schimpfen die Karlsruher. Gelbfüßler!, lästern die Stuttgarter.
Die Karlsruher hatten schon immer diesen kleinen
Komplex, so eine Art Fußabstreifer zu sein ein paar Kilometer vor der
Haustür des VfB, oder noch schlimmer: dessen Wurmfortsatz. Selbst
Schäfer, der weitab vom Schuss in der Eifel geboren ist, leidet
darunter. Deshalb giftet er, wenn er in Hochform ist, gerne in Richtung
Stuttgart: Er hat sich einmal lebhaft beschwert, dass Daimler-Benz den
KSC-Kickern höhere Leasing-Raten abknöpft als den VfB-Stars ("Wir haben
keinen Daimler, der uns das Stadion ausbaut"), er hat die
Fernseh-Fußballfuzzies vom SDR lauthals zu VfB-Lobbyisten erklärt ("Die
sind rot angehaucht"), und als der schwäbische Sportkolumnist und
Bestseller-Autor Hans Blickensdörfer ("Die Baskenmütze") ihn scharf und
spitz auf die Schippe nahm, äußerte der respektlose Winnie auf der
Stelle den Verdacht, der gute "bli" leide an Sehschwäche: "Ist ihm die
Baskenmütze ins Gesicht gerutscht-"
Dabei hatte der Beobachter Blickensdörfer von der
Tribüne aus alles richtig gesehen: Diesen an der Seitenlinie wie auf
einem Trampolin hüpfenden, tanzenden, unter Starkstrom stehenden Trainer
Schäfer - "man fragt sich", schrieb "bli" in seinen Notizblock, "wann
dieser wilde Hund auch noch die Karlsruher Eckbälle vors VfB-Tor
schießt".
Winnie, der Wilde. Er hört gern Beethoven, aber halt
auch die Rolling Stones - und in erregtem Zustand ist er wie Mick Jagger
nicht sehr katholisch. Am wenigsten beim baden-württembergischen Derby.
Vor dem letzten hat er erzählt: "Ich muss mir unbedingt was einfallen
lassen. Schauen Sie, da draußen, die Rentner. Die sagen mir jeden Tag:
Winnie, schlag die Sauschwaben!"
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