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  unabhängige Vereinspage über die Profimannschaft des VfB Stuttgart 1893 e.V.       11. Jahrgang

 
 
 


 
    

"Ohne meine Frau hätte ich das Pfeifen aufgehört" (Buch 100 Jahre VfB Stuttgart, zu bestellen im VfB Sport-Shop )

Schiedsrichter Berg übersieht in Rostock einen Strafstoß für Frankfurt - und der VfB dankt es als Meister (06/97)

Auch heute noch redet Alfons nicht gern übers Thea Rostock und den Samstagnachmittag vom 16. Mai 1992. Und man könnte sogar Verständnis dafür haben, wenn sich Alfons Berg, Jahrgang '55, Diplom-Ingenieur (Chemie), Familienvater mit zwei Kindern aus 54392 Konz-Niedermennig, überhaupt nicht mehr über den schwärzesten Auftritt seiner Schiedsrichterlaufbahn auslassen würde.

"Wenn meine Frau nicht gewesen wäre, hätte ich an diesem Tag aufgehört mit Pfeifen", sagt Alfons Berg. Und er habe von da an mindestens ein Jahr gebraucht, "bis meine Leistung wieder wie zuvor war und mein Kopf wieder frei". Denn ein Schiedsrichter kann durchaus ganz gut mit ein paar Fehlern leben - die macht selbst ,der beste Unparteiische von Spiel zu Spiel - "aber ein Fehler, der ein paar Minuten vor Saisonschluss die Meisterschaft entscheidet, das trifft einen viel mehr".

Alfons Berg hatte sich im Recht gefühlt, als er eine Attacke des Rostocker Abwehrspielers Stefan Böger gegen den Frankfurter Mittelfeldspieler Ralf Weber im Hansa-Strafraum ungeahndet ließ. "Ich hatte geglaubt, dass Stefan Böger den Ball gespielt hatte." Ohne diese feste Überzeugung hätte einer der besten deutschen Referees kaum die folgenden Tumulte überstanden. Bei Weber brannten alle Sicherungen durch, sowohl auf dem Platz als auch nach dem Schlusspfiff stürzte sich der Nationalspieler auf den Unparteiischen, der durch eine Mauer von Spielern und Ordnern geschützt werden musste.

Als allerletzte Vorsichtsmaßnahme stellte sich Eintracht-Libero Manfred Binz mit aufgezogener Schlagfaust neben dem Schiedsrichter in Positur: "Ich hätte den Ralf ausgeknockt, wenn es nötig gewesen wäre."

Erst nachdem Weber in seiner ohnmächtigen Wut eine Fernsehkamera zertrümmert und dann einen Weinkrampf erlitten hatte, kam er ins Stadium der Vernunft zurück. "Ich danke allen", so Weber am Abend, "die mich zurückgehalten und vor einer großen, großen Dummheit bewahrt haben. Für das, was ich vor hatte, wird man lebenslang gesperrt."

Vorm Fernseher hat Berg seinen Irrtum bemerkt. Als er später zuhause anrief, lagen schon die ersten Morddrohungen von Eintracht-Fanatikern vor. Dieser Strafstoß wäre wohl das 1:2 gewesen, damit der Sieg und auch der Titel für die Mannschaft, die 19 Spieltage Tabellenführer war und mit dem Fußball des Jahres 2000 die Saison geprägt hatte. Die Familie Berg hat danach eine Geheimnummer bekommen. Und es hat über drei Jahre gedauert, bis Berg und die Hessen wieder bereit waren für die nächste Begegnung in Uerdingen. Der Eintracht-Fan-Block begrüßte den Schiedsrichter zwar mit dem Plakat "Berg, du Betrüger" und ziemlich schweinischen Chören, das Verhältnis zu den Spielern und Offiziellen aber war absolut okay," sagt Berg.

Und wenn ihm in jener Zeit außer seiner Frau und ein paar Freunden noch etwas geholfen hat, dann die Anrufe des Eintracht-Geschäftsführers und die Gleichlautende Aussage vom damaligen Trainer Stepanovic in der Pressekonferenz von Rostock: "Wer sagt denn, dass der Strafstoß auch reingegangen wäre. Wir waren selbst Schuld, dass wir den Titel nicht schon vorher geholt hatten."

     
   
     
   
     
   
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